Gaskraftwerke, Bundesnetzagentur

Gaskraftwerke: RWE und Leag erhalten zehn von elf Zuschlägen

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 13:08 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Anlagen sollen spätestens 2031 einspringen, wenn Wind- und Solarstrom nicht ausreichen. Für ihre Bereitstellung sind jährlich gut 800 Millionen Euro vorgesehen, die über eine neue Umlage finanziert werden sollen.

Standorte und Laufzeit der Kraftwerke

  • Die Zuschläge verteilen sich auf Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg.
  • Leag erhielt vier Zuschläge für Jänschwalde und zwei für Boxberg.
  • Die Betreiber sollen 15 Jahre lang Geld für das Bereithalten der Leistung bekommen.
  • Das RWE-Kraftwerk im rheinischen Weisweiler. RWE will an drei ehemaligen Kraftwerksstandorten neue Gaskraftwerke bauen. Sie sollen Strom erzeugen, wenn zu wenig Wind- und Sonnenstrom da ist. (Archivbild) - Bild: Thomas Banneyer/dpa
  • Der Energiekonzern Leag will in Jänschwalde vier neue Gaskraftwerke errichten. (Archivbild) - Bild: Frank Hammerschmidt/dpa
  • Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche nannte die erste Ausschreibungsrunde einen großen Erfolg. (Archivbild) - Bild: Fabian Sommer/dpa
Das RWE-Kraftwerk im rheinischen Weisweiler. RWE will an drei ehemaligen Kraftwerksstandorten neue Gaskraftwerke bauen. Sie sollen Strom erzeugen, wenn zu wenig Wind- und Sonnenstrom da ist. (Archivbild)  - Bild: Thomas Banneyer/dpa Der Energiekonzern Leag will in Jänschwalde vier neue Gaskraftwerke errichten. (Archivbild) - Bild: Frank Hammerschmidt/dpa Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche nannte die erste Ausschreibungsrunde einen großen Erfolg. (Archivbild) - Bild: Fabian Sommer/dpa

Bundesnetzagentur vergibt elf Kraftwerkszuschläge

Neue Gaskraftwerke für Dunkelflauten werden bis spätestens 2031 in fünf Bundesländern entstehen. In der ersten Ausschreibungsrunde gingen fast alle Zuschläge an RWE und Leag, die überwiegend bestehende oder frühere Kohlekraftwerksstandorte nutzen wollen.

Gesicherte Leistung für den Kohleausstieg

Die Anlagen sollen die Stromversorgung absichern, wenn Wind- und Solaranlagen nicht genügend Energie liefern. Zunächst sollen sie Erdgas verbrennen, spätestens 2045 aber mit klimafreundlich erzeugtem Wasserstoff betrieben werden.

Die Bundesnetzagentur vergab elf Zuschläge aus 41 Geboten. Neben RWE und Leag erhielten die Leag-Tochter Gaskraftwerk Leipheim und die Stadtwerke Karlsruhe Zuschläge.

Fünf Bundesländer erhalten Projekte

Leag baut nach der Ausschreibung vier Anlagen in Jänschwalde und zwei in Boxberg. RWE plant drei Kraftwerke an den Standorten Voerde, Weisweiler und Werne; je ein weiteres Projekt entfällt auf Leipheim in Bayern und Karlsruhe in Baden-Württemberg.

Zusammen verfügen die elf Projekte über 5.160 Megawatt Erzeugungskapazität. Die Betreiber sollen im Durchschnitt rund 155.300 Euro je Megawattstunde erhalten, woraus jährliche Kosten von gut 800 Millionen Euro entstehen.

Stromkunden tragen die Umlage

Finanziert werden soll die Förderung über eine neue Umlage für alle Stromverbraucher. Wie stark der Strompreis dadurch steigt, steht noch nicht fest, weil weitere Ausschreibungen folgen.

Zweite Runde startet in Kürze

Für die zweite Ausschreibungsrunde sollen Gebote nach dpa-Informationen bis zum 29. Dezember abgegeben werden. RWE hat nach eigenen Angaben bereits Genehmigungsplanungen und Vorbereitungen für den Bau angestoßen.

Die Deutsche Umwelthilfe kritisierte, die Ausschreibung bevorzuge fossile Großkonzerne und habe Batteriespeicher nicht zum Zuge kommen lassen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche bezeichnete die erste Runde dagegen als großen Erfolg für Versorgungssicherheit und Erneuerbare.

Die Ausschreibung ist ein zentraler Baustein der deutschen Kraftwerksstrategie: Erneuerbare Energien sollen weiter ausgebaut werden, zugleich braucht das Stromsystem abrufbare Leistung für längere Phasen mit wenig Wind und Sonne. Die neuen Anlagen sollen diese Lücke zunächst mit Erdgas schließen und später für Wasserstoff nutzbar sein.

Die erste Runde war deutlich überzeichnet. Auf die ausgeschriebenen 4.500 Megawatt entfielen 41 Gebote mit knapp 12.000 Megawatt Leistung. Dass RWE und Leag zehn der elf Zuschläge erhielten, lenkt den Blick auf die starke Stellung etablierter Betreiber und auf die Standortlogik der Ausschreibung.

Kosten und offene Fragen

Die Förderung summiert sich über 15 Jahre rechnerisch auf etwa zwölf Milliarden Euro; zusätzlich wird der Fördermechanismus bis 2045 auf deutlich höhere Gesamtkosten geschätzt. Die konkrete Belastung einzelner Stromkunden hängt jedoch von den weiteren Ausschreibungen und der Ausgestaltung der Umlage ab.

Für die Versorgungssicherheit können die Kraftwerke besonders in angespannten Stunden relevant werden, auch wenn sie im Normalbetrieb nur selten laufen sollen. Offen bleibt, wie schnell die Anlagen genehmigt und gebaut werden, ob Wasserstoff künftig in ausreichender Menge und zu tragbaren Preisen verfügbar ist und wie stark Speicher in den nächsten Ausschreibungen zum Zuge kommen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Bundesnetzagentur fördert den Bau elf neuer Gaskraftwerke“ (03.11.2026)

Der Beitrag bestätigt die elf Zuschläge und die Gesamtleistung von 5.160 Megawatt. Zusätzlich ordnet er die rechnerischen Förderzahlungen über 15 Jahre ein und hebt die Kritik an der starken Stellung von RWE und Leag hervor.

Deutschlandfunk: „Energiesicherheit Netzagentur vergibt erste Kraftwerkszuschläge - vor allem an RWE und LEAG“ (03.11.2026)

Der Deutschlandfunk konzentriert sich auf den Versorgungssicherheitszweck und die Verteilung der Zuschläge. Wie der Tagesschau-Beitrag nennt er die Umlagefinanzierung und die 15-jährige Vergütung, setzt aber weniger Gewicht auf die Kritik am Ausschreibungsdesign.

Einigkeit besteht bei den Eckdaten und beim Ziel, gesicherte Leistung für Zeiten mit geringer Erzeugung aus Wind und Sonne bereitzustellen. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung von Kosten, Marktmacht und energiepolitischer Einordnung.

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