Gender-Gap bei Baufinanzierung: Frauen zögern, Männer kaufen
05.05.2026 - 15:59:43 | boerse-global.deBei Männern sind es 44 Prozent. Das zeigt eine neue Studie von Dr. Klein und Horizoom, für die 2.157 Menschen befragt wurden. Die Schere zwischen Wunsch und Wirklichkeit beim Immobilienkauf ist enorm – und sie geht weit über reine Einkommensunterschiede hinaus.
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Selbstvertrauen als entscheidender Faktor
Die Untersuchung belegt eine auffällige Diskrepanz in der Selbsteinschätzung. Während 70 Prozent der Männer die Hauptverantwortung für Finanzen im Haushalt übernehmen, sind es bei den Frauen nur 51 Prozent. Besonders die Generation Z zeigt sich laut den Studienautoren verunsichert.
Andrea Burgstaller, Baufinanzierungsspezialistin bei Dr. Klein, beobachtet das Phänomen täglich in der Praxis. Frauen suchen zu Beginn einer Finanzentscheidung stärker nach Orientierung. Das geringere Selbstbewusstsein bedeute jedoch nicht mangelndes Interesse. Vielmehr empfinden 41 Prozent der Frauen Zins- und Tilgungsfragen als besonders komplex – bei Männern sind es nur 28 Prozent.
Solo-Kauf oder Team-Entscheidung?
Männer kaufen deutlich häufiger allein. 41 Prozent der männlichen Immobilienbesitzer erwarben ihr Eigentum ohne Partnerabstimmung. Bei Frauen sind es nur 29 Prozent. Stattdessen bevorzugen sie den gemeinschaftlichen Weg: 66 Prozent der Frauen entschieden den Kauf gleichberechtigt mit dem Partner, bei Männern sind es 57 Prozent.
Burgstaller sieht Frauen als Teamplayer. Die wirtschaftlichen Hintergründe sind handfest: Männer verdienen im Durchschnitt mehr und kontinuierlicher, was den Aufbau von Eigenkapital erleichtert. Daten der Interhyp untermauern das: 2024 entfielen nur elf Prozent der Finanzierungen auf alleinstehende Frauen, aber 19 Prozent auf alleinfinanzierende Männer.
Ängste und der Wunsch nach Beratung
Die emotionalen Hürden sind beträchtlich. 61 Prozent der Frauen fürchten finanzielle Überforderung beim Immobilienkauf, bei Männern sind es 53 Prozent. Fehlendes Wissen nennen 42 Prozent der Frauen als Hindernis, verglichen mit 31 Prozent der Männer.
Interessanterweise führt diese Verunsicherung zu mehr Offenheit für professionelle Hilfe. Knapp die Hälfte der weiblichen Kaufinteressierten hält eine fachkundige Beratung für sinnvoll. Bei den Männern ist es nur ein Drittel. Beratungsgespräche wirken als Sicherheitsanker.
Der Confidence Gap als zentrales Problem
Analysen des ZEW aus dem vergangenen Jahr zeigen: Frauen verfügen oft über mehr Finanzwissen, als sie sich zutrauen. In Tests neigen sie dazu, bei schwierigen Fragen mit „Ich weiß nicht“ zu antworten. Wird diese Option entfernt, wählen sie überdurchschnittlich oft die richtige Lösung.
Dieser „Confidence Gap“ gilt als wesentlicher Treiber für die unterschiedliche Beteiligung am Immobilienmarkt. Das Statistische Bundesamt bezifferte den Gender Gap am Arbeitsmarkt für 2025 auf 37 Prozent – inklusive Lohnlücke, Arbeitszeit und Erwerbsbeteiligung.
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Finanzbildung als Schlüssel
Die Bundesstiftung Gleichstellung weist darauf hin, dass der Gender Wealth Gap durch gemeinsames Wohneigentum in Partnerschaften abgefedert wird. Die individuelle Absicherung von Frauen bleibe jedoch fragil.
Immerhin: Eine Untersuchung des Bankenverbandes vom Frühjahr 2026 zeigt einen leichten Aufwärtstrend. Der Anteil der an Finanzthemen interessierten Frauen stieg von 24 Prozent (2024) auf nun 32 Prozent. Zum Vergleich: Bei Männern liegt der Wert bei 60 Prozent.
Branchenexperten fordern gezielte Bildungsarbeit, die früh ansetzt. Spezielle Beratungsformate für Frauen und Plattformen zur Finanzbildung gewinnen an Bedeutung. Ziel ist es, die Immobilie als Instrument der Altersvorsorge für Frauen zu etablieren. Denn Wohneigentum bleibt eine der stabilsten Säulen der privaten Vorsorge in Deutschland.
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