Frachtschiff „Terra 2“ verlässt Düsseldorfer Hafen nach Sandbank-Malheur
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 12:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas mit Mercedes-Sprintern beladene Frachtschiff „Terra 2“ hat nach fünf Tagen Verzögerung den Düsseldorfer Hafen verlassen und fährt auf dem Rhein nach Rotterdam.
Fahrt Richtung Rotterdam
„Das Schiff ist auf dem Rhein und fährt jetzt bis nach Rotterdam“, sagte ein Sprecher des Logistikunternehmens Mosolf der dpa. Nach Angaben der Webseite Marine Traffic erreichte das Schiff wenig später mit knapp zehn Knoten, umgerechnet rund 18 Kilometer pro Stunde, Duisburg.
Die „Terra 2“ ist 135 Meter lang. Sie war am Montag wegen des niedrigen Wasserstands auf eine Sandbank am Ende eines Hafenbeckens aufgefahren und zunächst nicht aus eigener Kraft freigekommen.
Schlepper kamen nicht zum Einsatz
Versuche, das Schiff mit einer Ankerwinde und durch Gewichtsverlagerungen zu befreien, blieben erfolglos. Schlepper durften nach Angaben der dpa nicht eingesetzt werden. Einen Tag später drückte ein anderes Frachtschiff die „Terra 2“ bei seiner eigenen Ausfahrt von der Sandbank.
Das Schiff fuhr anschließend zurück ins Hafenbecken. Ein Teil der Ladung wurde entladen, um den Tiefgang zu verringern. Nachdem die Pegelstände in den vergangenen Tagen zumindest etwas gestiegen waren, erhielt die „Terra 2“ die Erlaubnis zur Ausfahrt.
Streit über die Ursache
Nach dem Vorfall nahm die Hafenverwaltung an, der Kapitän habe Gewicht und Tiefgang falsch eingeschätzt. Mosolf widersprach dieser Darstellung und kritisierte, der Hafen sei nicht ausreichend ausgebaggert worden. Das Wasser sei deshalb zu flach gewesen.
Der für die Dispositionsleitung zuständige Mosolf-Manager Jürgen Richter sagte der dpa, die 160 an Bord befindlichen Sprinter hätten lediglich rund 390 Tonnen gewogen. Die zulässige Nutzlast des Frachtschiffs liege bei 3500 Tonnen. Für 190 Sprinter wäre Platz gewesen, die Ladungsmenge sei also bereits reduziert worden.
Rheinpegel bleibt niedrig
Nach der Bergung wurden weitere 50 Sprinter entladen. Am Samstagmorgen lag der Pegelstand in Düsseldorf bei minus einem Zentimeter; am Montag waren es noch minus neun Zentimeter gewesen.
Eine deutliche Entspannung wird zunächst nicht erwartet. Nach einem Regentag prognostizieren Meteorologen überwiegend trockene Tage.
Niedrigwasser bremst die Logistik
Die Fahrt der Terra 2 zeigt, wie empfindlich die Binnenschifffahrt auf geringe Wassertiefen reagiert. Selbst ein Schiff, dessen Ladung deutlich unter der zulässigen Nutzlast liegt, kann an einer flachen Stelle im Hafen oder in der Fahrrinne vorübergehend blockiert werden. Für Verlader bedeutet das zusätzliche Rangier-, Entlade- und Wartezeiten.
Die Einschränkungen betreffen nicht nur einzelne Schiffe. Bei Kaub lag der Rheinpegel am 2. Oktober bei minus sechs Zentimetern; für die folgenden Tage wurde lediglich eine Annäherung an den Nullpunkt erwartet. Auf besonders betroffenen Abschnitten fahren nach Verbandsangaben nur noch vereinzelt Güterschiffe, viele andere müssen ihre Ladung reduzieren.
Folgen für Unternehmen und Verbraucher
Der Rhein verbindet wichtige Industrie- und Hafenstandorte mit Rotterdam. Wenn Schiffe weniger laden können oder Transporte ausfallen, steigen zunächst die Logistikkosten und verlängern sich Lieferzeiten. Betroffen sein können unter anderem Fahrzeuge, Baustoffe, Treibstoffe und weitere Massengüter.
Eine kurzfristige Wetteränderung reicht für eine nachhaltige Entspannung nicht aus: Regen muss im gesamten Einzugsgebiet fallen und über längere Zeit anhalten, damit die Pegel deutlich steigen. EU-Klimadaten weisen zugleich auf außergewöhnlich geringe sommerliche Abflussmengen in mehreren europäischen Flüssen hin. Das erhöht den Druck auf die planbare Nutzung der Wasserstraßen auch über den konkreten Vorfall hinaus.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: „Binnenschifffahrt – Weiterhin negative Pegelwerte für den Rhein bei Kaub“ (02.10.2026)
Der Bericht bestätige die anhaltenden Schwierigkeiten der Binnenschifffahrt durch niedrige Pegelstände und hebe hervor, dass Schiffe vielerorts mit deutlich weniger Ladung unterwegs seien. Anders als die Meldung über die Terra 2 richte er den Schwerpunkt auf die überregionale Lage am Rhein, die Entwicklung am Pegel Kaub und die eingeschränkte Verbindung zwischen Mittel- und Oberrhein sowie den großen Häfen.
Der Artikel ordne die Niedrigwasserlage in einen europäischen Zusammenhang ein und berichte, die mittleren Abflussmengen großer Flüsse hätten im Sommer den niedrigsten Stand seit Beginn der EU-Aufzeichnungen im Jahr 1992 erreicht. Er bestätige damit den strukturellen Hintergrund der aktuellen Behinderungen, behandle aber nicht den konkreten Hafenunfall und setze den Schwerpunkt auf die Folgen für Wasserverfügbarkeit, Energieversorgung und weitere Bereiche.
Beide Berichte stimmten darin überein, dass die niedrigen Wasserstände die Schifffahrt erheblich belasteten. Unterschiede ergäben sich bei der Perspektive: Während der Deutschlandfunk die aktuelle Verkehrslage am Rhein beschreibe, ordne der SPIEGEL sie in die europäische Dürre- und Klimabilanz ein.
