Gebäudemodernisierungsgesetz, Heizungen

Gebäudemodernisierungsgesetz: 65-Prozent-Pflicht für Heizungen soll entfallen

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 05:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Entwurf erlaubt Öl- und Gasheizungen mit steigenden Brennstoffquoten; Verbände warnen vor Klimafolgen und hohen Kosten.
Ein modernes Wohngebäude mit klarer Fassadenstruktur in einer ruhigen Umgebung bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz sorgt für intensive Diskussionen über Technologieoffenheit, Klimaschutzziele und finanzielle Risiken für Immobilienverwalter.

Mit der Neuregelung entfällt die bisherige Vorgabe, wonach neu eingebaute Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Damit wird der Einbau von reinen Öl- und Gasheizungen wieder ermöglicht, ist jedoch an stufenweise steigende Vorgaben für den Einsatz erneuerbarer Brennstoffe gekoppelt.

Für neu installierte Heizungsanlagen in Bestandsgebäuden sieht der Entwurf eine sogenannte Bio-Treppe vor. Demnach müssen diese Anlagen ab 2029 einen Anteil von mindestens 10 Prozent und ab 2030 von 15 Prozent an Biomethan, Bioöl, biogenem Flüssiggas oder Wasserstoff nutzen. Bis 2035 soll dieser Anteil auf 30 Prozent steigen, gefolgt von weiteren Erhöhungen auf 60 Prozent in den Folgejahren.

Das Gesetz verpflichtet die Bundesregierung zudem, bis zum 1. Dezember 2026 einen Gesetzentwurf für eine Grüngas- und Grünheizölquote vorlegen. Mitte Oktober wurden dazu Eckpunkte an Verbände übermittelt, die Quoten von einem Prozent im Jahr 2028, 5 Prozent 2030, 20 Prozent 2035, 50 Prozent 2040 und 100 Prozent im Jahr 2045 vorsehen.

Verbands- und Wirtschaftskritik an Brennstoffpfaden

Aus der Branche und von Fachverbänden regt sich deutlicher Widerstand gegen die Ausgestaltung. Der Bundesverband Geothermie warnte in einer Stellungnahme zum Referentenentwurf vor Rückschritten bei Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wärmewende.

Die Abkehr von der 65-Prozent-Pflicht sei ein erheblicher Rückschritt. Zudem beziehe sich die Bio-Treppe lediglich auf Neuanlagen, während für den bestehenden Anlagenbestand ein klarer Pfad fehle.

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Auch die Streichung der bisherigen Regelung zur Außerbetriebnahme 30 Jahre alter Heizkessel schwäche die Modernisierung. Der Verband forderte, die Quote bis spätestens 2040 auf 100 Prozent klimaneutrale Brennstoffe anzuheben sowie einen verbindlichen Ausstiegspfad für fossile Kessel beizubehalten.

Wirtschaftliche Berechnungen verdeutlichen erhebliche Kostenrisiken. Nach Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE ist ein Gaskessel unter den Vorgaben der Bio-Treppe über einen Betrachtungszeitraum von 20 Jahren rund 60 Prozent teurer als eine Wärmepumpe und rund 23 Prozent teurer als Fernwärme.

Staatssekretär Wetzel aus dem Bundeswirtschaftsministerium erklärte, das Ministerium könne zu künftigen Kosten und verfügbaren Mengen keine abschließende Klärung liefern.

Daten des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft zufolge verbrauchten deutsche Haushalte im Jahr 2025 rund 265 Terawattstunden Erdgas, während die Einspeisung von Biomethan laut Deutscher Energie-Agentur 2025 bei rund 12,3 Terawattstunden lag.

Schätzungen des Öko-Instituts und des Umweltbundesamts beziffern den nationalen Biomethanbedarf für 2045 auf 208 bis 260 Terawattstunden bei einem geschätzten Potenzial von lediglich 53 bis 65 Terawattstunden.

Pflichten und Vorgaben für Eigentümer und Mieter

Auf Eigentümer und Verwalter kommen neben betrieblichen Unsicherheiten konkrete finanzielle Verschiebungen zu. Ab dem Jahr 2028 sollen bei fossil beheizten Gebäuden sowohl die anfallenden Netzentgelte als auch die CO?-Kosten jeweils zur Hälfte zwischen Eigentümern und Mietern aufgeteilt werden.

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Gleichzeitig bleiben energetische Sanierungen der Gebäudehülle wirtschaftlich relevant: Eine Fassadendämmung an Wohnbauten der 1960er- und 1970er-Jahre kann Einsparungen bei den Heizkosten von 40 bis 50 Prozent bewirken.

Auch im Förderbereich gelten strenge Rahmenbedingungen. Ein Anspruch auf staatliche Fördergelder der Bundesförderung für effiziente Gebäude über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle erlischt, wenn Maßnahmen vor Antragstellung begonnen werden. Nach der Einreichung geht der Zuwendungsbescheid häufig innerhalb von ein bis drei Wochen ein.

Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth, der seine Laufbahn in der Bundesregierung beendete, verteidigte den Kurs in Teilen: Die Grundidee sei bereits im Koalitionsvertrag angelegt gewesen, und der Markttrend bewege sich ohnehin klar in Richtung von Wärmepumpen. Zudem verwies er auf das im Grundgesetz verankerte Ziel der Klimaneutralität bis 2045 sowie auf die für 2028 erwartete Einführung des europäischen Emissionshandels für Verkehr und Gebäude.

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