Führungskräfte: Deutschland liegt mit 4,4 Prozent unter EU-Schnitt
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 08:20 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSVerdienste und Branchenwerte im Vergleich
- 2025 hatten 4,4 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland eine Führungsposition inne.
- Im Gastgewerbe lag der Anteil bei 11,5 Prozent, im Gesundheits- und Sozialwesen bei 1,8 Prozent.
- Vollzeitbeschäftigte Führungskräfte erzielten im April 2025 einen Medianverdienst von 7.024 Euro brutto.
Führungspositionen in Deutschland und der EU
2025 waren 4,4 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland in einer Führungsposition tätig, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Das entsprach 1,9 Millionen Führungskräften und lag unter dem EU-Anteil von 5,4 Prozent.
Anteil binnen zehn Jahren leicht gesunken
2015 hatte der Anteil in Deutschland noch 4,5 Prozent betragen. Als Führungspositionen gelten unter anderem die Geschäftsführung kleiner Unternehmen sowie Geschäftsführungs-, Bereichsleitungs- und leitende Verwaltungsaufgaben.
Gastgewerbe liegt an der Spitze
Den höchsten Anteil verzeichnete das Gastgewerbe mit 11,5 Prozent. Es folgten das Grundstücks- und Wohnungswesen mit 7,6 Prozent sowie Information und Kommunikation mit 7,4 Prozent.
Im Baugewerbe sowie im Handel und bei der Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen lag der Anteil bei 5,4 Prozent. Im Verarbeitenden Gewerbe, der beschäftigungsreichsten Branche, waren 5,2 Prozent der Erwerbstätigen Führungskräfte.
Niedrige Werte in sozialen Bereichen
Am niedrigsten war der Anteil im Gesundheits- und Sozialwesen mit 1,8 Prozent. In der öffentlichen Verwaltung lag er bei 2,2 Prozent, in Erziehung und Unterricht bei 2,3 Prozent.
Deutliche Unterschiede bei den Verdiensten
Eine vollzeitbeschäftigte Führungskraft erzielte im April 2025 einen Median-Bruttomonatsverdienst von 7.024 Euro ohne Sonderzahlungen. Der Median aller Vollzeitbeschäftigten lag bei 4.123 Euro.
Frauen in Führungspositionen kamen auf 5.806 Euro, Männer auf 7.451 Euro. EU-weit stieg der Anteil der Führungskräfte binnen zehn Jahren von 5,2 auf 5,4 Prozent; 2025 lagen Malta mit 11,4 Prozent, Lettland mit 10,1 Prozent und Litauen mit 9,9 Prozent vorn.
Die Zahlen zeigen, dass Führungspositionen in Deutschland gemessen an allen Erwerbstätigen relativ selten sind. Der Abstand zum EU-Durchschnitt beträgt einen Prozentpunkt und besteht trotz unterschiedlicher Wirtschaftsstrukturen, Betriebsgrößen und nationaler Arbeitsmarktmodelle.
Die Branchenwerte verdeutlichen, dass der Anteil nicht allein von der Größe oder Bedeutung eines Wirtschaftszweigs abhängt. Im Gastgewerbe können viele kleine Betriebe mit wenigen Beschäftigten rechnerisch zu einem hohen Anteil von Führungskräften führen, während große Organisationen im Gesundheitswesen, in der Verwaltung und im Bildungsbereich zahlreiche Beschäftigte auf wenige Leitungsstellen verteilen.
Verdienstabstand bleibt deutlich
Führung geht in Deutschland mit einem erheblichen Einkommensvorsprung gegenüber dem Median aller Vollzeitbeschäftigten einher. Zugleich zeigt der Unterschied zwischen Frauen und Männern in vergleichbaren Führungspositionen, dass der Zugang zu Leitungsaufgaben und die Bezahlung in diesen Funktionen getrennt betrachtet werden müssen.
Für Beschäftigte bedeutet der Befund: Der allgemeine Anteil von Führungskräften sagt wenig über die Aufstiegschancen in einzelnen Berufen oder Branchen aus. Entscheidend sind unter anderem Unternehmensstruktur, Tätigkeitsfeld und Geschlecht. Die EU-Vergleichswerte liefern deshalb vor allem einen strukturellen Maßstab, ersetzen aber keine Analyse der konkreten Karrierewege in Deutschland.
