Gasversorgung: Reiche weist Sefe zur Gaseinspeicherung an
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 06:47 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSWirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat das bundeseigene Energieunternehmen Sefe angewiesen, vermehrt Erdgas einzuspeichern. Die Anweisung erfolgte am späten Dienstagabend und war mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) abgestimmt.
Ministerium verschärft Kurs
Reiche reagiert damit auf die weiterhin niedrigen Füllstände der deutschen Gasspeicher. Engpässe seien weiterhin nicht abzusehen, als zentraler Grund für den Schritt wurden jedoch anhaltende geopolitische Risiken genannt.
Bereits Mitte September hatte die Ministerin Sefe angehalten, Gas zur Befüllung der Speicher einzukaufen. Damals handelte es sich ausdrücklich nicht um eine Anweisung an das Unternehmen. Mit dem jetzigen Schritt wird der Auftrag ausgeweitet.
Sefe entscheidet über Mengen und Zeitpunkt
Die Wirtschaftsministerin hatte in den vergangenen Monaten einen früheren Eingriff in den Gasmarkt abgelehnt, zugleich aber Instrumente für unterschiedliche Szenarien vorbereiten lassen. Die zusätzliche Beschaffung durch Sefe gehört nach Angaben aus dem Wirtschaftsministerium zu diesen Instrumenten.
Sefe soll selbst entscheiden, welche Mengen zu welchem Zeitpunkt eingespeichert werden. Die Maßnahme dient damit der stärkeren Absicherung der deutschen Gasversorgung vor der Heizperiode.
Die Anweisung an Sefe verschiebt die Rolle des Bundes bei der Gasvorsorge. Während Unternehmen Gas grundsätzlich nach wirtschaftlichen Kriterien beschaffen, erhält der bundeseigene Importeur nun einen konkreten Auftrag, zusätzliche Mengen für die Speicher zu organisieren. Sefe kann dabei nach den Angaben aus dem Wirtschaftsministerium selbst bestimmen, welche Mengen wann eingespeichert werden.
Für die Versorgungssicherheit ist nicht allein der prozentuale Füllstand entscheidend. Bedeutung haben auch die verfügbaren Importkapazitäten, die Entnahmeraten im Winter, die Wetterentwicklung sowie die Frage, wie schnell Lieferungen aus Norwegen, über Flüssiggas-Terminals und aus dem europäischen Verbund verfügbar sind. Niedrige Speicherstände erhöhen insbesondere bei einer Kälteperiode den Beschaffungsdruck.
Gasmarkt zwischen Vorsorge und Kosten
Der Schritt verbindet Versorgungspolitik mit einem finanziellen Risiko: Frühe zusätzliche Einkäufe können die Versorgung absichern, zugleich aber Kosten verursachen, falls Gas später günstiger verfügbar ist. Die Entscheidung fällt zudem vor dem Hintergrund anhaltender geopolitischer Unsicherheiten und eines europäischen Marktes, in dem mehrere Staaten um dieselben Lieferungen konkurrieren.
Für Haushalte und Unternehmen bedeutet die Maßnahme zunächst keine angekündigte Mangellage. Sie soll vielmehr die Ausgangslage für die Heizperiode verbessern. Ob die zusätzlichen Beschaffungen ausreichen, hängt davon ab, wie schnell Sefe handelt, welche Mengen tatsächlich in die Speicher gelangen und wie sich Nachfrage, Preise und internationale Lieferströme im weiteren Verlauf entwickeln.
