Generation Z: 27% können ihren Job ohne KI nicht mehr erledigen
Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Anfang September 2026 geriet die Technologiebranche verstärkt in die Kritik, da sie die konkreten Vorzüge von Anwendungen auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI) für den Arbeitsalltag bislang unzureichend vermittelt habe.
Marktbeobachter werfen den Unternehmen vor, die Brücke zwischen technologischem Potenzial und dem tatsächlichen Nutzen für die Anwender nicht schlüssig geschlagen zu haben. Während die technologische Entwicklung rasant voranschreitet, offenbaren aktuelle Daten erhebliche Lücken beim Zugang und bei der praktischen Umsetzung in der Breite der Gesellschaft und Wirtschaft.
Barrieren beim Zugang für bildungsferne Gruppen
Ein wesentlicher Kritikpunkt betrifft die soziale Reichweite der neuen Technologien. Laut Daten einer OECD-Studie (PIAAC) leben in Deutschland rund 10,6 Millionen Erwachsene im Alter zwischen 16 und 65 Jahren, die über keine ausreichenden Lese- und Schreibkompetenzen verfügen. Zwar könnten KI-basierte Applikationen und Smartphones diesen Personenkreis im Alltag erheblich unterstützen, doch stehen dem praktische Hindernisse entgegen.
Betroffene verfügen den Erkenntnissen zufolge seltener über die notwendige Hardware oder entsprechende Datentarife, um die Vorteile der KI-Unterstützung nutzen zu können. Damit bleibt ein erheblicher Teil der Bevölkerung von den kommunizierten Fortschritten ausgeschlossen, was die Kritik an einer mangelhaften Vermittlungs- und Teilhabestrategie der Tech-Branche untermauert.
Diskrepanz zwischen Ambition und Datenbasis in Unternehmen
Auch in der deutschen Wirtschaft zeigt sich ein gemischtes Bild hinsichtlich der KI-Adaption. Der Dun & Bradstreet AI Momentum Index verdeutlicht, dass zwar 69 Prozent der deutschen Unternehmen bereits sogenannte agentische Workflows skalieren oder operationalisieren – ein Wert, der über dem globalen Durchschnitt von 60 Prozent liegt.
Gleichzeitig mangelt es jedoch an der notwendigen Infrastruktur: Nur 3 Prozent der Firmen in Deutschland verfügen über eine vollständig KI-bereite Datenbasis, während es weltweit immerhin 6 Prozent sind.
Trotz dieser strukturellen Defizite ist die Investitionsbereitschaft hoch. Laut dem Index erwarten 79 Prozent der deutschen Unternehmen steigende Ausgaben im Bereich KI, was deutlich über dem globalen Schnitt von 67 Prozent liegt. Dies deutet auf einen hohen Handlungsdruck hin, der jedoch oft ohne die nötige datentechnische Grundlage bewältigt werden muss.
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Einsatz von generativer KI nach Branchen und Unternehmensgröße
Die Verbreitung von generativer KI unterscheidet sich stark nach Wirtschaftszweigen. Eine Erhebung des ZEW aus dem Frühjahr 2026 zeigt, dass in der Informationswirtschaft knapp 60 Prozent der Unternehmen entsprechende Tools bereitstellen. Bei größeren Einheiten ab 100 Beschäftigten liegt dieser Anteil sogar bei 87 Prozent.
Im Verarbeitenden Gewerbe fällt die Nutzung moderater aus: Hier stellen 30 Prozent der Betriebe generative KI zur Verfügung, bei größeren Unternehmen sind es 65 Prozent. Verbote für den Einsatz der Technologie sind selten und bewegen sich je nach Sektor zwischen 4 und 8 Prozent.
Parallel dazu wächst die Sorge um die Arbeitsplatzsicherheit bei denjenigen, die sich am besten mit der Technik auskennen. Der KI-Monitor der TU Darmstadt und Yougov ermittelte bei einer Befragung von über 2.000 Personen, dass 43 Prozent der Beschäftigten mit sehr gutem KI-Know-how mit einer Übernahme ihrer Tätigkeiten durch Maschinen rechnen. Diese Einschätzung hänge dabei weniger von der Branche ab, sondern maßgeblich davon, wie stark die jeweiligen Aufgaben digitalisierbar seien.
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Fachkräftemangel und generationenübergreifende Abhängigkeiten
Die Rolle von KI am Arbeitsmarkt wird auch durch den anhaltenden Fachkräftemangel beeinflusst. Laut dem Branchenverband Bitkom sind im Jahr 2026 rund 79.000 IT-Stellen vakant. Dies stellt zwar einen Rückgang gegenüber den 149.000 offenen Stellen aus dem Jahr 2023 dar, dennoch berichten 97 Prozent der Unternehmen weiterhin von Schwierigkeiten bei der Besetzung.
Als Hauptgrund werden mit 59 Prozent die Gehaltsvorstellungen der Bewerber genannt; KI spielt als Treiber für den Stellenabbau oder die Stellenbesetzung bislang keine zentrale Rolle.
Gleichzeitig zeigt das Randstad Arbeitsbarometer 2026 eine zunehmende Abhängigkeit junger Arbeitnehmer von der Technologie. 27 Prozent der Beschäftigten aus der Generation Z gaben an, ihren Job ohne KI nicht mehr erledigen zu können.
In der Gesamtbelegschaft liegt dieser Anteil bei 19 Prozent, während er bei den Baby-Boomern mit 10 Prozent am geringsten ausfällt. Im internationalen Vergleich zeigt sich Deutschland damit zurückhaltender als etwa die Schweiz mit 40 Prozent oder Indien mit 48 Prozent.
