Galeria-Insolvenz: Miteigentümer Beetz kritisiert Antrag und fordert schnellen Umbau
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 00:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Galeria-Miteigentümer Bernd Beetz hält den erneuten Insolvenzantrag der Warenhauskette für vermeidbar und fordert von der Geschäftsführung um Tilo Hellenbock mehr Tempo bei der Neuausrichtung.
Beetz fordert konsequentere Transformation
Beetz sagte der „Bild“-Zeitung, die Gesellschafter hätten Galeria in einer schwierigen Lage übernommen und viel Zeit, Energie sowie eigenes Kapital investiert. Notwendig gewesen wäre aus seiner Sicht, die Transformation schneller und konsequenter umzusetzen.
Als zentrale Aufgaben nannte Beetz ein stringentes Warenmanagement, eine klare Sortimentsstrategie und eine stärkere Orientierung an den Kunden. Ein Warenhaus könne auch heute erfolgreich sein, müsse sich aber deutlich vom Wettbewerb abheben und operativ exzellent geführt werden.
Entscheidung über Führung
Personelle Entscheidungen müssten nun danach getroffen werden, wem Gläubiger, Beschäftigte, Lieferanten und mögliche Investoren das größte Vertrauen entgegenbrächten. Es gehe nicht um einzelne Personen, sondern um die bestmögliche Führung für die nächste Phase, sagte Beetz.
Galeria hatte beim Amtsgericht Düsseldorf erneut die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Es ist der vierte Insolvenzantrag der Warenhauskette innerhalb von sechs Jahren – nach den Verfahren von 2020, 2022 und 2024.
Filialen bleiben zunächst geöffnet
Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen. Infolge der zurückliegenden Insolvenzverfahren hatte Galeria bereits zahlreiche Standorte geschlossen; Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen, um die Warenhauskette zu stabilisieren.
Neue Eigentümer seit 2024
Vor gut zweieinhalb Jahren hatte das Unternehmen, damals noch unter dem Namen Galeria Karstadt Kaufhof, den bislang letzten Insolvenzantrag gestellt. Vorausgegangen war die Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa.
Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma von Beetz. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen; außerdem verlegte Galeria seinen Sitz von Essen nach Düsseldorf.
Vierte Insolvenz in sechs Jahren
Der erneute Insolvenzantrag markiert für Galeria die vierte Sanierungsphase seit 2020. Nach den Verfahren wurden zahlreiche Standorte geschlossen, Forderungen in Milliardenhöhe erlassen und das Filialnetz auf 83 Häuser reduziert. Seit dem Sommer 2024 gehören die Warenhäuser der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma von Bernd Beetz.
Das zentrale Problem reicht über die Finanzierung hinaus. Warenhäuser müssen hohe Kosten für große Verkaufsflächen tragen und zugleich ein Sortiment anbieten, das sich klar von Onlinehandel, Fachgeschäften und Discountern unterscheidet. Eine Insolvenz kann kurzfristig Liquidität sichern, ersetzt aber weder ein überzeugendes Angebot noch eine tragfähige Strategie für einzelne Standorte.
Folgen für Beschäftigte und Städte
Für die rund 12.000 Beschäftigten und die betroffenen Kommunen hängt viel davon ab, ob Galeria im Verfahren ein belastbares Konzept vorlegt. Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll zunächst weiterlaufen. Zugleich stehen die Häuser unter wirtschaftlichem Druck: Eine Fortführung dürfte vor allem dort realistisch sein, wo Lage, Kundenzuspruch und Sortiment dauerhaft zusammenpassen.
Beetz’ Forderung nach schnellerem Handeln verweist damit auf den entscheidenden Konflikt: Galeria braucht kurzfristig Stabilität, muss aber zugleich sein Geschäftsmodell grundlegend verändern. Für Kunden bedeutet das zunächst geöffnete Filialen, mittelfristig jedoch mögliche Standortentscheidungen und Veränderungen beim Angebot.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
FOCUS online: „Experten zu vierter Galeria-Insolvenz: „Wird Zeit von Palliativstation ins Ruhebett überzusiedeln““ (04.10.2026)
Der Bericht ordne den erneuten Insolvenzantrag als Folge grundlegender Probleme bei Führung, Geschäftsmodell und Nachfrage ein. Er bestätige den Vorgang und stelle zusätzlich die wirtschaftliche Perspektive der 83 Filialen sowie die Lage der rund 12.000 Beschäftigten heraus; als mögliche Auswege würden eine deutlich kleinere, tragfähige Struktur und ein klareres Sortiment genannt.
WDR: „Zeugen melden Explosion: Auto geht vor Tankstelle in Flammen auf“ (03.10.2026)
Der Beitrag führe Galerias vierten Insolvenzantrag binnen sechs Jahren in einer weiteren Meldung an und bestätige, die Filialen sollten zunächst geöffnet bleiben. Einen eigenständigen Schwerpunkt setze der Bericht auf die regionale Bedeutung des Vorgangs; weitergehende Angaben zu Beetz’ Kritik oder zur strategischen Neuausrichtung enthalte er nicht.
Beide Beiträge stimmten darin überein, dass Galeria den Geschäftsbetrieb zunächst fortsetzen solle. Der FOCUS-Bericht vertiefe vor allem die strukturellen Ursachen und möglichen Sanierungsoptionen, während der WDR den Vorgang knapp in seine regionale Nachrichtenberichterstattung einordne.
