Gasspeicher: Reiche weist Sefe zu zusätzlicher Gasbeschaffung an
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 11:06 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lässt wegen der niedrigen deutschen Gasspeicherstände und anhaltender geopolitischer Risiken das bundeseigene Energieunternehmen Sefe zusätzlich Erdgas beschaffen und einspeichern.
Sefe erhält konkrete Vorgabe
Nach Angaben einer Sprecherin des Wirtschaftsministeriums entschied Reiche dies in Absprache mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Sefe bestätigte, vom Ministerium die Anweisung erhalten zu haben, bis zum 15. Dezember 8 Terawattstunden Gas zu beschaffen und einzuspeichern.
Das Ministerium bezeichnete den Schritt als zusätzlichen Beitrag zur Krisenvorsorge und zur Widerstandsfähigkeit der deutschen Gasversorgung. Sefe soll selbst entscheiden, zu welchem Zeitpunkt und in welchen Mengen das Gas eingespeichert wird.
Speicher deutlich weniger gefüllt
Die deutschen Gasspeicher sind derzeit zu knapp 58 Prozent gefüllt. Ihr Gesamtvolumen beträgt nach Angaben des Branchenverbands Initiative Energien Speichern rund 247 Terawattstunden.
Normalerweise kaufen Händler Erdgas im Sommer zu niedrigeren Preisen und verkaufen es im Winter mit Gewinn. Dieser sogenannte Sommer-Winter-Spread schafft den wirtschaftlichen Anreiz für die Einspeicherung. Wegen der hohen Großhandelspreise ist dieser Anreiz derzeit begrenzt.
Geopolitische Risiken belasten den Markt
Als zentralen Grund für die Maßnahme nannte das Ministerium die weiter andauernden geopolitischen Risiken. Die für die Versorgung wichtige Straße von Hormus sei wegen des Iran-Kriegs weiterhin blockiert, was zu höheren Großhandelspreisen führe.
Die Erwartung an andere Marktakteure, ihren Verpflichtungen zur Einspeicherung nachzukommen, bleibe nach Angaben des Ministeriums ohne Einschränkung bestehen. Reiche hatte vor drei Wochen im Bundestag erklärt, die Regierung habe Vorkehrungen für jedes Szenario getroffen.
Regierung hält Gasmangellage nicht für wahrscheinlich
In einem Bericht des Wirtschaftsministeriums für eine Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses des Bundestags hatte es Mitte September geheißen, nach damaligem Erkenntnisstand sei eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten. Zugleich war das Ministerium bereits in Gesprächen mit Sefe über eine zusätzliche Einspeicherung.
Sefe, früher Gazprom Germania, wurde infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und der Energiekrise verstaatlicht. Nach Vorgaben der EU muss der Bund das Unternehmen bis Ende 2028 wieder weitgehend privatisieren.
Strategische Gasreserve ab 2027 geplant
Reiche plant außerdem eine strategische Gasreserve. Der Aufbau soll nach einer für 2027 vorgesehenen Gesetzesänderung beginnen. Sie soll Risiken abdecken, falls Energieflüsse nach Deutschland in einer Krisensituation gestört werden.
Offen ist die Finanzierung. Als Möglichkeiten gelten eine Umlage über die Gaskunden, eine Finanzierung aus dem Bundeshaushalt oder ein Mischmodell.
Niedrige Speicherstände erhöhen den Handlungsdruck
Mit knapp 58 Prozent liegen die deutschen Gasspeicher Ende September deutlich unter dem Niveau, das für den Übergang in die Heizsaison komfortabel wäre. Für die Versorgungssicherheit zählt dabei nicht nur die gespeicherte Menge, sondern auch, wie schnell zusätzliches Gas beschafft und in die Speicher eingebracht werden kann.
Die EU erlaubt wegen der angespannten Marktbedingungen eine flexiblere Befüllung als das ursprüngliche Ziel von 90 Prozent zum 1. November. Für Deutschland gilt nach der angepassten Vorgabe ein Ziel von 80 Prozent. Der staatliche Auftrag an Sefe ist deshalb vor allem ein Instrument, um den wirtschaftlich schwachen Anreiz für Händler teilweise auszugleichen und einen größeren physischen Puffer aufzubauen.
Preise, Weltmarkt und politische Verantwortung
Die Lage wird durch geopolitische Risiken und die eingeschränkte Verfügbarkeit von Flüssigerdgas verschärft. Europa konkurriert auf dem Weltmarkt mit asiatischen Abnehmern; ein niedriger Speicherstand kann dadurch zu höheren Beschaffungskosten führen. Für Haushalte und Unternehmen bedeutet das zunächst vor allem ein erhöhtes Preisrisiko, nicht automatisch eine bevorstehende Mangellage.
Die zusätzliche Beschaffung verlagert zugleich Verantwortung und Kosten stärker auf den Staat. Sefe soll bis zum 15. Dezember 8 Terawattstunden einkaufen und einspeichern, während andere Marktakteure weiterhin selbst für ihre Speicherpflichten einstehen sollen. Die geplante strategische Gasreserve ab 2027 soll die Vorsorge verstetigen; offen bleibt, ob sie über eine Umlage, aus dem Bundeshaushalt oder über eine Mischfinanzierung bezahlt wird.
