Gesundheitshandwerk: Über 4.000 Stellen bleiben unbesetzt
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 07:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Fachkräftemangel in Deutschland erreicht im Bereich der technischen Gesundheitsberufe einen neuen Höchststand. Eine aktuelle Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vom 28. Juli 2026 belegt, dass insbesondere in der Augenoptik und Hörakustik ein signifikanter Teil der offenen Stellen nicht mehr mit qualifiziertem Personal besetzt werden kann. Die angespannte Personalsituation betrifft dabei sowohl Fachkräfte als auch hochqualifizierte Führungskräfte.
Dramatischer Stellenüberhang im Gesundheitshandwerk
Die Erhebung des Instituts verdeutlicht die zunehmende Schwierigkeit für Betriebe des Gesundheitshandwerks, vakante Positionen adäquat nachzubesetzen. Den Daten zufolge konnten im Jahr 2025 bundesweit 4.389 von insgesamt 7.267 offenen Stellen in diesem Sektor nicht besetzt werden. Damit blieb mehr als die Hälfte aller Ausschreibungen ohne Erfolg.
Laut der Kofa-Studie sind die Bereiche Augenoptik und Hörakustik besonders stark von dieser Entwicklung betroffen. Da diese Gewerke spezialisiertes technisches Wissen mit handwerklicher Präzision und direkter Kundenberatung verknüpfen, stellt die Suche nach passenden Bewerbern die Unternehmen vor immer größere Herausforderungen. Der Mangel zieht sich durch verschiedene Regionen und betrifft Betriebe unterschiedlicher Größe.
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Engpass auf Meisterebene verschärft sich
Noch drastischer stellt sich die Situation dar, wenn man die Qualifikationsebene der Meister betrachtet. In einem Handwerkszweig, in dem die Meisterpräsenz oft Voraussetzung für die Ausbildung und die Führung eines Betriebes ist, wiegen diese Lücken schwer. Die Studie weist aus, dass im betrachteten Zeitraum von 1.680 offenen Meisterstellen insgesamt 1.344 unbesetzt blieben.
Dies entspricht einer Quote von acht von zehn Stellen, für die kein geeigneter Kandidat gefunden wurde. Dieser Engpass gefährdet nicht nur die tägliche Betriebsfähigkeit vieler Fachgeschäfte, sondern langfristig auch die Ausbildungssituation im gesamten Gesundheitshandwerk, da ohne Meister die Anleitung des Nachwuchses rechtlich und fachlich erschwert wird.
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Demografischer Wandel und Hürden bei der Zuwanderung
Die Ursachen für den steigenden Bedarf an Fachkräften sind nach Analyse des IW vielschichtig. Ein wesentlicher Faktor sei der demografische Wandel. Mit einer alternden Gesellschaft steige die Nachfrage nach gesundheitshandwerklichen Leistungen, insbesondere nach Hör- und Sehhilfen, kontinuierlich an. Dies führe zu einem natürlichen Wachstum des Marktes, dem das Angebot an Arbeitskräften jedoch nicht mehr folgen könne.
Eine Lösung durch die Rekrutierung ausländischer Fachkräfte gestaltet sich laut den Studienergebnissen schwierig. Da technische Gesundheitsberufe eine sehr hohe Beratungsintensität erfordern und der Kontakt zu Patienten und Kunden im Mittelpunkt steht, seien Sprachbarrieren ein entscheidendes Hindernis. Ausländische Bewerber seien aufgrund fehlender deutscher Sprachkenntnisse oft kaum einsetzbar, da die präzise Kommunikation über medizinische und technische Details in diesen Berufen unerlässlich sei. Das Institut sieht hier eine strukturelle Barriere, die eine schnelle Entspannung der Lage durch Zuwanderung verhindert.
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