Gesundheitsreform: 88% der Onkologie droht Vertragsverlust
06.06.2026 - 10:24:41 | boerse-global.de
Die rumänische Krankenkasse CNAS will private Anbieter von staatlichen Gesundheitsprogrammen ausschließen – wenn öffentliche Kliniken genug Kapazitäten haben. Ein neuer Verordnungsentwurf sorgt für heftige Diskussionen.
Neue Regeln für private Anbieter
Der am 4. und 5. Juni veröffentlichte Mechanismus berechnet die öffentlichen Kapazitäten auf Kreisebene. Betroffen sind Onkologie, Diabetologie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Transplantationsmedizin. Private Kliniken erhalten nur dann Verträge, wenn staatliche Krankenhäuser den Bedarf nicht decken können.
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CNAS-Präsident Hora?iu Moldovan nennt die Formel ein „objektives und transparentes Instrument“. Die Branche sieht das anders.
Massiver Widerstand aus der Privatwirtschaft
Das private Gesundheitsnetzwerk Regina Maria und der Verband PALMED laufen Sturm gegen den Entwurf. Ihre Kritik: Der Plan ignoriert Wartelisten, tatsächliche Zugangszeiten und Patientenströme zwischen Landkreisen. Dabei beschäftigt der private Sektor über 42 Prozent des medizinischen Personals. In der medikamentösen Onkologie erbringen private Anbieter rund 88 Prozent der Leistungen, in der Strahlentherapie etwa 82 Prozent.
Die Reform kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt.
Proteste lähmen den öffentlichen Dienst
Am 4. Juni legten rund 18.000 Mitarbeiter der Finanzbehörde ANAF und des Finanzministeriums die Arbeit nieder. Sie protestieren gegen ein neues Besoldungsgesetz. Die Gewerkschaft Federa?ia Na?ional? a Sindicatelor Finan?i?tilor rechnet mit Einkommensverlusten zwischen 2.000 und 4.000 Lei. Die ANAF meldet bereits Beeinträchtigungen bei der Budgeterhebung für Mai.
Auch im Gesundheitssektor brodelt es. Mitglieder der Gewerkschaft Sanitas demonstrierten am 5. Juni in Bukarest gegen Gehaltsdeckelungen und Zulagenkürzungen. Hinzu kommen technische Probleme: Wegen Störungen der zentralen IT-Plattform PIAS erlaubt die CNAS eine rückwirkende Meldung von Leistungen für Mai im Offline-Modus.
Steigende Einnahmen – aber auch steigende Ausgaben
Die Krankenversicherung verzeichnete in den ersten fünf Monaten 2026 gestiegene Einnahmen von über 5,7 Milliarden Lei – ein Plus von 6,7 Prozent. Der Großteil stammt aus den prozentual vom Gehalt berechneten Beiträgen (rund 4 Milliarden Lei). Dem stehen Ausgaben für medizinische Leistungen und Medikamente von 7,6 Milliarden Lei gegenüber.
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Patienten spüren die Folgen
Die Rumänische Gesellschaft für Diabetes fordert die Rücknahme des CNAS-Entwurfs. Bereits seit Jahresbeginn beobachten Patientenorganisationen einen Rückgang bei Monitoring-Untersuchungen für chronisch Kranke. Grund: Seit dem 1. Januar 2026 begrenzt ein Gesetz bestimmte Untersuchungen auf eine Durchführung pro Jahr. Die Zahl der Leistungen sank im ersten Quartal teils drastisch – bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 58 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Das Gesundheitsministerium gab zwar vom 2. bis 5. Juni 19,7 Millionen Lei aus dem Aufbauplan PNRR für die Modernisierung von Hausarztpraxen und die Bekämpfung von Krankenhausinfektionen frei. Doch die langfristige Finanzierung bleibt umstritten. Experten fordern unabhängige Wirkungsanalysen, bevor die neuen Kapazitätsregeln in Kraft treten.
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