Gesundheits-IT: 218 Pflegeeinrichtungen digital vernetzt im Juni
09.06.2026 - 01:30:57 | boerse-global.de
Nach den ersten Erfolgen bei elektronischen Verordnungen rücken nun spezialisierte Softwarelösungen für Pflegeeinrichtungen und Wundzentren in den Fokus. Ziel: Weniger Bürokratie, mehr Zeit für Patienten.
Banking, Patientendaten, E-Mails – auf keinem anderen Gerät speichern wir so viele sensible Informationen wie auf dem Smartphone oder Tablet. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, wie Sie Ihre mobilen Daten im Arbeitsalltag wirksam absichern. 5 Schutzmaßnahmen jetzt entdecken
Effizienzgewinne durch digitale Prozesse
Ein zentraler Baustein ist die Überführung analoger Dokumente in digitale Workflows. Die AOK NordWest machte als erste gesetzliche Krankenkasse den Anfang mit dem elektronischen Krankenbeförderungsschein. Zusammen mit CompuGroup Medical und der gevko GmbH entstand ein System, das Verordnungen direkt aus dem Praxisverwaltungssystem über die Telematikinfrastruktur an die Kasse übermittelt.
Die aktuellen Entwicklungen im Juni 2026 zeigen: Solche Automatisierungspotenziale werden nun auch für spezialisierte Bereiche erschlossen. Das Fürther Unternehmen IT-Labs stellte die Softwarelösung Alberta vor. Sie bildet den gesamten Versorgungs- und Abrechnungsprozess für Wundzentren ab – gesetzeskonform nach § 132a Abs. 4 SGB V.
Die Funktionen: digitale Wunddokumentation und automatisiertes Verordnungsmanagement. Laut Hersteller sparen Außendienstmitarbeiter damit rund 50 Minuten Arbeitszeit pro Tag. Bei Dienstleistern wie SAN-Aktiv Homecare habe sich der Dokumentationsaufwand bereits um mindestens 25 Prozent reduziert.
Pflege und Kliniken vernetzen sich
Neben der Abrechnung steht die bessere Kommunikation zwischen den Sektoren im Vordergrund. Anfang Juni 2026 gaben der Betreiber Korian und der Verbund Pflegehilfe bekannt: 218 Einrichtungen sind jetzt an einen digitalen Anfragen-Manager angebunden.
Die Integration basiert auf dem FHIR-Standard (Fast Healthcare Interoperability Resources). Klinikanfragen landen ohne Medienbrüche direkt in den CRM-Prozessen der Pflegeeinrichtungen. Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützt die Patientendaten.
Die Vernetzung von Kliniken und Pflege erfordert höchste Standards bei der Dokumentation von Datenflüssen. Welche häufig übersehenen Pflichtfelder im Verarbeitungsverzeichnis bei einer Prüfung sofort auffallen, erklären Experten in diesem kostenlosen Leitfaden inkl. Excel-Vorlage. Rechtssichere Muster-Vorlage jetzt gratis herunterladen
Auch im klinischen Bereich tut sich etwas. Die Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg berichteten im Rahmen einer erfolgreichen TÜV-Zertifizierung nach ISO 9001:2015 über die Umstellung auf das IT-System Nexus Ing. Dazu kamen die Einführung einer elektronischen Patientenakte und eines Patientenportals.
Kostendruck treibt Digitalisierung voran
Der Trend wird durch steigende Kosten und den Fachkräftemangel verschärft. Marktforscher wie Forrester prognosticieren: Die Technologiebudgets im Gesundheitssektor steigen 2026 auf rund 64 Milliarden Euro – ein Zuwachs von 7,6 Prozent. Ein Pilotprojekt beim britischen NHS mit Microsoft 365 Copilot zeigt das Potenzial: durchschnittlich 43 Minuten Zeitersparnis pro klinischer Kraft und Tag.
Die steigenden Ausgaben führen auch zu einer Konsolidierung bei den Kostenträgern. Ab 2027 ist die Fusion mehrerer Betriebskrankenkassen geplant, darunter die BKK mkk mit der BKK Pfalz sowie die Salus BKK mit der BIG direkt gesund. Die Zahl der Krankenkassen sinkt damit auf 93 Institute – 1990 waren es noch 1.100.
Neue regulatorische Vorgaben treiben die digitale Sicherheit zusätzlich an. Ein Entwurf des Bundesinnenministeriums zur KRITIS-Verordnung sieht vor, Apotheken ab bestimmten Schwellenwerten als kritische Infrastruktur einzustufen – etwa bei einem Jahresumsatz mit Medizinprodukten von über 90,68 Millionen Euro.
Revisionssicherheit als Nebeneffekt
Die Digitalisierung dient nicht nur der Effizienz, sondern auch der Betrugsprävention. Ein Prozessauftakt am Landgericht Mannheim im Juni 2026 machte das deutlich. Ein Ehepaar gestand, zwischen 2014 und 2019 über 100 gefälschte Rezepte mit einem im Internet bestellten Apothekenstempel eingereicht zu haben. Der Schaden: rund 480.000 Euro.
Digitale Verordnungswege und automatisierte Prüfprozesse sollen solche Szenarien künftig erschweren. Die Botschaft ist klar: Wer auf Papier setzt, spielt mit dem Feuer.
Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!
Für. Immer. Kostenlos.
