Gewalt am Arbeitsplatz: 65-Prozent-Anstieg in Österreich seit 2021
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 14:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In Österreich hat die Zahl der durch Gewalt verursachten Arbeitsunfälle massiv zugenommen. Aktuelle Daten der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) belegen eine deutliche Steigerung der Vorfälle innerhalb weniger Jahre, wobei insbesondere Beschäftigte in sozialen und dienstleistungsorientierten Berufen betroffen sind. Angesichts dieser Entwicklung werden Forderungen nach verbesserten Schutzmaßnahmen für Arbeitnehmer laut.
Besorgniserregende Entwicklung im Gesundheits- und Sozialwesen
Die AUVA registrierte für das Jahr 2025 insgesamt 1.750 Arbeitsunfälle in Österreich, die direkt auf Gewaltanwendungen zurückzuführen sind. Im Vergleich zum Jahr 2021 entspricht dies einem Zuwachs von 65 Prozent. Diese Statistik verdeutlicht eine wachsende Gefährdungslage in verschiedenen Berufsfeldern, in denen der direkte Kontakt zu Menschen im Mittelpunkt steht.
Besonders betroffen von dieser Entwicklung sind laut AUVA-Angaben der Gesundheits- und Sozialbereich. Pflegekräfte, medizinisches Personal und Sozialarbeiter sind in ihrem Arbeitsalltag vermehrt physischen Übergriffen ausgesetzt. Ebenfalls eine hohe Betroffenheit zeigt sich in Berufen mit direktem Kundenkontakt, was auf ein allgemein gestiegenes Aggressionspotenzial in öffentlichen und geschäftlichen Interaktionen hindeutet.
Hohe Dunkelziffer bei psychischen Übergriffen
Trotz der bereits hohen Zahl von 1.750 gemeldeten Unfällen gehen Experten davon aus, dass das tatsächliche Ausmaß der Gewalt am Arbeitsplatz deutlich umfangreicher ist. AUVA-Präventionsdirektorin Krammer wies darauf hin, dass die vorliegenden Statistiken lediglich die Spitze des Eisbergs darstellen könnten. Die Dunkelziffer werde als hoch eingeschätzt, was primär an der Art der statistischen Erfassung liege.
Die AUVA meldet für 2026 1.750 Arbeitsunfälle durch Gewalt – 65 % mehr als 2021. Besonders betroffen: Gesundheits- und Sozialwesen. Holen Sie sich jetzt den kostenlosen Leitfaden mit Checkliste, Deeskalations-Training und Muster-Gefährdungsbeurteilung. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Krammer erläuterte, dass derzeit nur jene Vorfälle als Arbeitsunfall durch Gewalt erfasst werden, die eine körperliche Verletzung zur Folge haben und zu einem Krankenstand führen. Psychische und verbale Gewalt, wie etwa Bedrohungen, Beleidigungen oder systematisches Mobbing durch Außenstehende, fließen nicht in diese spezifische Statistik ein, sofern sie keine unmittelbare physische Arbeitsunfähigkeit auslösen. Da jedoch gerade verbale Aggressionen im Berufsalltag häufig vorkommen, bildet die aktuelle Datenlage die psychische Belastung der Beschäftigten nur unzureichend ab.
Gewerkschaften fordern konsequente Präventionsmaßnahmen
Die Veröffentlichung der Zahlen hat eine politische Debatte über den Schutz von Arbeitnehmern angestoßen. Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) reagierte auf die Daten der AUVA und forderte umgehende Maßnahmen, um die Sicherheit am Arbeitsplatz zu erhöhen. Angesichts der Steigerungsrate von 65 Prozent sieht die Arbeitnehmervertretung dringenden Handlungsbedarf seitens der Arbeitgeber und des Gesetzgebers.
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Ziel der Forderungen ist die Etablierung wirksamer Präventionskonzepte, die über die bloße Reaktion auf körperliche Übergriffe hinausgehen. Dazu gehören neben baulichen und organisatorischen Sicherheitsvorkehrungen in Krankenhäusern und Ämtern auch Schulungen zur Deeskalation sowie eine bessere psychologische Nachbetreuung von Opfern. Die Vertreter der Arbeitnehmerschaft betonten, dass Gewalt kein akzeptierter Bestandteil irgendeines Berufsbildes sein dürfe, ungeachtet der Branche.
Ob die steigenden Unfallzahlen zu einer Verschärfung der Arbeitnehmerschutzbestimmungen oder zu neuen Richtlinien für die Gefährdungsbeurteilung führen werden, bleibt abzuwarten. Die AUVA und die Sozialpartner signalisierten jedoch, die Entwicklung der Gewaltvorfälle weiterhin genau zu beobachten, um gezielte Interventionsstrategien für die am stärksten belasteten Sektoren zu entwickeln.
