Gehaltsangaben, Stellenanzeigen

Gehaltsangaben in Stellenanzeigen: Großbritannien plant neue Arbeitgeberpflicht

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 09:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine geplante britische Regel soll Gehaltsangaben in Jobanzeigen vorschreiben; Details zu Umfang und Sanktionen sind noch offen.
Moderner, heller Flur in einem Bürogebäude bei Tageslicht ohne Personen. Illustration mit AI erstellt.

Die britische Regierung unter Premierminister Andy Burnham plant eine gesetzliche Verpflichtung für Arbeitgeber, Gehälter künftig direkt in Stellenausschreibungen anzugeben. Mit der Neuregelung soll die Transparenz auf dem Arbeitsmarkt deutlich erhöht und geschlechtsspezifischer Lohndiskriminierung entgegengewirkt werden.

Premierminister Burnham rief Unternehmen dazu auf, Gehaltsspannen nicht erst nach Inkrafttreten der Richtlinie offenzulegen, sondern bereits ab sofort freiwillig mit entsprechenden Angaben zu werben. Jobsuchende sollten bereits vor einer zeitaufwendigen Bewerbung Klarheit über die Vergütung haben.

Hohe Zustimmung und deutliche Lücken in der Praxis

Der geplante Gesetzesvorstoß stützt sich auf eine breit angelegte Konsultation, in der 94 Prozent der Teilnehmenden die Einführung einer solchen Pflicht befürworteten. Unter den befragten Unternehmen sprachen sich sogar 93 Prozent für die Maßnahme aus. Kanzler John Healey verwies darauf, dass der Schritt auf das vorangegangene Autumn Budget folgt, in dem Forderungen nach verpflichtender Transparenz bei Gehältern bereits angekündigt worden waren.

Trotz des breiten Rückhalts klafft in der Praxis derzeit noch eine erhebliche Transparenzlücke. Laut einer Regierungsstudie nennen bislang lediglich 18 Prozent der Unternehmen durchgängig ein konkretes Gehalt, während weitere 41 Prozent immerhin eine Gehaltsspanne angeben.

Aus dem Büro des Premierministers verlautete unter Verweis auf Schätzungen der Personalorganisation CIPD, dass etwas mehr als zwei von fünf Arbeitgebern stets eine Gehaltsspanne ausweisen und weniger als jeder fünfte eine feste Zahl nennt.

Anzeige

Wer sich mit transparenteren Gehältern befasst, muss auch seine Vertragswerke an neue gesetzliche Standards anpassen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie rechtssichere Arbeitsverträge erstellen und teure Bußgelder vermeiden. 19 sofort einsetzbare Muster-Formulierungen sichern

Laut Daten der Plattform Adzuna wiesen im September noch 51 Prozent der Stellenanzeigen Gehaltsangaben auf – allerdings mit rückläufiger Tendenz. Die Zahl der offenen Stellen lag zwischen Juli und September 2026 bei 691.000, was einem Rückgang um 21.000 gegenüber der vorangegangenen Periode entspricht.

Kampf gegen Lohnlücken und Vorteile für Berufseinsteiger

Die Regierung verfolgt mit dem Vorhaben das Ziel, Berufseinsteigern sowie Menschen, die nach einer Pause in den Beruf zurückkehren, den Einstieg zu erleichtern. Ministerin Bridget Phillipson betonte, dass transparente Gehaltsangaben ein wichtiges Instrument seien, um die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern zu schließen und Benachteiligungen von Frauen vorzubeugen.

Unterstützung erhält das Vorhaben von Arbeitnehmervertretern und zivilgesellschaftlichen Organisationen: Paul Nowak vom Gewerkschaftsdachverband TUC und Penny East von der Fawcett Society sprachen sich für die geplante Verpflichtung aus.

Anzeige

Transparenz im Recruiting ist nur der erste Schritt für eine moderne Personalführung. Wie Sie als Führungskraft durch den richtigen Führungsstil die Motivation und Zufriedenheit in Ihrem Team nachhaltig steigern, erfahren Sie in diesem Gratis-Leitfaden. Kostenloses E-Book mit Führungsstil-Checkliste herunterladen

Offene Umsetzungsfragen und internationale Bezüge

Der konkrete Gesetzentwurf soll in Kürze in das britische Parlament eingebracht werden, wobei noch kein festes Datum für das Inkrafttreten genannt wurde. Es sei geplant, das Vorhaben so bald wie möglich umzusetzen.

Details zum genauen Geltungsbereich, den geforderten Angaben und möglichen Sanktionsmechanismen bei Verstößen stehen bislang noch aus. Weitere Erkenntnisse soll ein Untersuchungsbericht unter Leitung von Alan Milburn liefern, der im Laufe des Monats vorgelegt werden soll.

Aus der Praxis gibt es differenzierte Rückmeldungen: Die Organisation CIPD beobachtete, dass der öffentliche Sektor und Wohltätigkeitsorganisationen oft transparenter agieren als Privatfirmen, wobei ausgewiesene Spannen teils über 10.000 Pfund Sterling betragen.

CIPD-Chef Neil Carberry gab zu bedenken, dass die Festlegung von Gehältern komplex sei und starre Regulierung nicht für jede Konstellation die passende Lösung darstelle. Für international tätige Arbeitgeber ergeben sich zudem grenzüberschreitende Herausforderungen.

Amy Bird, Partnerin bei der Kanzlei Clifford Chance, wies darauf hin, dass die Gehaltstransparenzrichtlinie der Europäischen Union im Vereinigten Königreich zwar nicht unmittelbar gilt, jedoch britische Konzerne mit Belegschaft in der EU betrifft. Die europäische Umsetzung stelle sich aktuell als uneinheitlich dar, da mehrere Staaten Fristen nicht einhielten oder im Verzug seien.

Mehr zum Thema bei DER SPIEGEL: „Großbritannien will Gehaltsangaben in Stellenanzeigen vorschreiben“

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70468498 |