Führungskräfte-Arbeitslosigkeit, Anstieg

Führungskräfte-Arbeitslosigkeit: Anstieg um 14 Prozent in einem Jahr

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 16:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Zahl der arbeitslosen Manager in Deutschland steigt rasant. Besonders die Industrie baut Stellen ab, während die Rüstungsbranche neue Chancen bietet.

Deutscher Arbeitsmarkt: Immer mehr Führungskräfte werden arbeitslos
Ein nachdenklicher Manager blickt aus einem Bürofenster auf eine verschwommene Stadtlandschaft bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Besonders die Industrie baut massiv Stellen ab – und viele Manager müssen drastische Gehaltseinbußen hinnehmen.

Vom Vorstand zum Jobsuchenden

Hinter der Statistik stecken persönliche Schicksale. Der ehemalige Finanzvorstand Lukas Meier verdiente einst 400.000 Euro im Jahr – seit Ende 2024 sucht er vergeblich eine neue Anstellung. Noch härter traf es die IT-Führungskraft Franka Gruber: Nach einem Jahresgehalt von 150.000 Euro landete sie schließlich im Junior-IT-Support.

Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gehen monatlich rund 15.000 Industriearbeitsplätze verloren. Der Berufsverband „Die Führungskräfte“ (DFK) führte 2025 etwa 2000 Beratungen durch – und rechnet mit weiter steigenden Zahlen.

Die undurchlässigen Chefetagen

Wer oben ist, bleibt oben – zumindest im Dax-40. Fast zwei Drittel der Vorstandsposten wurden Ende 2025 intern besetzt. Personalberater kritisieren diese „Kaminkarriere“: Loyalität zähle oft mehr als Leistung. Für externe Bewerber wird der Sprung in die Spitzenpositionen so zur Geduldsprobe.

Rüstungsindustrie als Rettungsanker

Einen Lichtblick bietet die Wehrtechnik. Seit 2022 haben sich die Aufträge in der Branche um zwei Drittel erhöht. KNDS stellte 2025 knapp 100 Führungskräfte ein, Hensoldt sucht 2026 insgesamt 1600 neue Mitarbeiter – davon 60 in Leitungsfunktionen. Rheinmetall plant weltweit 5000 neue Stellen.

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Die Gehälter locken: Team- und Abteilungsleiter verdienen rund 120.000 Euro, Bereichsleiter zwischen 140.000 und 180.000 Euro. Für Manager aus der kriselnden Autoindustrie gilt die Rüstungsbranche als attraktive Option.

KI als Entlassungsvorwand?

Doch nicht nur die Konjunktur setzt Manager unter Druck. Eine Bitkom-Umfrage unter 850 Unternehmen zeigt: 27 Prozent rechnen mit Stellenabbau durch Künstliche Intelligenz. Branchenbeobachter vermuten jedoch, dass KI oft als Vorwand für ohnehin geplante Entlassungen dient.

Noch perfider: Experten warnen vor der „verdeckten Entmachtung“. Unternehmen versuchen demnach, Führungskräfte mit subtilen Methoden zur Kündigung zu treiben – und so hohe Abfindungen zu sparen. Warnsignale sind Entscheidungen über den Kopf der Manager hinweg oder der Entzug von Budgetverantwortung.

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