Frankfurt führt erstmals Dynamikranking der Großstädte an
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFrankfurt und München im Städtevergleich
- Frankfurt führt erstmals das Dynamikranking unter 71 Großstädten an.
- Mainz fällt nach dem Vorjahressieg auf Rang zehn zurück.
- München liegt bei Wirtschaftskraft und künstlicher Intelligenz vorn.
Frankfurt führt Dynamikranking der Großstädte an
Frankfurt am Main ist laut einem neuen Städteranking die dynamischste Großstadt Deutschlands. Die Finanzmetropole übernimmt erstmals Platz eins unter 71 untersuchten Städten und löst den Vorjahressieger Mainz ab.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt treiben Frankfurt
Die Analyse von IW Consult im Auftrag der Wirtschaftswoche und des Online-Portals ImmoScout24 untersucht, wie sich die Städte binnen fünf Jahren entwickelt haben. Frankfurt erreicht bei der Wirtschaft Rang eins und beim Arbeitsmarkt Rang drei.
In keiner der untersuchten Großstädte wuchs das kommunale Steueraufkommen von 2020 bis 2025 stärker. Zur Entwicklung tragen neben der Finanzbranche auch Digitalwirtschaft, Chemieindustrie und der internationale Flughafen bei.
Mainz fällt auf Rang zehn
Mainz, das im Vorjahr an der Spitze gelegen hatte, kommt nun auf Platz zehn. Auf Frankfurt folgen im Dynamikranking Düsseldorf, Berlin und München. Die letzten Plätze belegen Salzgitter, Chemnitz und Wolfsburg.
München bleibt bei Wirtschaftskraft vorn
Im Niveauranking zur aktuellen Wirtschaftskraft liegt München erneut auf Platz eins. Die bayerische Landeshauptstadt erreicht bei Arbeitsmarkt, Immobilienmarkt und Lebensqualität jeweils Rang eins und bei der Wirtschaft Rang zwei.
Der Spitzenplatz hat für die Bewohner auch Nachteile: In München sind Mieten und Immobilienpreise am höchsten. Zudem verlieren die Menschen dort durch Staus besonders viel Zeit.
71 Städte und mehr als 50.000 Datenpunkte
Für das jährliche Ranking wurden kreisfreie Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern verglichen. In die Auswertung flossen mehr als 100 Indikatoren und über 50.000 Datenpunkte aus den Bereichen Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt, Immobilien, Lebensqualität und Nachhaltigkeit ein.
München führt den KI-Index an
Auch in einem Zusatzindex zur künstlichen Intelligenz liegt München vorn. Die Stadt verfügt dem Ranking zufolge über das stärkste KI-Ökosystem und erreicht Spitzenwerte bei der Dichte von KI-Start-ups, bei Stellenanzeigen mit KI-Bezug sowie bei Digitalisierungspatenten und digitalen Vorreiterunternehmen.
Im Niveauranking folgen auf München Frankfurt, Stuttgart und Ingolstadt. Frankfurt verbessert sich dabei von Rang vier auf Rang zwei; am Ende stehen Duisburg, Bremerhaven und Gelsenkirchen.
Das Städteranking trennt zwei Entwicklungen, die in wachsenden deutschen Großstädten häufig auseinanderfallen: Frankfurt erreicht bei der Dynamik den Spitzenplatz, während München seine führende Position bei der aktuellen Wirtschaftskraft behauptet. Bewertet werden damit nicht allein absolute Größe oder Wohlstand, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der sich eine Stadt bei Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Immobilien, Lebensqualität und Nachhaltigkeit verändert.
Frankfurts Aufstieg verweist auf die breite wirtschaftliche Basis der Stadt. Neben dem Finanzsektor tragen Digitalwirtschaft, Chemieindustrie und der internationale Flughafen zur Entwicklung bei. Besonders aussagekräftig ist das stark gestiegene kommunale Steueraufkommen zwischen 2020 und 2025, weil es die wirtschaftliche Entwicklung mit der finanziellen Handlungsfähigkeit der Kommune verbindet.
Wirtschaftskraft und Wohnkosten
München zeigt dagegen die Kehrseite eines besonders hohen Niveaus. Spitzenwerte bei Arbeitsmarkt, Immobilienmarkt und Lebensqualität gehen mit den bundesweit höchsten Mieten und Immobilienpreisen einher. Hohe Einkommen und die Attraktivität des Standorts verstärken die Nachfrage nach Wohnraum; Verkehrsbelastungen erhöhen zugleich den Zeitaufwand im Alltag.
Der KI-Index setzt einen zusätzlichen Schwerpunkt. München verfügt dem Ranking zufolge über das stärkste Ökosystem für künstliche Intelligenz, unter anderem bei Start-ups, Stellenangeboten, Patenten und digitalen Vorreiterunternehmen. Für Städte wird damit neben klassischer Wirtschaftskraft zunehmend entscheidend, ob sie Fachkräfte, Forschung, Gründungen und Investitionen in Zukunftstechnologien bündeln können.
Was das Ranking sichtbar macht
Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet ein Spitzenplatz bei der Dynamik nicht automatisch niedrige Kosten oder eine bessere Lebensqualität. Das Ergebnis beschreibt vor allem Entwicklungschancen und Standortstärke. Die Ranglisten machen deshalb sichtbar, dass wirtschaftliches Wachstum, bezahlbares Wohnen, Verkehr und technologische Zukunftsfähigkeit unterschiedliche politische Aufgaben bleiben.
