Gastgewerbe-Krise, Insolvenzgefahr

Gastgewerbe-Krise: Jedes zehnte Unternehmen meldet Insolvenzgefahr

05.06.2026 - 14:25:10 | boerse-global.de

Zwei Drittel der Gastronomiebetriebe kämpfen mit Finanzproblemen, jedes zehnte Unternehmen droht die Zahlungsunfähigkeit.

Gastgewerbe in Not: DIHK warnt vor Insolvenzwelle in Deutschland
Gastgewerbe-Krise - Ein leeres, schlecht beleuchtetes Restaurant und eine beleuchtete Fast-Food-Filiale bei Nacht, symbolisiert die Krise und Expansion im Gastgewerbe. 05.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Zwei Drittel der Betriebe kämpfen mit ihrer Finanzlage, jedes zehnte Unternehmen meldet eine drohende Insolvenz. Das zeigt eine Sonderauswertung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) von Anfang Juni.

Hohe Kosten setzen Betriebe massiv unter Druck

Hauptursachen sind die anhaltend hohen Energie- und Personalkosten. Sie fressen die Margen der Betriebe auf. Die Stimmung in der Branche ist entsprechend düster: Nur 27 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre Lage als gut. 23 Prozent bezeichnen sie als schlecht. Fast ein Drittel rechnet mit einer weiteren Verschlechterung in den kommenden Monaten. Die Folge: Mehr als jedes fünfte Unternehmen plant Personal abzubauen.

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Taco Bell wagt neuen Anlauf in Deutschland

Trotz der Krise expandiert ein US-Riese auf dem deutschen Markt. Taco Bell eröffnet die ersten frei zugänglichen Restaurants in München. Der bayerische Gastronom Christian Lehmann von der LHG Holding hat die Pachtverträge unterschrieben. Innerhalb von fünf Jahren sollen 15 Standorte in München, Nürnberg und Passau entstehen.

Die Fast-Food-Kette gehört zum Konzern Yum Brands – neben Pizza Hut und KFC. Weltweit betreibt Taco Bell mehr als 8.000 Restaurants. Der Schritt nach Deutschland kommt nach früheren Verzögerungen. Lehmann spricht von langfristigen Plänen für Süddeutschland.

Traditionsbetriebe in der Krise

Der wirtschaftliche Druck trifft auch etablierte Namen. Die Halberstädter Konserven GmbH beantragte Anfang Juni ein Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Magdeburg. Die Produktion am Traditionsstandort steht still. Bereits im April hatte das Unternehmen nach einem Käufer gesucht – gestiegene Kosten für Fleisch, Energie und Personal machten den Betrieb unrentabel.

Auch im Hotelgewerbe rumort es. Die insolvente Revo-Gruppe steht vor einem Verkauf. Fünf Investoren sollen rund 120 Hotels übernehmen. Betroffen ist unter anderem das Vienna House Easy in Osnabrück.

Neue EU-Verordnung trifft die Branche

Ab dem 12. August 2026 kommt zusätzlicher regulatorischer Druck. Eine neue EU-Verpackungsverordnung tritt in Kraft. Ab 2030 sind Einweg-Kunststoffportionspackungen für Ketchup, Mayonnaise oder Kaffeesahne beim Verzehr vor Ort verboten. Ausnahmen gelten nur für Außer-Haus-Verkauf sowie Krankenhäuser und Pflegeheime.

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Antisemitismus-Skandal und Warnstreiks belasten das Image

Ein Fall in der Oberpfalz erschüttert die Branche. Ein Hotel in Lam lehnte eine Buchungsanfrage aus Israel mit diskriminierender Begründung ab. Die bayerische Justiz ermittelt wegen Volksverhetzung. Buchungsplattformen und regionale Tourismusseiten entfernten den Betrieb aus ihrem Angebot. Der Juniorchef sprach später von einem Irrtum – er habe Angst vor betrügerischen Buchungen gehabt.

Hinzu kommen bundesweite Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi am 4. und 5. Juni. Sie legten Handel und Teile des Dienstleistungssektors lahm. Verdi fordert deutliche Lohnsteigerungen. Die Arbeitgeber verweisen auf die angespannte Kostensituation der Betriebe.

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