Gartenbau, EuGH-Urteil

Gartenbau: EuGH-Urteil treibt Lohnkosten um 15–20 Euro täglich

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Steigende Zinsen und Regularien belasten den Gartenbau, während Klimaanpassung und Fördergelder neue Perspektiven eröffnen.

Gartenbau: Investitionsklima trübt sich trotz neuer Chancen
Ein modern gestalteter Garten mit großen Pflanzgefäßen und hochwertigen Steinarbeiten bei Sonnenlicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Investitionslaune im deutschen Garten- und Landschaftsbau trübt sich ein. Steigende Zinsen und strenge Regularien bremsen viele Betriebe. Gleichzeitig eröffnen Klimaanpassung und neue Fördertöpfe Perspektiven.

Der Geschäftsklimaindikator der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main fiel im zweiten Quartal 2026 auf 131,7 Punkte – nach 139 im Vorjahreszeitraum. Nur noch 64 Prozent der Betriebe halten ihre Investitionen stabil. Rund 40 Prozent planen wegen des Zinsniveaus weitere Kürzungen.

Spezialisten wachsen gegen den Trend

Doch es gibt Ausnahmen. Ein Familienunternehmen in Nordrhein-Westfalen investierte zuletzt in XL-Pflanzgefäße und den Ausbau seines Standorts. Der Trend zu großformatigen Gestaltungselementen beschert Nischenbetrieben Zulauf.

Andernorts kühlt die Nachfrage ab. Im privaten Poolbau etwa brechen die Aufträge weg. In Niederösterreich, wo rund 70.000 private Schwimmbecken stehen, machen Hersteller die allgemeine Teuerung und die Flaute im Wohnbau verantwortlich.

Fahrzeit wird teurer: EuGH-Urteil trifft die Branche

Seit dem 1. Januar 2026 gilt in Deutschland ein Mindestlohn von 13,90 Euro. Dazu kommt ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs mit weitreichenden Folgen: Fahren Beschäftigte mit dem Firmenwagen direkt zur Baustelle, gilt diese Zeit als Arbeitszeit und muss vergütet werden. Experten rechnen mit Mehrkosten von 15 bis 20 Euro pro Tag und Mitarbeiter.

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Die Löhne im Baugewerbe stiegen im Juni 2026 im Vorjahresvergleich um 7,8 Prozent, wie der Mittelstandsindex der DATEV zeigt. Der allgemeine Umsatz im Mittelstand legte saisonbereinigt um 2,7 Prozent zu. Besonders auffällig: Mittlere Unternehmen verzeichneten ein Umsatzplus von 7,1 Prozent, bauten aber 0,6 Prozent ihrer Stellen ab. Kleinstunternehmen hingegen stellten mehr Personal ein – bei sinkenden Umsätzen.

Klimaanpassung als neues Geschäftsfeld

Der Gartenbau positioniert sich als zentraler Akteur der Klimawende. Eine Allianz für wasserbewusste Stadtentwicklung fordert, die Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz zu verankern. Der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) und der Zentralverband Gartenbau (ZVG) unterstützen die Initiative.

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Innovative Begrünungskonzepte gewinnen an Fahrt. Im Juni 2026 wurde ein Projekt in Hannover als „Sonderbegrünung des Jahres“ ausgezeichnet. Es setzt auf vertikale Ranksäulen und ein Edelstahl-Seiltragwerk. Solche technischen Aufwertungen urbaner Grünflächen zeigen, wohin die Reise geht.

Parallel fördert das Landratsamt in Wasserburg am Inn soziale Gartenprojekte. Die Zertifizierung als Naturgarten kombiniert ökologischen Wert mit therapeutischer Wirkung.

EU-Hilfen und Millionen für die Landesgartenschau

Die EU-Mitgliedstaaten haben eine Agrarreserve von 540 Millionen Euro freigegeben. Der ZVG fordert, energieintensive Unterglasbetriebe bei der nationalen Verteilung gezielt zu berücksichtigen.

Großprojekte laufen ebenfalls: Die Landesgartenschau 2027 in Wittenberge nimmt Gestalt an. Aussichtsplattformen und Stege am Schwanenteich sollen bis Mitte August 2026 fertig sein. Das Projekt wird mit rund 2,1 Millionen Euro aus ELER-Mitteln und erheblichen Eigenmitteln finanziert.

Weiterbildung und Start-up-Schub

Anfang Juni startete das Projekt NAWIGALA II. Es bietet kostenfreie Weiterbildungen für den gesamten gärtnerischen Bereich. Das auf zwei Jahre angelegte Vorhaben wird durch den Europäischen Sozialfonds Plus und Bundesmittel gefördert.

Die im Juli 2026 verabschiedete Start-up-Strategie der Bundesregierung könnte zusätzliche Impulse liefern. Sie zielt auf Bürokratieabbau und die Mobilisierung von wagniskapital – auch für nachhaltige Produktionsbereiche. Im ersten Halbjahr 2026 flossen bereits 5,3 Milliarden Euro Risikokapital in deutsche Jungunternehmen, ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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