Fraunhofer-Reinigungsroboter: Wasserbedarf sinkt von 960 auf 480 Liter
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In hygienekritischen Produktionsumgebungen wie der Lebensmittel-, Kosmetik- und Pharmaindustrie steigen die Anforderungen an Anlagensicherheit und Hygiene stetig. Fachberichte beleuchten aktuell die wachsende Bedeutung von IP69K-zertifizierter Antriebstechnik sowie automatisierter und ressourcenschonender Reinigungsverfahren, um strenge behördliche Auflagen dauerhaft zu erfüllen und Kontaminationsrisiken zu minimieren.
Robuste Antriebs- und Steuerungstechnik für Hochdruckreinigung
Regelmäßige Heißwasser- und Hochdruckreinigungen stellen erhebliche Belastungen für Maschinenkomponenten dar. Wie Branchenberichte zeigen, reagieren Hersteller mit speziell gekapselten Komponenten auf diese Herausforderungen.
Das Detmolder Unternehmen MSF-VATHAUER bietet mit seiner Hygienics-Linie Edelstahlgetriebemotoren aus den Werkstoffen AISI 304 und AISI 316L sowie Edelstahl-Frequenzumrichter an, die eine Schutzart von bis zu IP69K erreichen.
Die Systeme sind für Fördertechnik, Abfüllanlagen und die Fleisch- oder Milchverarbeitung ausgelegt und lassen sich vorkonfiguriert sowohl in Neuanlagen als auch im Rahmen von Modernisierungen bestehender Antriebe integrieren.
Auch bei der Bedien- und Visualisierungstechnik setzt sich der Schutzstandard durch. Die ICO Innovative Computer GmbH aus Diez führt mit dem Custom Hygrolion WP3 einen lüfterlosen Edelstahl-Panel-PC, der vollständig nach IP69K geschützt ist.
Das Gerät verfügt über Displays in Größen von 15,6, 21,5 und 23,8 Zoll mit kapazitivem Multitouch sowie 16 GB RAM und eine 256 GB M.2 SSD. Als Prozessoren stehen je nach Rechenanforderung ein Intel Celeron J6412 oder ein Intel Core i5–1235U zur Verfügung.
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Ressourcenschonende Reinigung und mobile Automatisierung
Neben robuster Hardware gewinnen Methoden zur Standardisierung der betrieblichen Reinigung an Bedeutung. Kärcher adressiert fettbelastete Bereiche in Lebensmittelbetrieben mit dem mobilen Kaltwasser-Hochdruckreiniger HD 8/12–4 MX Food.
Das Gerät verarbeitet bis zu 80 °C heißes Zulaufwasser direkt aus der Leitung und ermöglicht dadurch eine abgasfreie thermische Fettlösung. Bei einem Arbeitsdruck von 120 bar und einer Durchflussmenge von 800 l/h regelt eine Lanzensteuerung Druck und Wassermenge direkt im Betrieb.
Einen Schritt weiter in Richtung Automatisierung geht das Fraunhofer IVV mit dem mobilen Reinigungsroboter Exo-MCD. In einem dreitägigen Piloteinsatz in einem geflügelverarbeitenden Betrieb auf einer Fläche von acht mal drei Metern halbierte der Roboter nach einer Bahnoptimierung den Wasserbedarf von rund 960 Litern bei manueller Reinigung auf knapp 480 Liter bei einer Reinigungszeit von 72 Minuten.
Nach den Einsätzen lagen die ATP-Hygienewerte unter dem Grenzwert von 500 relativen Lichteinheiten. Bei Anschaffungskosten von rund 120 000 Euro kalkulieren die Forscher bei 250 Betriebstagen und einer sechsstündigen Schicht mit einer Amortisationszeit von unter zwei Jahren, da 1,25 Vollzeitäquivalente entlastet werden.
Die korrekte Durchführung von Hygienemaßnahmen erfordert eine fundierte Einweisung der Verantwortlichen und Mitarbeiter. Diese praxiserprobte Anleitung mit Muster-Vorlagen hilft Ihnen, Infektionsschutz im Betrieb verständlich und dokumentationssicher zu vermitteln. Kostenlose Anleitung zur Hygieneunterweisung sichern
Risikominimierung im Wassermanagement
Ergänzend zu mechanischen Verfahren rücken Prozesswasser und Desinfektion in den Fokus. Die Arbeitsgruppe Wassermanagement der European Hygienic Engineering & Design Group (EHEDG) thematisierte auf ihrem Kongress in Wien die Gefahren durch Biofilme, die als Reservoir für Listerien oder Salmonellen dienen können. Betreiber stehen gemäß Verordnung (EG) Nr. 852/2004 ab dem Übergabepunkt in der Pflicht, Verunreinigungen auszuschließen.
Neue Wege der Keimreduktion erprobt die österreichische BioTech Aqua Solution GmbH. Deren System BLUE SurfaceCleaner, das Ende September 2026 am Bildungscampus Pannonia in eine Teststellung ging, erzeugt mittels Diamantelektroden aus Wasser und Salz ein Desinfektionsmittel. In Laborprüfungen erzielte das Verfahren eine Reduktion von Krankheitserregern um bis zu 99,9999 Prozent bei Herstellungskosten von unter einem Euro pro Liter.

