Gebäudemodernisierungsgesetz: 65%-Quote fällt weg, freie Technologiewahl ab 2028
11.06.2026 - 23:28:44 | boerse-global.de
Ein spezieller Kompressor, der Wasserdampf unter Druck erhitzt, soll den gesamten Energiebedarf in Deutschland jährlich um zwei Prozent reduzieren. Bis 2030 plant der Konzern, den Energieverbrauch pro Tonne Produkt um ein Fünftel zu senken. Um die Klimaneutralität bis 2035 zu erreichen, sind bis Ende des Jahrzehnts Investitionen im dreistelligen Millionenbereich vorgesehen.
Bundestag ringt um neues Gebäudemodernisierungsgesetz
Parallel zu den industriellen Aktivitäten hat der Bundestag in erster Lesung über das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) debattiert. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche verspricht eine Wärmewende ohne starre Heizungszwänge. Kern der Reform: Die bisherige 65-Prozent-Quote für erneuerbare Energien bei Neuanlagen fällt weg.
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Stattdessen ist eine freie Technologiewahl geplant – von Wärmepumpen über Holz- und Pelletheizungen bis hin zu Gas- und Ölheizungen. Ab 2028 soll eine „Biotreppe“ mit einer Grüngasquote den Übergang zu nachhaltigeren Brennstoffen regeln.
Die Opposition sieht darin einen gefährlichen Rückschritt. Die Linke prüft eine Verfassungsklage im Eilverfahren. „Das verletzt das Verschlechterungsverbot nach Artikel 20a des Grundgesetzes“, warnt die klimapolitische Sprecherin Violetta Bock. Auch die Deutsche Umwelthilfe kritisiert den Entwurf als unzureichend und warnt vor steigenden Kostenrisiken durch fossile Brennstoffe.
Experten fordern klare Leitplanken
Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) begrüßt zwar den technologieoffenen Ansatz, fordert aber klare Regeln. Nötig sei eine integrierte Infrastrukturstrategie, die Elektrifizierung, Fernwärme und Gasnetze gleichermaßen berücksichtigt. Nur so ließen sich Lock-in-Effekte bei fossilen Systemen vermeiden.
Der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft schlägt verpflichtende Vollkostenvergleiche vor Heizungsentscheidungen vor. Zudem solle die Förderung an die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung gekoppelt werden.
Technischer Fortschritt: Wärmepumpen boomen im Neubau
Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen einen klaren Trend: 2025 wurden in 73,6 Prozent der knapp 59.000 neuen Wohngebäude Wärmepumpen installiert. Erdgas kommt nur noch auf zehn Prozent. Im Gebäudebestand dominieren dagegen weiterhin fossile Energieträger wie Erdgas und Heizöl.
Auch technologisch tut sich einiges. Das Unternehmen GKT hat für BASF ein leistungsstarkes Wärmepumpensystem realisiert. Und Accupower bringt nach eigenen Angaben als erster europäischer Anbieter Natrium-Ionen-Batterien in Serie – ohne Lithium und mit hoher Brandsicherheit.
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Kommunale Wärmeplanung: Offenbach setzt auf Abwärme
Die Stadt Offenbach zeigt, wie Wärmewende vor Ort funktionieren kann. Die verabschiedete Wärmeplanung sieht vor, dass die Fernwärme bis 2045 zu 60 Prozent aus Abwärme gespeist wird. Hauptquellen: Rechenzentren und thermische Abfallbehandlung.
In der Schweiz lehnte der Bundesrat unterdessen bundesrechtliche Vorgaben zur Abwärmenutzung ab. Die bestehenden Mustervorschriften der Kantone seien ausreichend, so die Begründung.
