Futures, Options, Spreads: Ihre häufigsten Fragen!
Veröffentlicht: 23.11.2006 um 19:00 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)
Da in den U.S.A. die Börsen aufgrund eines Feiertags (Thanksgiving) heute geschlossen sind, bleibt mir etwas Zeit die häufigsten Leserfragen der letzten Wochen abzuarbeiten. Oft tauchte die Bitte auf, ob ich nicht auch Zertifikate oder Optionsscheine in meiner täglichen Kolumne oder meinem kostenlosen Trading Letter (mehr Infos auf www.emfis.com) veröffentlichen könnte.
Dieser Schritt wäre möglich und ich werde ihn auch gelegentlich in Betracht ziehen, allerdings halte ich Hebelzertifikate für absolut ungeeignet um an den Rohstoffmärkten zu handeln. Beispielsweise hat man bei vielen Hebelprodukten nicht die Wahlfreiheit welchen Kontraktmonat man handeln möchte.
Ein aktuelles Beispiel ist Live Cattle. Laut dem letzten Cattle on Feed Report wurden 13% weniger Tiere in der Mast platziert als im Vorjahr. Konkret bedeutet dies, dass in etwa sechs Monaten (April) mit einer geringeren Anzahl an Tieren zu rechnen ist. Wenn ich nun ein Zertifikat kaufe, wird sich dieses in den meisten Fällen auf den front month beziehen (hier Dezember) dessen Aussichten momentan alles anderes als positiv sind.
Des weiteren bieten mir Zertifikate nicht die Möglichkeit Spreads zu handeln. Heute habe ich beispielsweise den Kauf eines Juni Live Cattle Futures und gleichzeitigen Verkauf des Februar Futures empfohlen. In Anbetracht des CoF Reports sieht dieser Trade sehr aussichtsreich aus.
Weiterführend würde mich als Investor stören, dass man bei Zertifikaten potentiellen Störungen des Emittenten bei der Kursstellung ausgeliefert ist. Aufgrund technischer Probleme kann es passieren, dass temporär keine Kurse mehr gestellt werden. An den Futuresmärkten ist dieses Phänomen sehr sehr selten.
Hervorzuheben als Vorteil von Zertifikaten ist jedoch, dass man das Risiko von Overnight oder Weekend Gaps bzw. Limit UP oder Down Tagen nicht tragen muss. Dieses trägt der Emittent, nimmt hierfür aber oft einen stattlichen Spread. Wer sich jedoch auskennt, kann anstatt eines simplen Stop Loss auch mit Optionen die Positionen absichern bzw. versuchen bei Limit Tagen mittels eines Spreads das Risiko zu verringern.
Des weiteren lese ich oft in Foren, dass viele gerne Futures handeln würden jedoch nicht über das nötige Kapital verfügen. Dies mag ein Grund sein, allerdings braucht man eigentlich beim Handel mit Zertifikaten auch ausreichendes Kapital wenn man ordentliches Risikomanagement betreiben will, denn alles andere wäre nur sinnloses Zocken in den Märkten.
Interessant fand ich auch die kürzlich gestellte Frage ob der Leerverkauf von aus dem Geld liegenden Optionen nicht zu riskant sei, da der Gewinn auf die Prämie begrenzt sei, das Risiko jedoch unbegrenzt ist. Das stimmt in der Tat, weswegen es auch wichtig ist, ein kompromissloses Risikomanagement zu betreiben, welches bedrohliche Verluste verhindert. Wie bereits in meiner gestrigen Kolumne erwähnt, hat es sich bewährt leerverkaufte Optionen dann zurückzukaufen, wenn diese den doppelten Wert erreicht haben.
Der Grund weswegen ich gerne Optionen verkaufe, vor allem solche die sehr weit aus dem Geld liegen, liegt daran, dass ich eine sehr große Gewinnzone habe. Wenn ich beispielsweise Puts in einen starken Aufwärtstrend verkaufe, wie kürzlich beim S&P 500 die zudem über zehn Prozent aus dem Geld liegen mit einer Laufzeit von zwei bis drei Monaten, dann ist die Wahrscheinlichkeit auf meiner Seite, dass ich die komplette Prämie einstecken kann.
Option - Selling ist eine Strategie die unter den meisten Händlern wenig Beachtung findet, aus Gründen die mir nicht erklärbar sind. Wahrscheinlich liegt es vorwiegend daran, dass der Gewinn be- und das Risiko unbegrenzt ist. Allerdings haben Studien mehrerer Börsen und Universitäten gezeigt, dass etwa 75% bis 80% aller Optionen wertlos verfallen und das Geld somit beim Stillhalter (Verkäufer) bleibt. Was jedoch auch gesagt werden muss ist, dass es zwischenzeitlich durchaus zu einer Verdopplung der Prämie kommen kann, noch bevor der Call oder Put ins Geld kommt. Mir persönlich macht so etwas nicht aus, da ich dann die Reißleine ziehe und den Trade schließe. Je nach persönlicher Einstellung kann man natürlich auch den Stop auf die drei-, vier oder zehnfache Prämie setzen.
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