Gasspeicher, Deutschland

Gasspeicher in Deutschland: Sefe soll bis 15. Dezember 8 TWh zusätzlich kaufen

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 23:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Wirtschaftsministerin Reiche beauftragt Sefe mit zusätzlichen Gasmengen; Fachleute sehen Risiken für die Winterversorgung.

Deutsche Gasspeicher nur zu 58,3 Prozent gefüllt: Sefe soll zukaufen
Industrielle Erdgasspeicheranlage mit großen zylindrischen Metalltanks und komplexen Rohrleitungen in der Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Die aktuellen Füllstände der deutschen Erdgasspeicher sind im Vergleich zu den Vorjahren auf ein ungewöhnlich niedriges Niveau gesunken. Laut Daten des Branchenverbands GIE und der Bundesnetzagentur sind die Speicher derzeit lediglich zu 58,3 Prozent gefüllt, was einem Energiegehalt von rund 143 Terawattstunden entspricht.

In den vergangenen 15 Jahren lagen die Werte zu diesem Zeitpunkt im Herbst üblicherweise deutlich höher, meist zwischen 77 und 98 Prozent. Diese Entwicklung sorgt nun für verstärkte politische Bemühungen und fachliche Warnungen hinsichtlich der Versorgungssicherheit im kommenden Winter.

Ministerium ordnet Gaseinkauf durch staatlichen Importeur an

Angesichts der niedrigen Bestände hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche den staatseigenen Energieimporteur Sefe angewiesen, bis zum 15. Dezember zusätzliche 8 Terawattstunden Erdgas zu beschaffen und einzuspeichern.

Dieser Schritt, der in Abstimmung mit Bundeskanzler Friedrich Merz erfolgte, entspricht etwa drei Prozentpunkten der gesamten deutschen Speicherkapazität von 247 Terawattstunden. In Ministeriumskreisen wird die Entscheidung mit den anhaltenden geopolitischen Risiken und dem langsamen Anstieg der Füllmengen begründet.

Zuvor hatte die Ministerin einen direkten Markteingriff abgelehnt, um die Preise nicht künstlich nach oben zu treiben. Sefe soll nun eigenständig über Zeitpunkte und Teilmengen entscheiden, um Marktverzerrungen zu vermeiden.

Das Unternehmen, das aus der früheren Gazprom Germania hervorging, war bereits Mitte September zur Einspeicherung aufgefordert worden, hatte dies zu jenem Zeitpunkt jedoch als eigenständige kommerzielle Entscheidung betrachtet. Kritiker aus der Opposition warnten derweil, dass die Intervention zu spät erfolge und die Kosten für Verbraucher unnötig steigern könnte.

Diskrepanz zwischen gesetzlichen Zielen und Realität

Die aktuelle Situation steht im Kontrast zu den gesetzlichen Vorgaben der Gasspeicherfüllstandsverordnung. Diese sieht vor, dass die meisten Speicher bis zum 1. November einen Füllstand von 80 Prozent erreichen müssen.

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Die deutschen Gasspeicher sind derzeit nur zu 58,3 Prozent gefüllt — deutlich weniger als in den vergangenen 15 Jahren üblich. Verbraucher mit neuen oder auslaufenden Verträgen müssen sich laut Branchenvertretern auf spürbar höhere Heizkosten einstellen. Unser kostenloser Leitfaden fasst zusammen, welche Schritte Hausbesitzer und Vermieter jetzt prüfen können. Kostenlosen Leitfaden anfordern

Derzeit fehlen für dieses Ziel rund 19 Prozentpunkte, was einem Volumen von etwa 48 Terawattstunden entspricht. Während Kavernenspeicher teilweise Füllstände von 80 bis 90 Prozent aufweisen, liegt Deutschlands größter Gasspeicher in Rehden lediglich bei rund 26 Prozent.

Branchenexperten wie Sebastian Heinermann, Geschäftsführer des Gasspeicherverbands INES, betonten, dass die Versorgungssicherheit für den Winter damit noch nicht vollständig gewährleistet sei.

Technisch sei ein Gesamtfüllstand von 77 Prozent bis Anfang November noch erreichbar. Dies würde für einen normalen Winter ausreichen, doch im Falle extremer Kälteperioden drohe im Januar eine Unterdeckung der Versorgung von mehr als 25 Prozent an einzelnen Tagen.

Wirtschaftliche und geopolitische Risikofaktoren

Die Zurückhaltung bei der Einspeicherung im Sommer wird unter anderem auf die Preisentwicklung am Großhandelsmarkt zurückgeführt. Stephan Haupt, Geschäftsführer der Handels- und Vertriebstochter des Gasversorgers VNG, erklärte, dass sich die Preise seit Beginn der Krise im Nahen Osten mehr als verdoppelt hätten.

Zudem fehle der übliche Preisunterschied zwischen Sommer und Winter, was die Einspeicherung wirtschaftlich weniger attraktiv mache. Verbraucher mit neuen oder auslaufenden Verträgen müssten sich daher auf spürbar höhere Heizkosten einstellen.

Zusätzliche Risiken ergeben sich aus der internationalen Lage. Durch kriegerische Auseinandersetzungen im Nahen Osten und die Sperrung der Straße von Hormus ist die globale Gasinfrastruktur beeinträchtigt.

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Fachleute warnen, dass bei extremer Kälte im Januar an einzelnen Tagen eine Unterdeckung von mehr als 25 Prozent drohen könnte. Wer vorbereitet sein will, braucht einen klaren Plan für den Ernstfall — vom Heizverhalten bis zur Frage, wann ein Vertragswechsel sinnvoll ist. Unser kostenloser Leitfaden bündelt die wichtigsten Handlungsoptionen. Notfallplan für den Winter jetzt sichern

Energieexperten warnen, dass dies zum ersten Mal seit Jahrzehnten zu einem Rückgang im globalen Handel mit Flüssigerdgas (LNG) führen könnte. Deutschland ist derzeit verstärkt auf Importe angewiesen, wobei die heimischen LNG-Terminals zuletzt laut Bundesnetzagentur zu 41,2 Prozent ausgelastet waren.

Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW, wies darauf hin, dass die aktuellen Mengen für einen durchschnittlichen Winter zwar ausreichen könnten, die Speicher im Frühjahr jedoch nahezu leer sein dürften, sofern die Importmengen nicht stabil bei mindestens 2,25 Terawattstunden pro Tag liegen.

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