Fluggastrechte, Deutschland

Fluggastrechte: Deutschland und Frankreich einigen sich auf 250-Euro-Pauschale

08.06.2026 - 21:12:38 | boerse-global.de

Deutschland und Frankreich schlagen vereinfachte Entschädigung vor. Airlines warnen vor Milliardenkosten durch Reform und steigende Treibstoffpreise.

EU-Fluggastrechte: 250 Euro Pauschale für alle Verspätungen
Fluggastrechte - Ein Euro-Münze mit Flugzeugsymbol, über dem unscharfen Hintergrund des Europäischen Parlaments in Brüssel schwebend. 08.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Deutschland und Frankreich bringen einen gemeinsamen Kompromissvorschlag ein. Kern der Initiative: eine radikale Vereinfachung der Entschädigungszahlungen.

250 Euro für alle – das Ende der Distanz-Staffel

Bisher war die Sache kompliziert: Je nach Flugdistanz gab es zwischen 250 und 600 Euro Entschädigung. Der neue Vorstoß aus Berlin und Paris sieht eine Pauschale von 250 Euro vor – für alle Flüge, unabhängig von der Entfernung. Der Anspruch soll wie bisher ab drei Stunden Verspätung oder bei Flugausfall greifen.

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Ziel ist eine klare, einfache Regelung, die Passagiere schützt, aber auch die Airlines nicht übermäßig belastet. Zusätzlich sollen Fluggesellschaften verpflichtet werden, betroffenen Passagieren aktiv einen Link zu einem Entschädigungsformular zu schicken. Eine automatische Vorausfüllung, wie vom EU-Parlament gefordert, ist im aktuellen Entwurf nicht vorgesehen.

Zeit läuft ab: Einigung bis zum 15. Juni

Die Uhr tickt in Brüssel. Die Verhandlungen über die Reform der Fluggastrechte-Verordnung aus dem Jahr 2004 müssen bis zum 15. Juni 2026 abgeschlossen sein. Sonst gilt die Reform als gescheitert.

Der Hintergrund: Bereits im Juni 2025 hatten sich die EU-Staaten auf eine Position geeinigt, die für Passagiere weniger günstig war. Das EU-Parlament lehnte diesen Vorschlag im Januar 2026 ab und beharrte auf hohen Schutzstandards. Der deutsch-französische Vorstoß ist der letzte Versuch, die Fronten zu überbrücken.

Milliardenbelastung für die Airlines

Die Debatte kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt für die Luftfahrtbranche. Der internationale Luftfahrtverband IATA beziffert die Kosten der Entschädigungsregeln auf rund acht Milliarden Euro pro Jahr.

Dazu kommen massive Treibstoffkosten. Die Kerosinpreise stiegen aufgrund geopolitischer Konflikte im Nahen Osten um etwa 40 Prozent. Die IATA korrigierte ihre Gewinnprognose für 2026 von ursprünglich 41 Milliarden auf nur noch 23 Milliarden US-Dollar nach unten. Die Treibstoffkosten der Branche belaufen sich auf rund 350 Milliarden US-Dollar.

Trotz der Kostenexplosion: Die Passagierzahlen erreichen mit geschätzten 5,1 Milliarden Reisenden einen neuen Höchststand.

Nächster Streitpunkt: Emissionshandel für internationale Flüge

Doch die Airlines haben noch ein weiteres Problem. Die EU-Kommission plant, den Emissionshandel (ETS) auf internationale Flüge auszuweiten. Eine Überprüfung ist für Juli 2026 angesetzt.

Die Chefs von Lufthansa, Air France-KLM und Ryanair warnen bereits: Eine solche Ausweitung würde die Ticketpreise deutlich nach oben treiben.

Signal der Einigkeit – trotz FCAS-Debakel

Der gemeinsame Vorstoß bei den Fluggastrechten hat auch eine politische Botschaft. Denn am heutigen Tag wurde bekannt, dass das deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS vorerst gescheitert ist. Kanzler Merz und Präsident Macron mussten eingestehen, dass Airbus und Dassault keine gemeinsame Linie finden konnten.

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Die Kooperation bei den Fluggastrechten wird nun als Signal gewertet: Deutschland und Frankreich wollen zeigen, dass sie in anderen politischen Sachfragen weiterhin handlungsfähig sind.

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