Food, Safety

Food Safety Street Hanoi: 95% der Betriebe sollen Rohstoffe nachweisen

04.06.2026 - 14:31:01 | boerse-global.de

Vietnam will mit einer neuen Behörde die Lebensmittelsicherheit verbessern, während Österreich und Deutschland auf etablierte Systeme setzen.

Food Safety Street Hanoi: 95% der Betriebe sollen Rohstoffe nachweisen - Bild: über boerse-global.de
Food Safety Street Hanoi: 95% der Betriebe sollen Rohstoffe nachweisen - Bild: über boerse-global.de

Vietnam: Neues Gesetz soll Behördenchaos beenden

Die vietnamesische Regierung treibt eine umfassende Reform der Lebensmittelsicherheit voran. Bei einem Spitzentreffen am 4. Juni 2026 diskutierte Vize-Minister Do Xuan Tuyen die geplante Novelle des Lebensmittelsicherheitsgesetzes. Der Entwurf umfasst fünf Kernbereiche: Risikokontrolle entlang der gesamten Lieferkette, Digitalisierung eines nationalen Dateninformationssystems sowie die Regulierung von Straßenverkauf und Gemeinschaftsverpflegung.

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Das eigentliche Problem liegt in der Zersplitterung der Zuständigkeiten. Derzeit teilen sich drei Ministerien – Gesundheit, Landwirtschaft sowie Industrie und Handel – die Verantwortung für 33 Produktgruppen. Eine zentrale Behörde unter dem Gesundheitsministerium soll künftig Personal und Aufgaben bündeln, während gleichzeitig die Kommunen mehr Eigenverantwortung erhalten.

Pilotprojekte und Kontrollen vor Ort

In Hanoi startet ein ambitioniertes Pilotprojekt: Die „Food Safety Street“ im Bezirk Hoai Duc soll beweisen, dass mehr als 95 Prozent der Betriebe die Herkunft ihrer Rohstoffe nachweisen können. 50 Prozent der Händler sollen zudem digitale Rückverfolgungssysteme nutzen. Konforme Restaurants erhalten offizielle Zertifikate – eine klare Botschaft an Verbraucher.

Nach einem Lebensmittelvergiftungsfall Ende Mai wurden in der Provinz Gia Lai unangekündigte Kontrollen in Bäckereien durchgeführt. Die Behörden entnahmen Proben von Pastete, Wurst, eingelegtem Gemüse und Saucen – getestet wird auf Salmonellen, E. coli und Staphylokokken. Bis zu 150 Proben sollen im Juni analysiert werden.

Die Behörden in Hanoi ließen zudem geschmuggelte Lebensmittel im Wert von umgerechnet rund 12.000 Euro vernichten. Die beschlagnahmten Nudeln, Gewürze und Süßigkeiten stammten überwiegend aus China und waren im April bei einem nicht registrierten Händler sichergestellt worden.

Österreich: Nur 1,5 Prozent der Proben gesundheitsschädlich

Pünktlich zum Internationalen Tag der Lebensmittelsicherheit am 7. Juni meldet die österreichische Lebensmittelindustrie beeindruckende Zahlen. Jährlich kontrollieren die Behörden rund 30.000 Betriebe und analysieren knapp 25.000 Proben. Das Ergebnis spricht für sich: Gerade einmal 1,5 Prozent der Proben wurden als gesundheitsschädlich eingestuft.

„Die hohe Compliance-Rate zeigt, dass unser System funktioniert“, betont Mag. Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Verbands der Lebensmittelindustrie. Die Branche umfasst rund 200 Unternehmen mit einem Produktionsvolumen von 12 Milliarden Euro und 27.500 Beschäftigten – allein die Exporte belaufen sich auf 10 Milliarden Euro.

Deutschland: Strengere Regeln und neue Warnungen

In Deutschland stehen die bestehenden Vorschriften auf dem Prüfstand. Die 42. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (42. BImSchV) schreibt seit August 2017 strenge Eigenkontrollen vor. Betreiber von Oberflächenbehandlungsanlagen müssen alle 14 Tage selbst prüfen und alle drei Monate externe Proben nehmen. Bei Legionellen-Konzentrationen über 10.000 KBE/100 ml ist die Behörde zu informieren.

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Ein aktueller Fall zeigt die Realität: Nach Kontrollen im Februar und März veröffentlichten Lebensmittelkontrolleure Ende Mai die Mängelliste eines Restaurants in Grenzach-Wyhlen. Das Fazit: verschmutzte Schneidebretter und verdorbenes oder abgelaufenes Fleisch.

Der TÜV-Verband schlägt derweil Alarm – allerdings für Medizinprodukte. Die geplante Abschaffung unangekündigter Audits und die Verlängerung von Inspektionsintervallen auf 24 Monate seien gefährlich. „Wir dürfen nicht zu einem reaktiven statt proaktiven Sicherheitssystem übergehen“, warnt Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands. 86 Prozent der geprüften Produkte wiesen bereits Sicherheitslücken auf.

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