Gefahrstoffunterweisung, Digitale

Gefahrstoffunterweisung: Digitale Kurse in 21 Sprachen für 7 Euro

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 00:01 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Digitale Plattformen ermöglichen mehrsprachige Unterweisungen zu Infektionsschutz und Gefahrstoffen. Simulationen und spielerische Lernmethoden ergänzen das Angebot.

Digitale Arbeitssicherheit: Neue Kurse in 30 Sprachen
Gefahrstoffunterweisung - Eine vielfältige Gruppe von Industriearbeitern in Schutzkleidung schaut auf ein Tablet, das mehrsprachige Sicherheitsanweisungen anzeigt. 10.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue Online-Angebote für Infektionsschutzbelehrungen und Gefahrstoffunterweisungen in bis zu 30 Sprachen sollen Sprachbarrieren in internationalen Belegschaften abbauen.

Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, ihre Beschäftigten rechtssicher zu unterweisen – das schreiben das Arbeitsschutzgesetz und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) vor. Besonders in Branchen mit hoher Diversität wird die sprachliche Verständlichkeit zur Herausforderung. Die Antwort: standortunabhängige, digitale Lerninhalte in zahlreichen Landessprachen.

Infektionsschutzbelehrung: Behördengang entfällt

Das Gesundheitsamt Wiesbaden digitalisiert die obligatorische Infektionsschutzbelehrung nach § 43 Infektionsschutzgesetz (IfSG). Über die Software des Anbieters mindlane können Beschäftigte im Lebensmittelgewerbe die Erstbelehrung online in 30 Sprachen absolvieren. Ein persönlicher Besuch im Amt ist nicht mehr zwingend nötig, bleibt aber weiterhin möglich.

Gesundheitsdezernentin Milena Löbcke betont: Die Maßnahme erleichtere den Berufseinstieg für Menschen mit unterschiedlichen Herkunftssprachen erheblich. Besonders Saisonkräfte und Neueinsteiger in der Gastronomie profitieren von der zeitlichen Flexibilität.

Gefahrstoffunterweisung für 21 Sprachen

Auch bei Gefahrstoffen zieht die Digitalisierung ein. Nach § 14 der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) müssen Mitarbeiter vor Arbeitsbeginn und danach jährlich unterwiesen werden – etwa in Bau- und Metallbetrieben, Kfz-Werkstätten, Laboren oder Reinigungsfirmen. Digitale Kurssysteme bieten diese Unterweisungen in 21 Sprachen an.

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Die Inhalte decken Basiswissen über Gefahrstoffe, Risikobewusstsein, Schutzmaßnahmen, Notfallmanagement und Entsorgung ab. Die Kosten liegen bei rund sieben Euro pro Mitarbeiter. Ziel ist es, Unfälle durch klare Kommunikation von Gefahrensymbolen und Verhaltensregeln zu vermeiden.

Simulationen und spielerisches Lernen

Neben klassischen Modulen setzen Unternehmen auf neue Technologien. Der kanadische Anbieter CM Labs Simulations gab im Juli 2026 seinen Markteintritt in Deutschland bekannt. Das Training-System für Schwermaschinen erfüllt die technischen Kriterien des DGUV-Berichts FBHL-019 für Simulationen. Komplexe Arbeitsvorgänge lassen sich so ohne reales Unfallrisiko trainieren.

Im Kliniksektor läuft ein Pilotprojekt mit dem Mobile Game „No Shit!“. Seit Anfang Juli 2026 integriert es tägliche, team-basierte Fragen zu Hygiene und Sicherheit direkt in den Arbeitsalltag von Notaufnahmen und Operationssälen.

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Dokumentation bleibt Pflicht

Trotz aller Digitalisierung bleiben die gesetzlichen Anforderungen streng. Die DGUV Regel 100-001 schreibt vor: Unterweisungen müssen regelmäßig und anlassbezogen erfolgen – etwa nach Unfällen oder bei neuen Arbeitsmitteln. Digitale Systeme wie iManSys übernehmen die Planung und erinnern automatisch an Wiederholungstermine.

Nachweise müssen mindestens zwei Jahre aufbewahrt werden. Nur so lässt sich bei Audits oder nach Arbeitsunfällen die Einhaltung der Sorgfaltspflicht belegen. Die aktuelle DGUV-Statistik zeigt, wie dringlich Prävention ist: 2024 gab es rund 173.500 meldepflichtige Wegeunfälle, 215 davon tödlich. Ein striktes Verbot von Alkohol und Drogen am Arbeitsplatz bleibt daher zentraler Bestandteil der Sicherheitsvorschriften.

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