Gefahrgut-Tage, München

Gefahrgut-Tage München: Branche rüstet sich für Regel-Flut

05.05.2026 - 22:43:01 | boerse-global.de

Die Logistikbranche steht vor großen Herausforderungen: Neue Sicherheitsrichtlinien, ein Milliarden-Förderprogramm für E-Lkw und eine globale Regulierungswelle prägen die Münchner Gefahrgut-Tage.

Gefahrgut-Tage München: Branche rüstet sich für Regel-Flut - Foto: über boerse-global.de
Gefahrgut-Tage München: Branche rüstet sich für Regel-Flut - Foto: über boerse-global.de

Vom 11. bis 13. Mai treffen sich Logistikexperten in München – und haben viel zu besprechen.

Die 36. Münchner Gefahrgut-Tage kommen zur rechten Zeit. Kaum ein Bereich der Transportbranche steht derart unter Druck wie der Umgang mit gefährlichen Stoffen. Neue technische Richtlinien, milliardenschwere Förderprogramme und die digitale wende bei Frachtpapieren bestimmen die Agenda. Rund 800.000 Frachtangebote pro Woche auf dem Spotmarkt zeigen zudem: Die Branche kämpft mit steigenden Kosten und einem akuten Fahrermangel.

Neue VDI-Richtlinien verschärfen Ladungssicherung

Erst Anfang Mai hat der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) drei zentrale Updates der Richtlinienreihe VDI 2700 veröffentlicht. Sie betreffen die Ladungssicherung – ein Thema, das jährlich für Tausende Unfälle und Milliardenschäden verantwortlich ist.

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Konkret geht es um VDI 2700 Blatt 3.2, das die Anforderungen an Zurrmittel präzisiert. Blatt 4 definiert neue Vorgaben für Lastverteilungspläne, die sicherstellen, dass Achslasten im legalen Rahmen bleiben. Für Schüttgüter liefert Blatt 18 aktuelle Anleitungen zur Sicherung von Säcken und sogenannten FIBC-Containern.

Parallel dazu zeigt die Messe Interpack 2026, wohin die technische Reise geht: Integrierte End-of-Line-Lösungen kombinieren Palettenumreifung mit Stretch-Folierung. Digitale Schnittstellen und vernetzte Handgeräte mit integrierten Schredderfunktionen treiben die Automatisierung voran.

Eine Milliarde Euro für Ladeinfrastruktur

Das Bundesverkehrsministerium hat ein Förderprogramm über eine Milliarde Euro für die Ladeinfrastruktur schwerer Elektro-Nutzfahrzeuge aufgelegt. Die Mittel fließen über vier Jahre – Teil des Masterplans Ladeinfrastruktur 2030.

Der Clou: Die Förderung ist in drei Calls gestaffelt. Los geht es mit 200 Millionen Euro. Kleine und mittlere Unternehmen können ab dem 5. Juni Anträge stellen. Alle anderen Firmen haben vom 26. Mai bis 7. Juli Zeit. Eine Online-Informationsveranstaltung ist für den 19. Mai angesetzt. Die Höhe der Förderung pro Kilowatt Ladeleistung entscheidet über die Priorisierung.

Der Druck ist enorm: Die Logistikmärkte laufen zwar stabil, doch Energie- und Transportkosten steigen. Besonders in Ostdeutschland klaffen die Leerstände bei Logistikimmobilien auseinander.

Globale Regulierungswelle rollt

In Genf tagt seit dem 5. Mai die 119. Sitzung der UNECE WP.15 – sie verhandelt den ADR-Rahmen 2027 für den internationalen Gefahrguttransport. Parallel dazu tritt bis November 2027 die HNS-Konvention in Kraft. Sie schafft einen Haftungs- und Entschädigungsfonds von umgerechnet rund 330 Millionen Euro pro Schadensfall mit gefährlichen Stoffen auf See. Deutschland und Belgien haben im April ratifiziert.

Die Digitalisierung bleibt ein harter Brocken. Die EU-eFTI-Verordnung verlangt, dass alle Mitgliedsstaaten bis Mitte 2027 digitale Frachtinformationen akzeptieren. Bisher arbeiten nur rund zehn Prozent der europäischen Spediteure rein digital mit dem elektronischen Frachtbrief (eCMR). Dabei spart jedes digitale Dokument rund zehn Euro. Estland geht voran und gewährt Zuschüsse von bis zu 15.000 Euro pro Unternehmen für die Umstellung.

Umweltseitig hat die EU-Kommission am 20. April die Verordnung (EU) 2026/859 erlassen. Sie beschränkt den Stoff 2,4-Dinitrotoluol auf 0,1 Prozent Gewichtsanteil in Verbraucherprodukten. Importeure haben zwölf Monate Übergangszeit.

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Haftung und Arbeitsschutz im Wandel

Ein US-Urteil könnte weltweit Wellen schlagen: Im Fall „Montgomery gegen Caribe Transport II, LLC" entscheidet der Supreme Court voraussichtlich Ende Juni, ob Frachtmakler für Fahrlässigkeit bei der Carrier-Auswahl verklagt werden können. Das würde die Haftungsrisiken für eine Branche fundamental ändern, die heute über 20 Prozent aller Frachten vermittelt.

In Deutschland tritt zum 1. Juni die überarbeitete DGUV Vorschrift 2 in Kraft. Sie erlaubt flexiblere Arbeitsschutzlösungen für Betriebe mit bis zu 20 Beschäftigten. Bis zu einem Drittel der Beratungsleistungen darf künftig remote erfolgen. Unternehmen haben bis zum 31. Mai 2027 Zeit für die Umstellung. Neu anerkannt werden auch Qualifikationen wie Psychologie für Sicherheitsfachkräfte.

Das Bundesverkehrsministerium treibt zudem eine Reform der Fahrerlaubnisverordnung voran – Zieltermin: 1. Januar 2027. Geplant sind weniger Pflichtfahrstunden und eine drastische Reduzierung der theoretischen Prüfungsfragen. Die Kritik von TÜV und Fahrlehrerverbänden ist laut: Sie befürchten Einbußen bei der Verkehrssicherheit.

Personalmangel als Dauerbrenner

Der Spotmarkt Trans.eu verzeichnete Anfang 2026 einen Rekord: Über 800.000 Frachtangebote in einer einzigen Woche. Spediteure lehnen zunehmend langfristige Verträge ab – die Betriebskosten steigen schneller als die Vertragspreise.

Die größte Baustelle bleibt der Fahrermangel. Analysten prognostizieren, dass Europa bis 2030 eine Million Fahrer fehlen werden. Immer mehr Kleinstunternehmen mit nur ein oder zwei Fahrzeugen geben auf oder werden Subunternehmer großer Konzerne. Die Münchner Gefahrgut-Tage werden zeigen, ob technische Compliance und wirtschaftliche Resilienz in diesem Umfeld noch zusammengehen.

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