Frauengesundheit, Leitlinien

Frauengesundheit: 87% der Ärzte fordern mehr geschlechtsspezifische Leitlinien

29.05.2026 - 06:19:13 | boerse-global.de

Neue politische Initiativen zielen auf geschlechtersensible Medizin und bessere Unterstützung für Frauen in den Wechseljahren ab.

Frauengesundheit: 87% der Ärzte fordern mehr geschlechtsspezifische Leitlinien - Foto: über boerse-global.de
Frauengesundheit: 87% der Ärzte fordern mehr geschlechtsspezifische Leitlinien - Foto: über boerse-global.de

Am 28. Mai haben Vertreter aus Politik, Gewerkschaften und Gesundheitswesen eine Neuausrichtung der medizinischen Versorgung gefordert. Im Zentrum: biologische Geschlechterunterschiede und mehr Unterstützung für Arbeitnehmerinnen in den Wechseljahren.

Forschung und Lehre: Die männliche Norm soll fallen

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Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) und Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) sprechen sich für eine stärkere Beachtung medizinischer Belange von Frauen aus. Warken kritisiert, dass Forschung und Medikamententests in der Vergangenheit überwiegend an Männern orientiert waren. Die Folge: verspätete Diagnosen und Dosierungsfehler bei Frauen.

Bär ergänzt, Frauengesundheit sei ein Schwerpunkt der aktuellen Forschungsförderung. Der Handlungsbedarf ist enorm: Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der AOK wünschen sich 87 Prozent der Mediziner mehr geschlechtsspezifische Aspekte in den Leitlinien. Die Defizite beginnen im Studium – 32 Prozent der Ärzte hatten dort keine entsprechenden Inhalte, 67 Prozent keine Fortbildung dazu.

Arbeitsmarkt: Frauen fehlen anders

Die Relevanz einer geschlechtersensiblen Betrachtung zeigen aktuelle Daten des BKK Dachverbands. Der Gesundheitsreport 2025 belegt signifikante Unterschiede: Frauen weisen 50 Prozent mehr Fehltage wegen psychischer Erkrankungen auf als Männer (475 gegenüber 312 Ausfalltagen pro 100 Beschäftigte). Männer fehlen häufiger wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen.

BKK-Vorständin Anne-Kathrin Klemm betont: Das Geschlecht beeinflusst Entstehung, Diagnose und Behandlung vieler Erkrankungen maßgeblich. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) und der VdK Hessen-Thüringen mahnen eine Abkehr vom männlichen Körper als medizinische Norm an. SoVD-Vorstandsvorsitzender Dirk Swinke warnt vor „Medical Gaslighting“ – wenn Beschwerden von Frauen nicht ernst genommen oder vorschnell als psychosomatisch abgetan werden.

Menopause: Betriebliches Gesundheitsmanagement gefordert

Ein weiterer Schwerpunkt: der Arbeitnehmerinnenschutz während der Wechseljahre. ÖGB-Bundesfrauensekretärin Dorottya Kickinger weist darauf hin, dass zwei Drittel der Frauen unter Wechseljahresbeschwerden leiden. Die Gewerkschaft fordert mehr Sensibilisierung am Arbeitsplatz, bessere arbeitsmedizinische Betreuung und flexiblere Arbeitsbedingungen.

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In Wien wird an der strukturellen Versorgung gearbeitet. Bis 2030 sollen im Rahmen eines regionalen Strukturplans neun neue Frauengesundheitszentren entstehen. Neben der Enttabuisierung von Endometriose und Menstruationsgesundheit steht dort auch die medizinische Begleitung der Wechseljahre im Fokus.

Neue Erkenntnisse aus der Forschung

Parallel zu den politischen Forderungen wurden neue Studienergebnisse veröffentlicht. Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) legt Daten vor: Die Menopause hat keinen grundsätzlich negativen Einfluss auf Schubhäufigkeit oder Behinderungsentwicklung bei MS-Patientinnen. Eine Analyse von 132 Studien bestätigt jedoch, dass Rauchen das MS-Risiko um fast 50 Prozent erhöht.

Auch in der Stoffwechselforschung gibt es neue Ansätze. Ergebnisse der „Prediabetes Lifestyle Intervention Study“, vorgestellt auf dem Diabeteskongress 2026, deuten darauf hin: Die Rückbildung eines Prädiabetes verläuft bei Frauen und Männern über unterschiedliche Stoffwechselmechanismen. Präventions- und Therapieansätze müssen künftig noch stärker an geschlechtsspezifischen Profilen ausgerichtet werden.

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