Gebäudemodernisierungsgesetz: 65%-Quote fällt, Gewerbemieter zahlen mehr
11.06.2026 - 19:56:12 | boerse-global.de
Die Koalition aus Union und SPD will die bisherige Pflicht zur Nutzung von 65 Prozent erneuerbarer Energien beim Heizungstausch aufheben. Opposition und Wirtschaftsverbände warnen vor hohen Kosten für kleine Betriebe.
Kostenfalle für Gewerbemieter
Besonders kritisch sehen die Grünen die wirtschaftlichen Folgen für den Mittelstand. Fraktionschefin Katharina Dröge warnt: Bäckereien, Friseursalons oder Pflegedienste drohten in eine Kostenfalle zu geraten.
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Der Grund: Bei Wohnungen teilen sich Mieter und Vermieter die Zusatzkosten hälftig. Für Gewerbeobjekte gilt diese Regelung nicht. Ab 2029 müssen neue Gas- und Ölheizungen Biotreibstoffe nutzen – die vollen Mehrkosten tragen dann die Gewerbemieter.
Der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (BNW) fordert Nachbesserungen. Die Betriebskosten müssten transparenter werden, Gewerbetreibende dürften nicht die alleinige Last der Dekarbonisierung tragen.
Verfassungsklage und Lock-in-Risiko
Das Gesetz steht auch rechtlich unter Druck. Die Linke prüft eine Verfassungsklage. Klimapolitikerin Violetta Bock sieht einen möglichen Verstoß gegen das Grundgesetz. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kündigte bereits rechtliche Schritte an – das Vorhaben sabotiere die Energiewende.
Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) begrüßt die Technologieoffenheit, fordert aber klare Leitplanken. VDI-Direktor Adrian Willig warnt vor Lock-in-Effekten: Unternehmen könnten in fossile Heizsysteme investieren, deren Betrieb durch den Rückbau von Gasnetzen oder steigende CO2-Preise unwirtschaftlich werde.
Wärmepumpe bleibt Neubau-Klassiker
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Die politische Debatte um fossile Optionen überrascht angesichts der Marktrealität. Laut Statistischem Bundesamt wurden im vergangenen Jahr 73,6 Prozent der neuen Wohngebäude mit Wärmepumpen ausgestattet – rund 58.900 Gebäude. Seit 2015 hat sich dieser Anteil mehr als verdoppelt.
Erdgas spielt im Neubau mit rund 10 Prozent nur noch eine Nebenrolle. Im Bestand sieht es anders aus: Über 50 Prozent der Einheiten heizen mit Gas, knapp 25 Prozent mit Öl.
Das Gesetz geht nun in die Ausschüsse. Für morgen ist die Befassung des Bundesrates geplant. Wirtschaftsministerin Reiche verteidigt das Vorhaben, Verbände fordern eine Kopplung der Förderung an die CO2-Preisentwicklung. Nur so gebe es Investitionssicherheit für den Mittelstand.
