Gastronomie-Studie, Steuersenkung

Gastronomie-Studie: 73,4 % geben Steuersenkung nicht weiter

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

73,4 Prozent der Gastronomen halten Preise trotz reduzierter Mehrwertsteuer stabil. Ifo-Präsident Fuest fordert derweil die Abschaffung des ermäßigten Satzes.

DEHOGA-Erhebung: Gastronomie gibt Steuervorteil nicht an Gäste weiter
Ein modern eingerichteter Gastronomiebereich mit einem Menü auf einem Holztisch bei stimmungsvoller Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In einer am 8. August 2026 veröffentlichten Erhebung des Branchenverbandes DEHOGA zeigt sich eine deutliche Zurückhaltung der Gastronomie bei der Weitergabe von Steuervorteilen an die Kunden. Laut der Befragung unter 2.000 Betrieben haben 73,4 % der Teilnehmer ihre Preise nach der Senkung der Mehrwertsteuer auf 7 % nicht reduziert. Diese steuerliche Entlastung für Speisen ist bereits seit dem 1. Januar 2026 in Kraft, während für Getränke weiterhin der Regelsatz von 19 % gilt.

Ungeachtet der steuerlichen Begünstigung berichten Marktaufseher von einer gegenteiligen Preisentwicklung. Das Statistische Bundesamt stellte fest, dass die Preise für Hauptspeisen in der Gastronomie zuletzt gestiegen sind. Damit bestätigt die Behörde den Trend, dass die Gastronomie die dauerhafte Mehrwertsteuersenkung kaum an die Gäste weitergibt und die Preise trotz der veränderten Steuerlast stabil bleiben.

Positive Auswirkungen bei Preissenkungen im Einzelfall

Obwohl die breite Masse der Branche an ihrem Preisgefüge festhält oder dieses nach oben anpasst, gibt es Berichte über alternative betriebswirtschaftliche Strategien. Ein Gastronom aus Hagen senkte die Preise pro Gericht um 1 Euro und konnte in der Folge ein Umsatzplus von 30 % verzeichnen. Solche Beispiele bleiben jedoch die Ausnahme im Vergleich zur allgemeinen Marktentwicklung, in der die Steuersenkung primär zur Stützung der betrieblichen Margen verwendet wird.

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Vorschlag zur grundlegenden Reform des Mehrwertsteuersystems

Parallel zu den Daten über die aktuelle Preisgestaltung in der Gastronomie ist eine Debatte über die generelle Struktur der Mehrwertsteuer in Deutschland entbrannt. Ifo-Präsident Clemens Fuest schlug am 6. August 2026 die vollständige Abschaffung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes von 7 % vor. Sein Modell sieht stattdessen einen einheitlichen Steuersatz von 19 % auf alle Waren und Dienstleistungen vor, was auch die Speisen in der Gastronomie betreffen würde.

Fuest nannte in diesem Zusammenhang Dänemark als Vorbild, wo ein pauschaler Steuersatz von 25 % auf alle Güter erhoben wird. Nach Berechnungen des Ifo-Präsidenten würde die Umstellung für die ärmere Hälfte der Bevölkerung zu einer Mehrbelastung von durchschnittlich 30 Euro pro Monat führen. Um diese sozialen Härten abzufangen, sieht sein Konzept direkte Transferzahlungen in Höhe von insgesamt 7,2 Milliarden Euro vor.

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Fiskalische Folgen und politischer Widerstand

Der staatliche Haushalt würde laut den Kalkulationen von Clemens Fuest massiv von einer solchen Reform profitieren. Nach Abzug der notwendigen Ausgleichszahlungen stünden dem Fiskus jährlich über 36 Milliarden Euro an zusätzlichen Einnahmen zur Verfügung.

Die politischen Reaktionen auf den Vorstoß des Ifo-Instituts fielen jedoch unmittelbar ablehnend aus. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf wies den Vorschlag am 6. August 2026 zurück. Damit bleibt die Diskussion um die Effizienz der ermäßigten Steuersätze und deren tatsächliche Wirkung auf die Verbraucherpreise ein zentrales Thema der wirtschaftspolitischen Auseinandersetzung, während die Gastronomie weiterhin von der geltenden 7-Prozent-Regelung für Speisen profitiert.

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