Gastronomie-Razzia, Zollbeamte

Gastronomie-Razzia: 75 Zollbeamte decken Dutzende Mindestlohn-Verstöße auf

Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 14:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Großkontrolle des Zolls in Köln deckt zahlreiche Verstöße gegen Mindestlohn und Schwarzarbeit in der Gastronomie auf.

Zoll-Razzia in Köln: Dutzende Verstöße gegen Mindestlohn
Eine Nahaufnahme einer Hand, die einen Stapel Euro-Banknoten hält, mit verschwommenem Hintergrund einer Restaurantküche. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das Ergebnis ist ernüchternd: Dutzende Verstöße gegen Mindestlohn und Schwarzarbeit.

Gastronomie und Konzert im Visier

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit durchkämmte 17 Gaststätten und Imbisse in Köln, Bonn und Bergisch Gladbach. Insgesamt 86 Beschäftigte wurden dort überprüft. Parallel dazu landeten die Mitarbeiter beim Konzert der Toten Hosen im Kölner Stadion im Fokus. 107 Angestellte von 27 verschiedenen Firmen mussten dort ran.

Die vorläufige Bilanz spricht eine deutliche Sprache. In elf Fällen gab es konkrete Hinweise auf Mindestlohn-Unterschreitung. 34 Verdachtsfälle von Schwarzarbeit und vier Fälle von Sozialleistungsmissbrauch kamen hinzu. Bei vier Personen fehlte offenbar die Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis. Die endgültige Auswertung der Geschäftsunterlagen läuft noch.

Kostendruck als Brandbeschleuniger

Die Razzia fällt in eine Zeit, in der Arbeitskosten für viele Betriebe zum Problem werden. Eine aktuelle Sonderauswertung des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) zeigt: Rund 58 Prozent der bayerischen Unternehmen sehen hohe Arbeitskosten als erhebliches Geschäftsrisiko. In personalintensiven Branchen wie dem Tourismus sind es sogar 70 Prozent.

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Die Folgen zeichnen sich ab. 24 Prozent der bayerischen Betriebe planen Stellenabbau, nur elf Prozent einen Zuwachs. In der Industrie will bereits jedes dritte Unternehmen die Belegschaft reduzieren. Die Befürchtung: Immer mehr Firmen verlagern die Produktion ins Ausland.

Minijobs vor der Reform?

Eine weitere Belastung könnte auf Arbeitgeber zukommen. Die Alterssicherungskommission empfiehlt, die Befreiungsmöglichkeit von der Rentenversicherungspflicht für Minijobber abzuschaffen. Nur Schüler sollen ausgenommen bleiben.

Derzeit arbeiten rund 6,8 Millionen Menschen in Deutschland in Minijobs. Gerade einmal 20,9 Prozent von ihnen zahlen in die Rentenversicherung ein. Bei einem Mindestlohn von 13,90 Euro liegt die monatliche Verdienstgrenze bei 603 Euro. Der Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) und die Arbeitgeberverbände (BDA) reagieren alarmiert. Sie warnen vor einer zusätzlichen Belastung der Sozialsysteme und Betriebe.

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Internationale Perspektive: Vietnam verschärft Gangart

Während der deutsche Zoll Einzelfälle prüft, setzt Vietnam auf harte Dekrete. Das neue Dekret 283/2026/ND-CP schafft einen klaren Rahmen für Verwaltungsstrafen bei Mindestlohn-Verstößen. Die Geldstrafen richten sich nach der Zahl der betroffenen Mitarbeiter und reichen von 20 bis 75 Millionen VND.

Hinzu kommt: Unternehmen müssen die ausstehenden Löhne samt Zinsen nachzahlen. Für 2027 hat der nationale Lohnrat bereits eine Erhöhung des Mindestlohns um 7,8 Prozent vorgeschlagen. Der Druck auf Arbeitgeber steigt also weiter – in Deutschland wie international.

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