Galeria-Insolvenz, Insolvenzgeld

Galeria-Insolvenz: Verdi fordert schnell Klarheit für 12.000 Beschäftigte

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 14:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach dem vierten Insolvenzantrag von Galeria in sechs Jahren fordert Verdi schnelle Antworten für die rund 12.000 Beschäftigten. Unklar ist vor allem, ob Insolvenzgeld gezahlt wird und welche Filialen langfristig bleiben.

Galeria betreibt 83 Filialen in Deutschland. - Bild: Soeren Stache/dpa
Galeria betreibt 83 Filialen in Deutschland. - Bild: Soeren Stache/dpa

Nach dem Insolvenzantrag von Galeria fordert Verdi schnelle Klarheit für die rund 12.000 Beschäftigten über ihre Gehälter und eine mögliche Zahlung von Insolvenzgeld.

Gewerkschaft verlangt schnelle Informationen

Für die Beschäftigten sei weiterhin unklar, ob ihr Gehalt durch Galeria abgesichert sei oder Insolvenzgeld gezahlt werde, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer. Die offenen Fragen müssten von den zuständigen Stellen schnellstmöglich geklärt werden.

Zimmer bezeichnete die Lage als schwierig. Entscheidend sei, dass die Beschäftigten verlässlich und direkt darüber informiert würden, wie es weitergehe. Sie fürchteten um ihre eigene Existenz und die ihrer Familien.

Verdi kritisiert Verantwortung der Chefetagen

Es dürfe nicht sein, dass die Beschäftigten die Fehler der Chefetagen austragen müssten, sagte Zimmer. Die Verantwortlichen müssten nun gemeinsam mit der Belegschaft und den Betriebsräten eine tragfähige Perspektive erarbeiten.

Vorläufiges Verfahren angeordnet

Galeria hatte am Freitag beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Das Gericht ordnete inzwischen das vorläufige Insolvenzverfahren an und bestellte den Rechtsanwalt Frank Kebekus zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Es ist der vierte Insolvenzantrag des Warenhausunternehmens binnen sechs Jahren. Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen läuft vorerst weiter. Ob und welche Standorte schließen müssen, ist offen.

Entscheidung über Insolvenzgeld steht aus

Ob die Beschäftigten Insolvenzgeld erhalten, entscheidet die Bundesagentur für Arbeit. Wann eine Entscheidung fällt, ist bislang unklar. Das Insolvenzgeld soll Beschäftigte im Insolvenzfall vorübergehend beim Ausfall von Arbeitsentgelt absichern.

Vierte Sanierungsrunde in sechs Jahren

Der aktuelle Insolvenzantrag reiht sich in eine Serie von Verfahren seit 2020 ein. In den vergangenen Sanierungsrunden wurden Filialen geschlossen, Arbeitsplätze abgebaut und Forderungen in Milliardenhöhe erlassen. Nach dem Signa-Zusammenbruch folgte Anfang 2024 das bislang letzte Verfahren; damals schrumpfte das Filialnetz weiter.

Für Galeria geht es deshalb nicht nur um die kurzfristige Finanzierung des laufenden Betriebs. Das Unternehmen muss im vorläufigen Verfahren zeigen, welche Standorte wirtschaftlich tragfähig sind und ob ein dauerhaft wettbewerbsfähiges Warenhauskonzept möglich ist. Zuvor waren bereits 33 der 83 Filialen auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft worden.

Folgen für Beschäftigte und Innenstädte

Die rund 12.000 Beschäftigten stehen vorerst vor einer doppelten Unsicherheit: Neben der Frage nach dem Insolvenzgeld ist offen, welche Häuser langfristig bestehen bleiben. Eine Fortführung mit weniger Standorten gilt als möglich, würde aber erneut Arbeitsplätze und regionale Einkaufsangebote betreffen.

Galeria-Filialen liegen häufig in zentralen Innenstadtlagen und fungieren als sogenannte Ankerbetriebe. Schließungen können daher nicht nur Beschäftigte, sondern auch benachbarte Geschäfte, Gastronomie und die Attraktivität von Stadtzentren treffen. Zugleich zeigen Beispiele ehemaliger Warenhäuser, dass neue Nutzungen mit Handel, Gastronomie, Bildung, Kultur oder Wohnen möglich sind. Für die Belegschaft ist zunächst entscheidend, dass Insolvenzverwalter, Geschäftsführung und Betriebsräte die Perspektive jedes Standorts transparent klären.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

WDR: „Galeria: Gericht ordnet Insolvenzverfahren an“ (05.10.2026)

Der Bericht bestätige die Anordnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens und die Bestellung von Frank Kebekus. Er hebe zusätzlich hervor, dass eine Ablehnung des Antrags die sofortige Zahlungsunfähigkeit und den Wegfall des Insolvenzgeldes bedeutet hätte, während ein Handelsexperte eine deutlich kleinere Fortführung für möglich halte.

NDR: „Erneute Galeria-Insolvenz: Sechs Häuser in Niedersachsen betroffen“ (06.10.2026)

Der Artikel bestätige die offene Frage des Insolvenzgeldes und stelle die regionalen Folgen in Niedersachsen und Bremen heraus. Er berichte, dort seien 672 Beschäftigte betroffen, und verweise auf Kritik aus Kommunen sowie auf die Bedeutung der Warenhäuser für Innenstädte.

Beide Berichte bestätigten den vorläufigen Fortbestand des Geschäftsbetriebs und die ungeklärte Zukunft der Beschäftigten; der WDR betone stärker die rechtlichen Folgen des Verfahrens, während der NDR regionale Auswirkungen und mögliche Leerstände in den Mittelpunkt stelle.

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