Galeria-Insolvenz, Vierter

Galeria-Insolvenz: Vierter Antrag in sechs Jahren gefährdet 12.000 Jobs

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 03:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach dem vierten Insolvenzantrag bleiben Insolvenzgeld, frische Finanzierung und die Zukunft von 33 Standorten ungeklärt.

Galeria beantragt erneut Insolvenz: 83 Filialen und 12.000 Jobs betroffen
Eine menschenleere, verlassene Einkaufsstraße mit dunklen, geschlossenen Ladenfronten in der Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Der Warenhauskonzern Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Es handelt sich um den vierten Insolvenzantrag des Unternehmens innerhalb von sechs Jahren, nachdem die Kette bereits in den Jahren 2020, 2022 und 2024 entsprechende Verfahren durchlaufen hatte.

Der Geschäftsbetrieb in den verbliebenen 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen. Für die rund 12.000 Beschäftigten bedeutet der Schritt jedoch erneute Ungewissheit über den Verbleib ihrer Arbeitsplätze.

Rechtliche Hürden beim Insolvenzgeld

Nach Medienberichten vom 2. Oktober 2026 ist derzeit offen, ob die Belegschaft Insolvenzgeld erhalten kann. Hintergrund ist, dass das Amtsgericht Essen die Planüberwachung aus dem vorangegangenen Insolvenzverfahren nicht aufgehoben hat.

Galeria befindet sich demnach noch bis Ende Juli 2027 in der Planüberwachung des dritten Verfahrens. Nach der bisherigen Rechtsprechung des Bundessozialgerichts steht der Bundesagentur für Arbeit bei einer derartigen Folgeinsolvenz die Zahlung von Insolvenzgeld voraussichtlich nicht offen.

Die Mitarbeitergehälter für August und September 2026 wurden nach Unternehmensangaben noch regulär überwiesen. Allerdings unterschritt das Unternehmen am 2. Oktober 2026 nach Auszahlung der September-Gehälter die mit den Warenkreditversicherern vertraglich vereinbarte Mindestliquidität in Höhe von 20 Mio. Euro.

Akuter Liquiditätsengpass und Verhandlungen

Ohne kurzfristige Zusagen frischer Finanzmittel droht dem Unternehmen rasch die Zahlungsunfähigkeit. Führungskräfte des Warenhauskonzerns wurden an einem Donnerstagabend über die Zuspitzung informiert.

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Zuvor hatten sich die Eigentümer – die US-Investmentgesellschaft NRDC und eine Beteiligungsfirma von Bernd Beetz, die Galeria im Sommer 2024 übernommen hatten – sowie der Finanzierer Gordon Brothers nicht mehr bereit gezeigt, weiteres Kapital bereitzustellen.

Gespräche mit Gordon Brothers dauerten zum Stichtag am 2. Oktober 2026 zwar an, ihr Ergebnis galt jedoch als offen. An diesem Tag standen 33 der 83 Standorte auf der Kippe. Bereits im Juli 2026 hatte Galeria 33 Warenhäuser intern auf den Prüfstand gestellt.

Umsatzrückgänge und scharfe Kritik von ver.di

Die finanzielle Schieflage verschärfte sich im Sommer 2026, als Umsätze und Gewinne des Konzerns einbrachen und zudem der Nachschub an Waren für die Herbst- und Wintersaison ins Stocken geriet. Interne Reportings wiesen für das Geschäftsjahr 2025/26 ein Minus von rund 10 Prozent beim Umsatz sowie einen Rückgang des Rohertrags um mehr als 12 Prozent aus.

Die Gewerkschaft ver.di reagierte mit deutlicher Kritik. Vorstandsmitglied Silke Zimmer bemängelte haarsträubende Managementfehler sowie das Ausbleiben nachhaltiger Investitionen in das operative Geschäft und forderte eine lückenlose Aufklärung der Vorgänge.

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Anhaltender Bedeutungsverlust der Warenhäuser

Die erneute Krise spiegelt zugleich den strukturellen Abstieg der Branche wider. Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI erwirtschaftete Galeria im Jahr 2025 noch einen Nettoumsatz von 2 Mrd. Euro mit weniger als der Hälfte der früheren Standorte. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 hatte der Umsatz bei 174 Filialen noch 4,5 Mrd. Euro betragen.

Seit 2020 sank der gesamte Marktanteil von Kauf- und Warenhäusern laut EHI von 4,2 Prozent auf nur noch 1,2 Prozent. Der Handelsverband Deutschland prognostizierte für das Jahr 2026 zudem einen weiteren Rückgang der gesamten Geschäftsanzahl im Einzelhandel auf unter 300.000, nachdem Ende 2015 noch etwa 372.000 Geschäfte registriert waren.

Mehr zum Thema bei t-online: „Galeria-Insolvenz: Warenhauskette wieder insolvent“

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