Galeria-Insolvenz, Insolvenzgeld

Galeria-Insolvenzgeld: Beschäftigte könnten erneut Anspruch erhalten

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 12:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Für die rund 12.000 Beschäftigten von Galeria zeichnet sich bei der Frage nach erneutem Insolvenzgeld eine mögliche rechtliche Lösung ab. Entscheidend ist, dass der operative Geschäftsbetrieb inzwischen auf eine andere Gesellschaft übertragen wurde als jene, die sich noch in der Planüberwachung befindet.

Galeria betreibt 83 Warenhäuser und beschäftigt rund 12.000 Menschen. (Archivbild) - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
Galeria betreibt 83 Warenhäuser und beschäftigt rund 12.000 Menschen. (Archivbild) - Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Für die rund 12.000 Beschäftigten der 83 Galeria-Filialen könnten die Chancen auf erneutes Insolvenzgeld besser sein als zunächst angenommen.

Entscheidung der Arbeitsagentur erwartet

Die Bundesagentur für Arbeit will in Kürze entscheiden, ob die Mitarbeiter der Warenhauskette erneut Insolvenzgeld erhalten. Galeria hatte am vergangenen Freitag beim Amtsgericht Düsseldorf einen Insolvenzantrag gestellt – zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren.

Nach der bisherigen Rechtsauffassung vieler Insolvenzrechtsexperten könnte eine erneute Zahlung ausgeschlossen sein. Galeria befindet sich nach der Insolvenz von 2024 weiterhin in der sogenannten Planüberwachung. Zahlungsprobleme in diesem Zeitraum gelten grundsätzlich als Hindernis für weiteres Insolvenzgeld.

Übertragung auf andere Gesellschaft

Eine Besonderheit könnte die rechtliche Bewertung jedoch verändern: Die 2024 insolvent gegangene Galeria Karstadt Kaufhof GmbH besteht zwar weiterhin, die Geschäftstätigkeit wurde danach aber auf die Galeria S.à r.l. & Co. KG übertragen.

Diese Gesellschaft befindet sich nach den Einträgen in den Insolvenzregistern der Amtsgerichte Düsseldorf und Essen nicht in der Planüberwachung. Für die Beschäftigten dieses Unternehmens könnte Insolvenzgeld deshalb formaljuristisch möglich sein.

Vorfinanzierung soll Auszahlung beschleunigen

Der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus hat die Zahlung nach dpa-Informationen beantragt. Das Insolvenzgeld soll über eine Bank vorfinanziert werden, damit die Beschäftigten schneller ihr Geld erhalten.

Die monatlichen Gehaltszahlungen der Galeria-Beschäftigten liegen dem Vernehmen nach derzeit bei knapp 25 Millionen Euro. Insolvenzgeld wird nicht aus Steuern oder Arbeitnehmerbeiträgen finanziert, sondern aus einer Umlage der Arbeitgeber – damit auch von Wettbewerbern der Warenhauskette.

Bereits dreistelliger Millionenbetrag ausgezahlt

Die Bundesagentur für Arbeit rechnet für 2026 mit Ausgaben von insgesamt 1,5 Milliarden Euro für Insolvenzgeld. Im vergangenen Jahr waren es 1,7 Milliarden Euro. An Galeria-Beschäftigte wurden in drei Insolvenzwellen seit 2020 bereits insgesamt mehrere hundert Millionen Euro aus dem Topf ausgezahlt.

Vierte Insolvenz innerhalb weniger Jahre

Der erneute Insolvenzantrag markiert die vierte Sanierungsrunde von Galeria seit 2020. In den vorausgegangenen Verfahren wurde das Filialnetz erheblich verkleinert: Von ehemals deutlich mehr Standorten blieben 83 Warenhäuser mit rund 12.000 Beschäftigten. 2024 stand die Schieflage zudem im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der Signa-Gruppe.

Die aktuelle Lage zeigt, dass finanzielle Entlastungen allein das Geschäftsmodell nicht dauerhaft stabilisiert haben. Seit Monaten standen hohe Kosten, ausbleibende Mietzahlungen und die Rentabilität einzelner Häuser im Mittelpunkt. Im Juni erhielt Galeria eine Finanzierung von bis zu 160 Millionen Euro; zugleich wurden weitere Filialen auf ihre wirtschaftliche Zukunft geprüft.

Folgen für Beschäftigte und Innenstädte

Für die Beschäftigten ist die Entscheidung über das Insolvenzgeld kurzfristig von zentraler Bedeutung. Bei monatlichen Gehaltskosten von knapp 25 Millionen Euro geht es um eine erhebliche Summe, die über eine von Arbeitgebern finanzierte Umlage getragen würde. Sollte die Zahlung bewilligt werden, würde sie zunächst die Einkommen absichern, aber nicht die strukturellen Probleme des Unternehmens lösen.

Für die betroffenen Städte steht mehr auf dem Spiel als die Zukunft einzelner Arbeitsplätze. Warenhäuser gelten vielerorts als Frequenzbringer für Handel und Gastronomie. Schließungen könnten Leerstände verstärken, zugleich eröffnen leer stehende Immobilien Chancen für neue Nutzungen wie Wohnungen, Bildung, Kultur oder gemischte Handelskonzepte.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

FOCUS online: „Experten zu 4. Galeria-Insolvenz: „Es wird Zeit von der Palliativstation ins Ruhebett überzusiedeln“ – 12.000 Mitarbeiter bangen“ (06.10.2026)

Der Bericht ordne die erneute Insolvenz als Folge anhaltender struktureller Probleme ein und verweise auf hohe Kosten, ein schwaches Sortimentsprofil sowie die Konkurrenz durch Onlinehandel und Fachgeschäfte. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich auf die langfristige Tragfähigkeit des Geschäftsmodells und stelle eine Fortführung mit deutlich weniger Standorten als möglich dar.

DER SPIEGEL: „Erneute Insolvenz – Galeria-Miteigentümer kritisiert Management“ (05.10.2026)

Der Artikel bestätige den vierten Insolvenzantrag binnen sechs Jahren und berichte, der Miteigentümer Bernd Beetz halte die Insolvenz grundsätzlich für vermeidbar. Als abweichenden Schwerpunkt stelle der Bericht den Streit über das Management und das Tempo des Umbaus heraus; offen bleibe, ob eine veränderte Führung die wirtschaftlichen Probleme dauerhaft lösen könne.

Beide Beiträge stimmten darin überein, dass der Geschäftsbetrieb zunächst weiterlaufe und die erneute Insolvenz auf länger bestehende Schwierigkeiten folge. Der FOCUS-Bericht betone vor allem die Grenzen des Geschäftsmodells, während der SPIEGEL-Artikel stärker die Verantwortung der Eigentümer und der Geschäftsführung hervorhebe.

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