Ford stellt 350 Ingenieure wieder ein: Mensch schlägt KI bei Qualität
Veröffentlicht am: 01.07.2026 um 17:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die als „Graue Bärte“ bekannten Experten sollen die Qualitätssicherung stabilisieren – nachdem rein KI-gestützte Systeme bei der Fehlererkennung enttäuscht hatten.
„Der praktischen Erfahrung zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt“
Die Konzernführung räumt ein: Der Fokus auf automatisierte Qualitätssicherung war zu optimistisch. Vizepräsident Charles Poon sagte, man habe der Erfahrung langjähriger Ingenieure fälschlicherweise zu wenig Beachtung geschenkt. Künstliche Intelligenz sei nur so gut wie die Daten, mit denen sie trainiert werde. Ohne das Urteilsvermögen erfahrener Techniker hätten die KI-Tools Schwachstellen in der Fertigung übersehen – mit erheblichen Kostenfolgen.
COO Kumar Galhotra bestätigte: Die Ergebnisse der automatisierten Systeme waren insgesamt enttäuschend. Die zurückgeholten Veteranen sollen nun Fehlerquellen bereits vor dem Start der Serienproduktion aufspüren. Gleichzeitig fungieren sie als Mentoren für jüngere Mitarbeiter und helfen, die KI-Modelle zu optimieren.
Milliarden-Einsparungen und Qualitätssprung
Die Neuausrichtung zeigt bereits Erfolge. CEO Jim Farley berichtet von deutlich gesunkenen Ausgaben für Garantiefälle und Rückrufe. Für das Geschäftsjahr 2026 rechnet der Konzern mit Einsparungen von rund einer Milliarde US-Dollar.
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Auch in Rankings macht sich der Wandel bemerkbar. In der J.D.-Power-Studie 2026 erreichte Ford erstmals seit 16 Jahren den Spitzenplatz unter den Mainstream-Marken. Von Platz 10 verbesserte sich das Unternehmen auf Platz 3 – vor Wettbewerbern wie Toyota und Honda. Nur Premiummarken wie Porsche und Genesis liegen noch vorn. Allerdings verzeichnet Ford mit über 50 Kampagnen weiterhin eine hohe Zahl an Rückrufen auf dem US-Markt.
Hybrides Modell: Mensch und Maschine im Team
Ford ersetzt die KI nicht vollständig, sondern setzt künftig auf ein hybrides Modell. Die Technik analysiert große Datenmengen, während menschliche Experten komplexe Grenzfälle bewerten. Die Erfahrung der Ingenieure gilt als essenziell für die Zuverlässigkeit der automatisierten Prozesse.
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Parallel zur personellen Verstärkung treibt das Unternehmen die Modernisierung voran. In den Werken sollen rund 900 KI-gestützte Kamerasysteme, digitale Zwillinge und kollaborative Roboter (Cobots) zum Einsatz kommen. Die Kombination aus Technologie und Fachwissen erfahrener Mitarbeiter ist nun der Kern der Produktionsstrategie – um weitere Milliardenkosten durch Qualitätsmängel zu vermeiden. Ähnliche Tendenzen zeigten sich zuletzt auch bei Trade Republic oder Klarna.
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