Zuckersteuer und Plastiksteuer schaffen 1.046 neue Stellen
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Bundesregierung plant für die Einführung einer Zuckersteuer und einer Plastiksteuer insgesamt 1.046 Vollzeitstellen. Das geht laut einem Bericht der „Bild-Zeitung“ aus den entsprechenden Gesetzentwürfen und Berechnungen des Bundesfinanzministeriums hervor.
Plastiksteuer verursacht größten Personalbedarf
Für die Plastiksteuer veranschlagt das Ministerium 788 Stellen beim Zoll, 28 beim bundeseigenen IT-Dienstleister ITZBund und drei im Finanzministerium. Die jährlichen Kosten sollen sich auf 46 Millionen Euro belaufen.
Für die Zuckersteuer sind 200 zusätzliche Vollzeitstellen beim Zoll, 23 beim ITZBund und 3,75 Stellen im Bundesfinanzministerium vorgesehen. Dafür werden jährliche Kosten von 28 Millionen Euro genannt.
Finanzministerium lässt Besetzung offen
Auf Anfrage teilte das Bundesfinanzministerium nicht mit, ob die Stellen durch Neueinstellungen besetzt oder intern abgedeckt werden sollen. Im Haushaltsplan ist vorgesehen, die Zahl der Stellen in der Zollverwaltung im kommenden Jahr insgesamt um 934 zu erhöhen.
Steuerzahlerbund kritisiert Vorhaben
Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel, kritisierte die Pläne scharf. Mehr als 1.000 neue Stellen nur für zwei neue Steuern seien „Bürokratie-Irrsinn mit Ansage“, sagte er der „Bild-Zeitung“.
Statt Ausgaben und Strukturen zu überprüfen, versuche die Bundesregierung erneut, Haushaltslöcher mit neuen Steuern zu schließen, erklärte Holznagel. Das sei der falsche Weg.
Die geplanten Abgaben würden nicht nur Unternehmen und Verbraucher finanziell betreffen, sondern auch die staatliche Verwaltung deutlich erweitern. Nach den Angaben aus den Gesetzentwürfen entfällt der größte Teil des zusätzlichen Personalbedarfs auf den Zoll. Das liegt daran, dass neue steuerliche Pflichten kontrolliert, Anmeldungen verarbeitet und Einnahmen überwacht werden müssten.
Bei der Plastiksteuer steht die Finanzierung von Entsorgungs- und Umweltfolgen im Mittelpunkt. Die Zuckersteuer zielt zugleich auf den Konsum zuckerhaltiger Produkte und damit auf gesundheitspolitische Effekte. Solche Lenkungssteuern können Verhalten beeinflussen, erhöhen aber den Aufwand für Unternehmen und Behörden, insbesondere wenn Bemessungsgrundlagen, Ausnahmen und Kontrollverfahren neu geregelt werden.
Finanzielle und politische Bedeutung
Die in den Entwürfen genannten jährlichen Kosten von zusammen 74 Millionen Euro stehen dem erwarteten Steueraufkommen und den politischen Zielen der Maßnahmen gegenüber. Für die Bürger dürfte entscheidend sein, ob Unternehmen die Abgaben vollständig weitergeben und wie stark sich Preise für bestimmte Produkte oder Verpackungen verändern.
Politisch verschärft der Personalbedarf die Debatte über Bürokratie und Haushaltsdisziplin. Die im Haushaltsplan vorgesehene Aufstockung der Zollverwaltung um 934 Stellen im kommenden Jahr würde einen erheblichen Teil des zusätzlichen Bedarfs abdecken. Offen bleibt, wie viele Beschäftigte tatsächlich neu eingestellt und wie viele Aufgaben intern verteilt werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: „Berichte Schwarz-rote Koalition plant neue Plastiksteuer“ (05.10.2026)
Der Deutschlandfunk berichtet über die geplante Plastiksteuer und hebt hervor, dass Plastikverpackungen für Unternehmen teurer werden sollen. Der Beitrag bestätigt damit den politischen Kern der Meldung, nennt jedoch keine Details zum zusätzlichen Personalbedarf und setzt den Schwerpunkt auf die Belastung der Unternehmen.
ZDFheute: „Update am Morgen: Merz' Führungskraft auch in Berlin gefragt“ (05.10.2026)
ZDFheute ordnet die Zuckersteuer in die Spannungen innerhalb der schwarz-roten Koalition und in die bevorstehenden Haushaltsberatungen ein. Anders als die dts-Meldung stehen dort die politischen Konflikte im Vordergrund; der konkrete Stellenbedarf von mehr als 1.000 Vollzeitstellen wird nicht ausgeführt.
Übereinstimmend wird die Zucker- und Plastiksteuer als politisch umstrittenes Vorhaben behandelt. Unterschiede bestehen vor allem beim Schwerpunkt: Während die dts-Meldung die Verwaltungskosten und den Personalbedarf herausstellt, konzentrieren sich die anderen Beiträge auf Preiswirkungen und den Koalitionsstreit.
