Gehaltstransparenz: EuGH-Urteil bringt bis zu 400 Euro Mehrvergütung
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Offenlegung von Gehaltsstrukturen spaltet Europa. Während erste Konzerne vorpreschen, blockieren politische Streitigkeiten in einigen EU-Staaten notwendige Gesetze – und gefährden damit Millionen-Fördermittel.
Nordea macht den Anfang
Einige Finanzinstitute haben bereits im Sommer 2026 ihre Gehaltsstrukturen grundlegend umgestaltet. Die schwedische Nordea-Bank ordnete sämtliche Tätigkeiten in transparente Gehaltsspannen ein. Beschäftigte können dort nun einsehen, wo ihre Vergütung innerhalb der festgelegten Spanne liegt.
Das verändert die Machtverhältnisse in Gehaltsverhandlungen. Führungskräfte müssen Unterschiede in der Bezahlung fachlich begründen. Transparente Korridore gelten in der Branche als Reaktion auf die zunehmenden regulatorischen Vorgaben zur Entgeltgleichheit.
Politische Blockade in Rumänien
Ganz anders sieht es in anderen Teilen Europas aus. In Rumänien ist die Reform der öffentlichen Gehälter zum zentralen Streitpunkt der Regierungskoalition geworden. Raluca Turcan von der PNL erhob im Juli 2026 schwere Vorwürfe gegen Sorin Grindeanu von der PSD: Die Partei sabotiere das Gehaltsgesetz.
Die politische Blockade hat weitreichende Konsequenzen. Davon hängt der Abruf von EU-Aufbaumitteln in Höhe von 770 Millionen Euro ab. Interimsministerpräsident Ilie Bolojan kündigte für Anfang August eine Debatte an, um die drohenden Mittelverluste abzuwenden.
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EuGH-Urteil bringt Mehrvergütung
Auch die Rechtsprechung treibt die Entwicklung voran. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Oktober 2025 (C-110/24) legt fest: Fahrzeit zu wechselnden Einsatzorten im Firmenfahrzeug gilt als Arbeitszeit. Das betrifft besonders das Baugewerbe, die Gebäudereinigung und die Pflege.
Experten rechnen mit monatlichen Mehrvergütungen von bis zu 400 Euro für betroffene Beschäftigte. Fachpublikationen zum Einkommensteuerrecht präzisieren zudem die Angemessenheit von Geschäftsführerbezügen. Tantiemen sollten demnach maximal 25 Prozent der Gesamtbezüge und höchstens 50 Prozent des Jahresüberschusses betragen.
Bürokratieflut aus Brüssel
Der Druck auf Unternehmen wächst. Der Industrieverband Gesamtmetall zählte: Die EU-Kommission verabschiedete 2025 insgesamt 1456 neue Rechtsvorschriften – der höchste Wert seit 2010. Kritiker sehen darin einen Widerspruch zu den versprochenen Bemühungen um Bürokratieabbau.
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Ab Januar 2027 kommt eine weitere Belastung hinzu. Die Sachbezugsbefreiung für Elektro-Dienstwagen wird stufenweise abgeschafft. Für 2027 ist eine Besteuerung von 0,375 Prozent der Anschaffungskosten vorgesehen, gedeckelt auf 180 Euro monatlich. Eine Evaluierung ist für 2030 geplant.
Trotz aller Unsicherheiten zeigt sich die deutsche Wirtschaft zuletzt etwas optimistischer. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juli 2026 auf 86,6 Punkte. Ifo-Präsident Clemens Fuest sprach von einer weniger pessimistischen Stimmung – auch wenn die aktuelle Lagebeurteilung weiterhin verhalten ausfällt.
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