GEW, Berlin

GEW Berlin: 56 Prozent der Kinder mit Förderbedarf besuchen Förderschulen

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Gewerkschaft verlangt verbindliche Beteiligung, multiprofessionelle Teams und den schrittweisen Abbau von Förderschulstandorten.
Ein leerer, modern gestalteter Klassenraum mit hellen Holzmöbeln und großen Fenstern bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Fortschritte bei der inklusiven Schulbildung erfordern nach Ansicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin zwingend eine stärkere gewerkschaftliche Mitbestimmung und einen klaren politischen Willen.

In aktuellen Publikationen unterstreicht der Landesverband zudem den Stellenwert langjähriger gewerkschaftlicher Verbundenheit für die Durchsetzung pädagogischer Reformen. Die Entwicklung im Bereich der inklusiven Bildung komme in der Hauptstadt derzeit nicht voran.

Rückstand im Bundes- und Ländervergleich

Nach Darstellung der GEW Berlin schneiden andere Bundesländer und europäische Staaten bei der Umsetzung von Inklusion deutlich besser ab. Während Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein bereits weiter seien, verweist die Organisation auf internationale Beispiele: Italien habe Förderschulen bereits seit Ende der 1970er Jahre abgeschafft, Island und Malta wiesen Inklusionsraten von über 90 Prozent auf. Zudem setzten Länder wie Norwegen und Finnland auf kleinere Schulklassen sowie multiprofessionelle Teams.

In Deutschland hingegen besuchen nach Angaben der GEW Berlin rund 56 Prozent der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine Förderschule. Der größte Anteil entfalle dabei auf den Förderschwerpunkt Lernen, bei dem 80 bis 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler aus armen Familien stammten.

Dass bundesweit gravierender Handlungsbedarf besteht, stellte 2025 auch das Deutsche Institut für Menschenrechte fest. Zudem prüfte ein UN-Ausschuss zum zweiten Mal die Umsetzung der Behindertenrechtskonvention in Deutschland mit desillusionierenden Ergebnissen; Förderschulen blieben demnach flächendeckend bestehen.

Mangelhafte Bedingungen an Berliner Regelschulen

Die GEW Berlin kritisiert bestehende Defizite im Schulalltag. An einer Berliner Grundschule seien beispielsweise zwei Integrationswochenstunden vorgesehen, die tatsächliche Unterstützung sei jedoch fast immer ausgefallen. Gleichzeitig bündeln aktuelle Reformpläne individuelle Schulbegleitungen im Rahmen eines Poolings.

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Dietmar Boettcher, Schulleiter eines Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung, berichtet über die bestehenden Brüche im System: Ein Wechsel an ein Förderzentrum erfolge meist nach einem halben bis dreiviertel Jahr an der regulären Grundschule oder beim Übergang in die Oberschule. Beeinträchtigungen blieben in den ersten zwei bis drei Schulbesuchsjahren oft ungesehen und nicht diagnostiziert.

Nach Boettchers Einschätzung fehle den Regelschulen ein grundlegendes Konzept; die Planungen fänden oft jährlich ohne langfristige Perspektiven statt. Eltern berichteten ihm zufolge von fehlenden Sozialkontakten, Hänseleien und Mobbing bei inklusiver Beschulung. An den Förderzentren erhielten die Jugendlichen hingegen Angebote wie berufsvorbereitende Lehrgänge in den Bereichen Hauswirtschaft, Handwerk, Reinigung, Küche und Garten.

Kernforderungen der Gewerkschaft

Um die Inklusion im Schulwesen wirksam voranzubringen, formuliert die GEW Berlin konkrete strukturelle Forderungen:
- Der schrittweise Abbau von Förderschulstandorten sowie der Rückbau sonderpädagogischer Kleinklassen,
- die gesetzliche Verankerung eines subjektiven Rechts auf Inklusion im Berliner Schulgesetz nach dem Vorbild Bremens,
- der flächendeckende Einsatz multiprofessioneller Teams an allen Schulen.

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Die Gewerkschaft sieht in der Bündelung von Fachkräften und einer verbindlichen Mitbestimmung der Beschäftigten den Schlüssel, um die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Bildungssystem zu schließen.

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