Geldwäschebekämpfung, BaFin

Geldwäschebekämpfung: BaFin firmiert ab Juli als Anti-Financial-Crime

28.05.2026 - 09:07:23 | boerse-global.de

Die BaFin weitet ihre Geldwäschebekämpfung aus und stellt sich auf neue EU-Regeln sowie steigende Cyber-Bedrohungen durch Künstliche Intelligenz ein.

Geldwäschebekämpfung: BaFin firmiert ab Juli als Anti-Financial-Crime - Foto: über boerse-global.de
Geldwäschebekämpfung: BaFin firmiert ab Juli als Anti-Financial-Crime - Foto: über boerse-global.de

Neue EU-Standards und hochtechnisierte Kriminelle zwingen Banken und Behörden zum Umdenken.

Behörde erweitert ihren Fokus

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) baut ihre Geldwäschebekämpfung massiv aus. Neue Stellen entstehen, forensische Einheiten werden gestärkt. Ab Juli 2026 firmiert die bisherige Abteilung „Abwicklung und Geldwäscheprävention“ unter dem Namen „Anti-Financial-Crime“. Der neue Name ist Programm: Es geht nicht mehr nur um klassische Geldwäsche, sondern um die gesamte Bandbreite digitalisierter Kriminalität.

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Die Aufsicht weitet ihren Blick zudem auf Branchen jenseits des klassischen Bankgeschäfts aus. Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Akteure am Immobilienmarkt geraten stärker ins Visier.

Frankfurt wird zur europäischen Drehscheibe

Die nationalen Maßnahmen sind Teil einer größeren europäischen Strategie. Die neue EU-Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche (AMLA) hat ihren Sitz in Frankfurt am Main und nahm bereits am 1. Juli 2025 ihre Arbeit auf. Grundlage ist ein umfassendes Anti-Geldwäsche-Paket, das der EU-Rat am 30. April 2024 verabschiedet hatte.

Viele neue Vorschriften wirken bereits. Die sechste EU-Geldwäscherichtlinie (AMLD6) muss jedoch bis zum 10. Juli 2027 in nationales Recht umgesetzt werden. Am selben Tag tritt die neue EU-Geldwäscheverordnung (AMLR) direkt in allen Mitgliedstaaten in Kraft.

KI treibt die Kosten in die Höhe

Herkömmliche Compliance-Methoden reichen nicht mehr aus, um die rasant steigenden Anforderungen zu erfüllen. Unternehmen müssen von statischen Kontrollen zu dynamischen, risikobasierten Modellen übergehen. Der Fachkräftemangel verschärft die Lage: Qualifizierte Geldwäschebeauftragte sind schwer zu finden, obwohl Pflichtmaßnahmen wie die Prüfung wirtschaftlich Berechtigter (UBO) und die Identifizierung von Kunden (KYC) unerlässlich sind.

Die Dringlichkeit zeigt sich in den Zahlen. Für 2026 wird der Schaden durch mobile Cyberkriminalität auf rund 442 Milliarden Euro geschätzt. Allein im ersten Quartal 2026 stieg die Zahl der Banking-Trojaner-Fälle um 196 Prozent auf 1,24 Millionen Vorfälle. Besonders beunruhigend: Neue KI-Modelle wie das System „Mythos“ ermöglichen es Angreifern, Schwachstellen in Software völlig autonom zu finden und auszunutzen. Branchenberichten zufolge werden bereits 86 Prozent aller Phishing-Kampagnen von Künstlicher Intelligenz gesteuert.

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Meldepflichten und persönliche Haftung

Finanzkriminalität dringt immer tiefer in legale Wirtschaftsstrukturen ein. Neue Gesetze reagieren mit kürzeren Meldefristen und persönlicher Haftung für das Management. Der Cyber Resilience Act (CRA), seit Dezember 2024 in Kraft, sieht die ersten verbindlichen Meldepflichten ab dem 11. September 2026 vor.

Der Übergang fällt vielen Unternehmen schwer. Die BaFin verzeichnete seit Inkrafttreten des Digital Operational Resilience Act (DORA) im Dezember 2025 mehr als 600 schwerwiegende Vorfälle. Geschäftsführer müssen inzwischen mit ihrem Privatvermögen für Compliance-Verstöße haften. Manche Vorschriften verlangen die Meldung von Vorfällen innerhalb von 24 Stunden.

Deutsche Bank und die Wirecard-Narben

Der Druck für mehr Aufsicht wächst auch durch anhaltende Rechtsstreitigkeiten. Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank am 28. Mai 2026 stellten Aktionäre die Wiederbestellung von EY als Wirtschaftsprüfer infrage. Kritiker verwiesen auf die Rolle der Prüfgesellschaft im Wirecard-Skandal und auf eine Umstrukturierung bei EY Anfang 2024, die den Zugang für Gläubiger einschränken soll.

Die Deutsche Bank selbst bleibt im Fokus. Im Januar 2026 durchsuchten Ermittler ihre Räume, im März folgten Klagen. Der Bundesrechnungshof (BRH) kritisierte zudem das Auswärtige Amt für seine Förderung von Islamic Relief Deutschland. Die Prüfer bemängelten erhebliche personelle Verflechtungen mit der Muslimbruderschaft – das Ministerium habe Gelder ohne ausreichende Kontrolle bereitgestellt.

Krypto-Transaktionen unter die Lupe genommen

Das Bundeskabinett hat ein Gesetz zur automatischen internationalen Informationsweitergabe von Krypto-Transaktionen an Steuerbehörden auf den Weg gebracht. Die Initiative ist Teil eines umfassenden Regierungsplans zur Bekämpfung organisierter Kriminalität. Ziel ist es, Händler hochwertiger Güter und Kryptoplattformen denselben Transparenzstandards zu unterwerfen wie traditionelle Finanzinstitute.

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