Gaskraftwerke, Dunkelflaute

Gaskraftwerke: Elf Projekte sichern ab 2031 Dunkelflauten ab

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 10:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Bundesnetzagentur fördert elf Projekte in fünf Bundesländern, damit bei langen Phasen mit wenig Wind- und Solarstrom Reservekapazität bereitsteht. Die jährlichen Kosten von gut 800 Millionen Euro sollen über eine neue Umlage von allen Stromverbrauchern getragen werden.

Standorte und Förderzeitraum der Kraftwerke

  • Die Bundesnetzagentur vergab elf Zuschläge an Projekte in fünf Bundesländern.
  • Die bezuschlagte Kapazität beträgt insgesamt 5.160 Megawatt.
  • Die Betreiber sollen die Erzeugungskapazität 15 Jahre lang bereithalten.
Das Energieunternehmen Leag hatte sich auch mit seinem Standort Jänschwalde in Brandenburg an der Ausschreibung beteiligt. (Archivbild) - Bild: Frank Hammerschmidt/dpa

Gaskraftwerke sollen Stromversorgung bei Dunkelflauten sichern

Neue Gaskraftwerke für die Stromerzeugung bei Dunkelflauten werden bis 2031 in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg entstehen. Dies ist das Ergebnis einer ersten Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur.

Elf Projekte erhalten Zuschlag

Ab 2031 sollen die Anlagen vor allem dann einspringen, wenn Wind- und Solaranlagen nicht genug Strom liefern. Die Bundesnetzagentur benannte die ersten Kraftwerksprojekte, die für das Bereithalten der sogenannten Erzeugungskapazität 15 Jahre lang Geld bekommen sollen.

In dem Bieterverfahren gingen 41 Gebote ein, elf erhielten einen Zuschlag. Vier Projekte liegen in Brandenburg, drei in Nordrhein-Westfalen, zwei in Sachsen sowie jeweils eines in Bayern und Baden-Württemberg.

RWE, Leag und Stadtwerke beteiligt

Zu den Bietern gehören RWE, Leag, das Gaskraftwerk Leipheim und die Stadtwerke Karlsruhe. Insgesamt wurden 5.160 Megawatt Kapazität bezuschlagt.

Der durchschnittliche Zuschlagswert lag nach Angaben der Bundesnetzagentur bei 155.296 Euro je Megawattstunde. Für die elf Kraftwerksprojekte ergeben sich daraus jährliche Kosten von gut 800 Millionen Euro.

Umlage soll Stromverbraucher belasten

Die Kosten sollen über eine neue Umlage auf alle Stromverbraucher verteilt werden. Wie stark sich der Strom dadurch verteuert, ist noch offen.

Wasserstoff soll Erdgas später ersetzen

Die neuen Anlagen sollen zunächst Erdgas verbrennen. Spätestens 2045 sollen die Gaskraftwerke jedoch klimaneutral mit Wasserstoff betrieben werden.

Geplant sind noch zwei weitere Ausschreibungen für zusätzliche Erzeugungskapazitäten. Die Kraftwerksstrategie soll damit auch nach dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien die Stromversorgung in längeren Dunkelflauten absichern.

Die Ausschreibung ist ein zentraler Baustein der deutschen Kraftwerksstrategie. Wind- und Solarstrom deckten in den ersten neun Monaten 2026 nach Branchenangaben knapp 61 Prozent des Stromverbrauchs; zugleich sollen Kohlekraftwerke spätestens 2038 abgeschaltet werden. Für längere Phasen mit wenig Wind und Sonne plant die Bundesregierung deshalb steuerbare Reservekapazitäten.

Der Fördermechanismus vergütet nicht nur erzeugten Strom, sondern vor allem die Bereithaltung der Leistung. Das soll Investitionen in Anlagen ermöglichen, die im normalen Betrieb möglicherweise nur selten laufen. Die erste Runde über 4,5 Gigawatt war überzeichnet; eine weitere Runde über ebenfalls 4,5 Gigawatt soll am 10. November bekannt gemacht werden.

Versorgungssicherheit und Kosten

Die konkrete Belastung für Haushalte und Unternehmen hängt von der späteren Ausgestaltung der Umlage ab. Als strukturelles Problem bleibt, dass die Anlagen zunächst mit Erdgas betrieben werden. Ihre geplante Umstellung auf Wasserstoff soll den fossilen Übergang begrenzen, setzt aber ausreichende Mengen an klimaneutralem Wasserstoff und passende Infrastruktur voraus.

Parallel gewinnen Speicher, Netzausbau und flexible Stromnachfrage an Bedeutung. Sie können den Bedarf an Reservekraftwerken verringern, ersetzen aber nicht automatisch Kapazitäten für mehrstündige oder längere Dunkelflauten. Für Stromverbraucher wird daher neben der Versorgungssicherheit vor allem entscheidend sein, wie hoch die Umlage ausfällt und wie schnell alternative Flexibilitätsoptionen ausgebaut werden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Warum die Regierung fossile Kraftwerke mit Milliarden fördert“ (02.11.2026)

Der Beitrag ordne die Förderung als Absicherung gegen Dunkelflauten ein und stelle die Finanzierung über die Stromkunden heraus. Einen breiteren Schwerpunkt lege er auf die umstrittene Bevorzugung von Gaskraftwerken gegenüber Speichern sowie auf die erwarteten Gesamtkosten des Fördermechanismus.

WDR: „Neue Gaskraftwerke: NRW bekommt Zuschlag für Voerde, Weisweiler und Werne“ (03.11.2026)

Der WDR bestätige die drei Zuschläge in Nordrhein-Westfalen und nenne Werne, Weisweiler und Voerde als Standorte. Der regionale Beitrag konzentriere sich damit auf die Folgen für NRW und den Betreiber RWE, während die Kosten- und Wasserstofffrage dort weniger Raum einnehme.

Beide Beiträge stellten die Kraftwerke als Vorsorge für Zeiten mit wenig Wind- und Solarstrom dar. Unterschiede ergäben sich vor allem beim Blickwinkel: bundesweit stünden Förderkosten und Technologieauswahl im Vordergrund, regional die konkreten Standorte in Nordrhein-Westfalen.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70449527 |