Geldvermögen auf Rekordhoch: Börsen machen Reiche noch reicher
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 09:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas weltweite Geldvermögen privater Haushalte ist nach Berechnungen der Allianz 2025 um 8,6 Prozent auf 268,4 Billionen Euro gestiegen und hat damit einen Rekordstand erreicht.
Börsen treiben den Zuwachs
Für das laufende Jahr erwarten die Volkswirte des Versicherers in der 17. Ausgabe des Global Wealth Report ein weiteres Plus von 9 Prozent. Vier von fünf Euro des Vermögenszuwachses in den 57 untersuchten Ländern gingen 2025 auf Wertsteigerungen an den Kapitalmärkten zurück.
Auf die USA entfielen 51,4 Prozent des globalen Wachstums der Finanzvermögen. Nordamerikanische Haushalte haben 60,7 Prozent ihres Geldvermögens in Aktien und anderen Wertpapieren angelegt.
Deutschland bleibt unter dem Durchschnitt
Auch in Deutschland überholten Wertpapiere mit einem Anteil von 37,1 Prozent erstmals die Bestände auf Bankkonten wie Tages- und Festgeld. Der internationale Durchschnitt lag bei 46,9 Prozent.
Das Brutto-Geldvermögen deutscher Privathaushalte stieg 2025 um 4,9 Prozent auf 9,9 Billionen Euro. Damit fiel das Wachstum geringer aus als im globalen Durchschnitt und schwächer als im Vorjahr, als es 7,4 Prozent betragen hatte.
Inflation schmälert den Zuwachs
Allianz-Chefvolkswirt Ludovic Subran verwies auf den Unterschied zwischen nominalem und realem Vermögen. Seit 2019 sei das nominale Geldvermögen um 50 Prozent gestiegen, real – also inflationsbereinigt – jedoch nur um 23 Prozent. In Westeuropa habe das reale Geldvermögen lediglich 0,5 Prozent über dem Niveau von 2019 gelegen.
Nach Abzug der Schulden belief sich das Netto-Geldvermögen in den untersuchten Ländern Ende 2025 auf 211,5 Billionen Euro. Das waren 10,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Länder stehen nach Allianz-Angaben für 91 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung und 72 Prozent der Weltbevölkerung.
USA führen bei Vermögen pro Kopf
Beim Netto-Geldvermögen pro Kopf lagen die USA mit 296.950 Euro vorn. Es folgten die Schweiz mit 275.980 Euro und Dänemark mit 197.510 Euro. Deutschland belegte mit 91.780 Euro Rang zwölf unter den 57 Ländern. Pakistan bildete mit 490 Euro das Schlusslicht.
Reichtum stark konzentriert
Die Vermögen sind laut Studie weltweit sehr ungleich verteilt. Die reichsten zehn Prozent besaßen 85,4 Prozent des globalen Netto-Geldvermögens; in Deutschland lag ihr Anteil bei 53,7 Prozent. Fast drei Milliarden Menschen in den erfassten Ländern verfügten demnach über praktisch kein Nettofinanzvermögen.
In die Auswertung flossen Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere sowie Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionsfonds ein. Immobilien wurden nicht berücksichtigt.
Kapitalmarktgewinne treiben die Rekordsumme
Der Vermögenszuwachs des Jahres 2025 beruht vor allem auf steigenden Preisen von Aktien und anderen Wertpapieren. Damit profitieren Haushalte unterschiedlich stark: Wer bereits investiert ist, nimmt an Kursgewinnen teil; wer überwiegend Bargeld oder Bankeinlagen hält, erhält davon deutlich weniger. In Deutschland lag der Wertpapieranteil zwar erstmals über dem Anteil der Bankguthaben, blieb aber unter dem internationalen Durchschnitt.
Nominaler Reichtum, begrenzte Kaufkraft
Die Allianz-Zahlen unterscheiden zwischen nominalem und realem Vermögen. Ein Anstieg des Kontostands oder Depotwerts bedeutet deshalb nicht automatisch eine entsprechend größere finanzielle Möglichkeit im Alltag. Seit 2019 fiel das reale Wachstum des Geldvermögens in Westeuropa nach der Studie deutlich geringer aus als in Nordamerika und China.
Ungleichheit prägt die Bedeutung der Rekordsumme
Die globale Gesamtsumme sagt wenig über die Lage einzelner Haushalte aus. Wenn ein großer Teil des Netto-Geldvermögens auf die reichsten zehn Prozent entfällt und Milliarden Menschen kaum Finanzvermögen besitzen, erreichen Kursgewinne breite Bevölkerungsschichten nur begrenzt. Für Deutschland ist zudem wichtig, dass die Studie Immobilien nicht einbezieht; sie beschreibt daher vor allem liquide beziehungsweise kapitalmarktnahe Rücklagen. Die Entwicklung erhöht die Bedeutung von Sparformen, Altersvorsorge und Zugang zu Wertpapieren, beseitigt aber weder Einkommens- noch Vermögensunterschiede.
