Friseurbranche Österreich: Lehrlinge um 57% gesunken, Steuern gefordert
04.06.2026 - 14:31:01 | boerse-global.de
Branchenvertreter verlangen eine Mehrwertsteuerreduktion auf zehn Prozent und langfristige Finanzierung der Lehrlingsausbildung.
Dramatischer Einbruch bei Lehrlingen
„Die Situation ist ernst“, erklärte Wolfgang Eder, Innungsmeister der Friseure, bei einer Pressekonferenz in Wien. Seit 2010 ist die Zahl der Lehrlinge um 57 Prozent eingebrochen – nur noch 2203 junge Menschen befinden sich derzeit in Ausbildung. Weniger als zehn Prozent aller Salons bilden überhaupt noch aus.
Die Branche hat sich radikal verändert: Während die Zahl der Betriebe seit 2010 um 47 Prozent auf 10.415 gestiegen ist, sank die Zahl der Beschäftigten um ein Viertel auf 15.534. Immer mehr Friseure arbeiten als Ein-Personen-Unternehmen, die mittlerweile 57,8 Prozent des Marktes ausmachen.
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Hohe Steuerlast drückt auf die Stimmung
Rund 60 Prozent der Friseurbetriebe sehen Steuern und Abgaben als größtes Problem. Die Lohnkosten verschlingen mehr als 85 Prozent der Gesamtausgaben – das lässt kaum Spielraum für Investitionen.
Die wirtschaftliche Entwicklung gibt Anlass zur Sorge: 2025 verzeichnete die Branche einen realen Umsatzrückgang von 3,4 Prozent. Im ersten Quartal 2026 setzte sich der Abwärtstrend fort – ein Drittel der Betriebe meldete weitere Umsatzeinbußen.
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Inflation bleibt hartnäckig hoch
Der Druck auf die Branche wächst auch durch die gesamtwirtschaftliche Lage. Die Inflation in Österreich lag im Mai 2026 bei 3,7 Prozent – deutlich höher als in Deutschland, Frankreich oder Italien. Gleichzeitig kühlt der Arbeitsmarkt ab: Im ersten Quartal stieg die Zahl der Arbeitssuchenden auf 301.900, die Arbeitslosenquote kletterte auf 6,3 Prozent.
Steuerpolitische Weichenstellungen
Die Forderungen der Friseure fallen in eine Zeit intensiver steuerpolitischer Debatten. Eine große Einkommensteuerreform zur Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen ist für den 1. Januar 2027 geplant. Die Kosten solcher Reformen werden auf 20 bis 30 Milliarden Euro jährlich geschätzt.
Während die Friseurbranche auf Entlastung bei Lohnkosten und Mehrwertsteuer drängt, fordern andere Organisationen wie das DIW und der DGB die Einführung einer Vermögensteuer zur Gegenfinanzierung. Für die Salons bleibt die Kernfrage: Wie sollen sie bei explodierenden Kosten und schrumpfenden Margen die nächste Generation ausbilden?
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