Frankreichwahl, Mitte-Lager

Frankreichwahl: Mitte-Lager ringt um Kandidatenkür

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 11:11 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Frankreichs Mitte-Lager streitet über die Auswahl eines gemeinsamen Kandidaten, der es bei der kommenden Präsidentschaftswahl mit der Rechtsnationalen Marine Le Pen aufnehmen könnte.

Ex-Premier Gabriel Attal fordert eine parteiübergreifende Abstimmung. "Wir brauchen diesen Zusammenschluss", sagte er im Sender TF1. Ein Vorentscheid sei unausweichlich. Je früher er stattfinde, desto besser.

Édouard Philippe, ebenfalls früherer Premierminister und Bewerber auf das höchste Staatsamt, lehnt dies aber ab. Ein solches gemeinsames Vorgehen wäre verwirrend, sagte er im Sender TF1. Die bisherigen Kandidaten aus dem Mitte-Lager und der bürgerlichen Rechten stünden für ganz unterschiedliche Dinge. Attal hielt dagegen, man teile grundlegende Werte. Und fügte hinzu: "Die Katastrophe einer zweiten Runde zwischen Jean-Luc Mélenchon und Marine Le Pen wäre deutlich schlimmer als die Unterschiede, die es zwischen mir und anderen Kandidaten geben kann."

Le Pen führt Umfragen an

Aktuelle Umfragen sehen in der ersten Wahlrunde klar die Rechtspopulistin Le Pen vorne - je nach Institut und Kandidatenkonstellation kommt sie in den Befragungen auf 32 bis 38 Prozent. An zweiter Stelle rangiert der Altlinke Mélenchon mit 15 bis 20 Prozent. Die Kandidaten aus der Mitte und der bürgerlichen Rechten verloren in den vergangenen Monaten quasi allesamt an Zuspruch. Philippe schneidet mit bis zu 16 Prozent noch am besten ab. Auf einen ähnlichen Wert kommt auch der Sozialdemokrat Raphaël Glucksmann. Gewählt wird in zwei Wahlrunden im kommenden April und Mai.

Freiwilliger Rückzug statt gemeinsamer Kandidatenkür?

Die Idee eines gemeinsamen Kandidaten von der Macron-Partei Renaissance bis zu den Konservativen steht schon seit längerer Zeit im Raum. Viel Zuspruch gab es für sie aber nicht, bevor Renaissance-Chef Attal sich hinter sie stellte. Auch Bruno Retailleau, Vorsitzender der Konservativen, sagte nun, er schließe eine Wahl eines gemeinsamen Kandidaten nicht grundsätzlich aus. Bedingung sei für ihn aber, dass auch wirklich alle Bewerber aus dem Mitte-Rechts-Lager teilnähmen.

Dass alle potenziellen Kandidaten aus dem Lager tatsächlich zur Präsidentschaftswahl antreten werden, gilt aus taktischen Gründen ohnehin als unwahrscheinlich. Ein Vorentscheid könnte bereits jetzt Klarheit bringen. Philippe plädierte im Sender TF1 für einen anderen Weg. "Im Februar wird jeder Verantwortung übernehmen", sagte er. "Wenn die Franzosen entschieden etwas anderes wollen, werde ich daraus die Konsequenzen ziehen", sagte er und deutete damit an, sich im Zweifel aus dem Rennen um die Nachfolge von Emmanuel Macron zugunsten eines anderen Kandidaten zurückzuziehen.

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