Gebäudereinigung: IG BAU fordert 2 Euro mehr pro Stunde für 700.000 Beschäftigte
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deIm Tarifkonflikt der Gebäudereinigung stehen sich Gewerkschaft und Arbeitgeber mit gegensätzlichen Positionen gegenüber. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) verlangt für die bundesweit rund 700.000 Beschäftigten der Branche eine Lohnerhöhung von 2 Euro pro Stunde bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.
Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) legte hingegen ein Angebot von 3,4 Prozent über einen Zeitraum von 24 Monaten vor. Vor der für den 3. November 2026 in Köln angesetzten dritten Tarifrunde sind Arbeitsniederlegungen nicht ausgeschlossen. Der aktuell gültige Tarifvertrag endet am 31. Dezember 2026.
Große Differenzen bei Löhnen und Laufzeiten
Die Forderung der Gewerkschaft würde den Branchenmindestlohn in der untersten Lohngruppe 1 von derzeit 15,00 auf 17,00 Euro anheben, was einem Plus von 13,3 Prozent entspricht. In der Lohngruppe 6 stiege der Stundenlohn von 18,40 auf 20,40 Euro.
Beim vorangegangenen Abschluss im November 2024 hatten die Tarifparteien für die Lohngruppe 1 ein Plus von 11,1 Prozent über eine Laufzeit von zwei Jahren vereinbart. Zum Vergleich: Der gesetzliche Mindestlohn liegt bei 13,90 Euro und steigt zum 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro.
Die Arbeitgeberseite stellte demgegenüber gestaffelte Zuwächse in Aussicht: Vorgesehen sind 1,8 Prozent ab dem 1. Mai 2027 und weitere 1,6 Prozent ab dem 1. Januar 2028. Für die Lohngruppe 1 würde dies schrittweise Zuwächse von 27 Cent auf 15,27 Euro sowie von 24 Cent auf 15,51 Euro bedeuten.
Regionaler Druck und Sorge vor Personalmangel
Gewerkschaftsvertreter in den Regionen wiesen das Arbeitgeberangebot als unzureichend zurück. Christian Ribatzky von der IG BAU Südwürttemberg erklärte, der Vorschlag gleiche die Inflation nicht aus.
Zudem warnte er vor zunehmenden Jobwechseln in andere Branchen, da das Personal bereits knapp sei. Im Zollernalbkreis vertritt die Gewerkschaft rund 810 Beschäftigte bei 44 Gebäudereinigungsunternehmen, deren aktueller Stundenlohn von 15 Euro nur knapp über dem Mindestlohn liege.
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Auch weitere regionale Gliederungen der IG BAU untermauern die Forderung nach einem Stundenlohn von 17 Euro mit Blick auf die anstehende Verhandlungsrunde:
- Im Rhein-Kreis Neuss betreffen die Verhandlungen laut IG BAU Düsseldorf 5.070 Beschäftigte bei 122 Betrieben.
- Die IG BAU Mittelfranken vertritt rund 980 Arbeitskräfte in 48 Betrieben des Landkreises Nürnberger Land.
- Im thüringischen Wartburgkreis sind laut IG BAU Thüringen rund 1.140 Beschäftigte bei 25 Unternehmen tätig.
- In Niederbayern fordert die Gewerkschaft den Zuwachs für rund 870 Beschäftigte bei 23 Firmen in Landshut.
- In der Oberpfalz betrifft die Forderung rund 620 Arbeitskräfte in 12 Betrieben in Weiden; im Kreis Neustadt an der Waldnaab gibt es 7 und im Kreis Tirschenreuth 5 Reinigungsbetriebe.
Zudem mahnten Vertreter der IG BAU in Karlsruhe und im Kreis Böblingen deutliche Lohnverbesserungen an und verwiesen auf die Gefahr von Personalverlusten angesichts des bestehenden Fachkräftemangels im Reinigungsgewerbe.
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Entscheidende Verhandlungsrunde in Köln
Die dritte Tarifverhandlung am 3. November 2026 in Köln gilt als richtungsweisend für den Ausgang des Tarifstreits. Sollten die Gespräche zwischen IG BAU und dem BIV ohne Annäherung bleiben, drohen vor dem Auslaufen des bisherigen Vertrags zum Jahresende tarifliche Streikmaßnahmen in der Gebäudereinigung.
