Gaspreise, EuroMWh

Gaspreise über 100 Euro/ MWh möglich: EU drängt auf weniger Verbrauch

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 22:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Dan Jørgensen empfiehlt geringeren Gas- und Stromverbrauch; Europas Speicher liegen deutlich unter dem Vorjahresstand.

EU-Kommissar fordert freiwilliges Energiesparen angesichts knapper Gasreserven
Ein industrielles Erdgasspeicher-Gelände mit großen Kugeltanks und Rohrleitungen in der Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts eines eingeschränkten globalen Energieangebots und anhaltender Preisrisiken hat EU-Energiekommissar Dan Jørgensen die Mitgliedstaaten der Europäischen Union zur aktiven Drosselung des Gas- und Stromverbrauchs aufgerufen.

In einem Schreiben an die Energieminister der Union drängte der Kommissar darauf, die Nachfragesenkung so lange wie nötig beizubehalten, um die Stabilität der Energiemärkte während der bevorstehenden Wintermonate zu gewährleisten.

Preiskrise und geopolitische Risiken belasten den Markt

Nach Einschätzung von Energiekommissar Jørgensen besteht derzeit zwar kein unmittelbares Risiko für die allgemeine Versorgungssicherheit, jedoch sehe sich die Europäische Union mit einer Preiskrise konfrontiert, die eng mit einer potenziellen Versorgungskrise verknüpft sei. Als Hauptgründe nannte er eine hohe Preisvolatilität sowie ein begrenztes Angebot auf den Weltmärkten.

Besorgnis erregt insbesondere die Situation der europäischen Gasspeicher. Diese sind nach Angaben von Gas Infrastructure Europe derzeit zu rund 70 % gefüllt. Dieser Wert liegt etwa 12 Prozentpunkte unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

Andere Erhebungen beziffern den aktuellen Füllstand auf 68 %, verglichen mit 71 % im gleichen Zeitraum des Jahres 2021. Analysten warnen in diesem Zusammenhang vor möglichen Preisspitzen, die im Winter über die Marke von 100 €/MWh steigen könnten. Dies gelte insbesondere für den Fall, dass LNG-Exporte aus der Golfregion nicht signifikant zunehmen oder Wartungsarbeiten an norwegischen Förderanlagen die Exporte nach Europa bremsen.

Ein wesentlicher Faktor für die angespannte Lage ist die geopolitische Situation im Nahen Osten. Die Europäische Union deckt rund 80 % ihres Gasbedarfs über ausländische Lieferanten. Durch den Krieg im Iran wurde die Straße von Hormus geschlossen, über die üblicherweise 20 % des weltweiten Handels mit Erdöl und Flüssigerdgas (LNG) abgewickelt werden.

Empfehlungen für freiwillige Sparmaßnahmen

Statt verbindlicher Vorgaben setzt der Energiekommissar derzeit auf freiwillige Maßnahmen der Mitgliedstaaten, die sich an den Erfahrungen aus dem Jahr 2022 orientieren sollen. Zu den zentralen Empfehlungen gehört die Senkung des Stromverbrauchs während der Spitzenlastzeiten. Hierbei sollen technologische Lösungen wie Smart Meter und Zeittarife eine unterstützende Rolle spielen.

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Die EU-Kommission drängt die Mitgliedstaaten zur Drosselung des Gas- und Stromverbrauchs, die Speicher sind nur zu rund 70 Prozent gefüllt und Analysten warnen vor Preisspitzen über 100 Euro pro MWh im Winter. Wer jetzt seinen Notfallplan prüft und die Beschaffung absichert, ist vorbereitet, wenn die Konkurrenz erst reagiert. Jetzt kostenlosen Energie-Report anfordern

Darüber hinaus schlägt die Kommission konkrete Schritte im öffentlichen Raum und bei der Infrastruktur vor. Dazu zählen:
- Die Einhaltung von Temperaturgrenzen in öffentlichen Gebäuden.
- Die Einschränkung des Betriebs von Außenheizungen.
- Das Abschalten der nächtlichen Beleuchtung von Gebäuden und Denkmälern.
- Der Ersatz von Gas in Kraftwerken durch alternative Brennstoffe, wo dies technisch möglich ist.

Für den Fall einer weiteren Verschlechterung der Lage verwies die EU-Kommission auf nationale Notfallpläne. Diese halten schärfere Instrumente bereit, wie etwa die Aktivierung unterbrechbarer Gaslieferverträge oder den verpflichtenden Brennstoffwechsel in der Industrie.

Strategische Neuausrichtung und Ausblick

Trotz der aktuellen Mahnungen betonte die EU-Kommission, dass die Union heute besser vorbereitet sei als im Winter 2021. Dies werde durch den Ausbau der LNG-Importkapazitäten, den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien sowie eine generell gesunkene Gasnachfrage ermöglicht.

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Zudem wird der schrittweise Ausstieg aus russischen Energieressourcen weiter vorangetrieben. Basis hierfür ist ein im Januar 2026 vom EU-Rat verabschiedetes Reglement. Dieses untersagt seit dem 1. Januar den Abschluss neuer langfristiger LNG-Verträge mit russischen Anbietern. Für Pipeline-Gas greift ein entsprechendes Verbot ab dem 1. November 2027, während kurzfristige Verträge bereits unter die geltenden Beschränkungen fallen.

Konkrete Fristen für die nun geforderten Einsparungen nannte Jørgensen nicht. Er unterstrich jedoch, dass Maßnahmen zur Preisdämpfung stets gezielt und zeitlich begrenzt erfolgen müssten, um die Marktmechanismen nicht dauerhaft zu verzerren.

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