Frachtschiff Terra 2 verlässt Düsseldorfer Hafen nach Sandbank-Malheur
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 10:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas wegen des Niedrigwassers auf einer Sandbank festgesessene Frachtschiff Terra 2 hat den Düsseldorfer Hafen nach fünf Tagen Verzögerung verlassen und fährt auf dem Rhein nach Rotterdam.
Frachter erreicht den Rhein
„Das Schiff ist auf dem Rhein und fährt jetzt bis nach Rotterdam“, sagte ein Sprecher des Logistikunternehmens Mosolf. An Bord befinden sich Mercedes-Sprinter aus dem Düsseldorfer Transporter-Werk.
Das 135 Meter lange Schiff war am Montag am Ende eines Hafenbeckens auf eine Sandbank aufgefahren. Versuche, es mit einer Ankerwinde und durch Gewichtsverlagerungen freizubekommen, blieben erfolglos. Schlepper durften nicht eingesetzt werden.
Andere Fracht drückt Terra 2 frei
Erst die Ausfahrt eines anderen Frachtschiffs brachte die Terra 2 am folgenden Tag frei: Das Schiff drückte den Havaristen bei der eigenen Ausfahrt von der Sandbank. Anschließend fuhr die Terra 2 zurück ins Hafenbecken.
Um den Tiefgang zu verringern, wurde ein Teil der Ladung entladen. Von den zunächst 160 Transportern mit einem Gesamtgewicht von 390 Tonnen wurden später weitere 50 Sprinter abgeladen. Die zulässige Nutzlast des Schiffes liegt bei 3500 Tonnen; Platz wäre für 190 Sprinter gewesen.
Streit über die Ursache
Die Hafenverwaltung ging nach dem Vorfall davon aus, dass der Kapitän das Gewicht und damit den Tiefgang falsch eingeschätzt habe. Mosolf wies das zurück und kritisierte, der Hafen sei nicht ausreichend ausgebaggert worden. Das Gewicht der Sprinter sei angesichts ihrer geringen Gesamtmasse nicht das entscheidende Problem gewesen.
Nachdem die Pegelstände zuletzt leicht gestiegen waren, erhielt das Schiff die Erlaubnis zur Ausfahrt. In Düsseldorf lag der Pegelstand am Montag noch bei minus neun Zentimetern, am Samstagmorgen bei minus ein Zentimeter. Eine deutliche Entspannung wird wegen der überwiegend trockenen Wetterprognose zunächst nicht erwartet.
Niedrigwasser bremst den Güterverkehr
Der Vorfall im Düsseldorfer Hafen zeigt, wie empfindlich die Binnenschifffahrt auf geringe Wassertiefen reagiert. Selbst ein Schiff, das seine zulässige Nutzlast bei Weitem nicht ausschöpft, kann an einer flachen Stelle im Hafenbecken festkommen. Für die Logistik zählt daher nicht nur das Gewicht der Ladung, sondern auch der verfügbare Tiefgang entlang der gesamten Route.
Die Pegelstände am Rhein liegen weiterhin auf niedrigem Niveau. Besonders am Mittelrhein sind viele Frachtschiffe nur noch mit deutlich reduzierter Ladung unterwegs; auf einzelnen Abschnitten verkehren nur vereinzelt Güterschiffe. Zugleich können sich die Bedingungen regional unterscheiden: Für den Raum Köln wird ein leichter Pegelanstieg erwartet, während am Mittel- und Oberrhein eine schnelle Entspannung ausbleibt.
Folgen für Industrie und Verbraucher
Der Rhein verbindet wichtige Industrie- und Hafenstandorte mit Rotterdam. Einschränkungen treffen deshalb nicht nur einzelne Reedereien, sondern auch Lieferketten für Fahrzeuge, Rohstoffe und andere Güter. Unternehmen müssen Ladungen auf mehrere Schiffe verteilen, Transporte auf die Straße verlagern oder längere Wartezeiten einkalkulieren.
Für die kommenden Tage bleibt die Lage angespannt, weil nur begrenzter Regen erwartet wird. Eine nachhaltige Verbesserung setzt kontinuierliche Niederschläge voraus; einzelne Schauer können die Wasserführung kurzfristig nur regional beeinflussen. Das Sandbank-Malheur macht damit ein strukturelles Problem sichtbar: Niedrigwasser erhöht die Kosten und verringert die Planungssicherheit der gesamten Rheinlogistik.
