Firmenwagen-Förderung: 4,2 Milliarden Euro Steuerausfälle durch Verbrenner
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 21:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Deutschland fördert Firmenwagen mit Verbrennungsmotor jährlich mit Milliarden – und konterkariert damit eigene Klimaziele.
Das Umweltbundesamt (UBA) und die Organisation Transport & Environment (T&E) haben am heutigen Donnerstag neue Analysen vorgelegt. Ihr Befund: Die pauschale Dienstwagenbesteuerung, bekannt als Ein-Prozent-Regelung, ist nicht nur teuer, sondern auch schlecht fürs Klima.
Steuerausfälle in Milliardenhöhe
Allein 2024 verursachte die Regelung Steuermindereinnahmen von mindestens 4,2 Milliarden Euro. Davon entfallen rund 2,73 Milliarden Euro auf die Bereitstellung der Fahrzeuge und 1,47 Milliarden Euro auf die private Nutzung. Das UBA beziffert die zusätzlichen CO2-Emissionen durch diese Subvention auf etwa 1,68 Millionen Tonnen.
Noch deutlicher fällt die Kritik von T&E aus. Demnach fördert Deutschland jeden fossilen Firmenwagen netto mit rund 10.000 Euro – mehr als doppelt so viel wie andere EU-Staaten. Ein Hauptgrund: der Steuervorteil beim Sprit. Während Deutschland rechnerisch 0,50 Euro pro Liter Benzin subventioniert, erzielen Länder wie Frankreich mit der Besteuerung Einnahmen von über 10 Euro. Für E-Autos beträgt der Nettovorteil für Verbrenner in Deutschland bis zu 6.190 Euro. T&E fordert daher eine Reform der Besteuerung und eine EU-weite Verordnung für saubere Firmenflotten.
Elektro-Dienstwagen: Förderung bereits angepasst
Die Politik hat reagiert – zumindest bei den E-Autos. Seit Mitte 2025 gilt eine erhöhte Bruttolistenpreisgrenze für die sogenannte Viertelregelung. Fahrzeuge, die bis Ende 2030 angeschafft werden, profitieren bis zu einem Preis von 100.000 Euro (zuvor 70.000 Euro) von der reduzierten Bemessungsgrundlage von 0,25 Prozent. Liegt der Preis darüber, wird die Bemessungsgrundlage halbiert.
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Das Bundesfinanzministerium hat zudem am 21. Juli 2026 neue Regeln zur Strompreispauschale für betriebliche E-Autos präzisiert. Steuerpflichtige können künftig zwischen dem Nachweis der tatsächlichen Kosten und einer Pauschale wählen. Diese orientiert sich am halbjährlichen Gesamtstrompreis des Statistischen Bundesamtes für private Haushalte.
E-Autos erstmals beliebteste Antriebsart in Firmenflotten
Trotz der Diskussionen um Förderungen zeichnet sich ein Trend ab. Einer Dataforce-Studie vom heutigen Donnerstag zufolge waren Elektroautos im ersten Halbjahr 2026 mit einem Anteil von 30 Prozent an den Neuzulassungen erstmals die beliebteste Antriebsart in deutschen Firmenflotten. Fast alle Unternehmen mit mehr als 50 Fahrzeugen setzen demnach bereits E-Autos ein – Hauptgrund ist die Wirtschaftlichkeit. Allerdings betonte mehr als die Hälfte der Unternehmen, dass der Prozess ohne staatliche Förderung langsamer verliefe.
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International gibt es unterschiedliche Ansätze. In Österreich plant das Finanzministerium ab dem 1. Januar 2027 einen Sachbezug für E-Firmenwagen. Dieser soll zunächst 0,375 Prozent der Anschaffungskosten betragen und im Folgejahr weiter steigen. Bisher lag der Sachbezug bei null, während Verbrenner deutlich höher besteuert werden.
Politische Hürden und Kritik aus der Branche
Die politische Umsetzung weiterer Entlastungen stößt auf finanzielle Grenzen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche schloss am 22. Juli 2026 einen neuen Tankrabatt aus. Die bisherige Spritpreisbremse habe bereits Milliarden gekostet. Stattdessen setze man auf Transparenzregeln und Kartellrecht.
Kritik kommt auch aus der Automobilwirtschaft. Burkhard Weller, Präsident der Vereinigung der Automobil-Dienstleister (VAD), bezeichnete die bestehende E-Auto-Prämie bereits im Frühjahr als unzureichend. Die Auftragseingänge lägen deutlich unter Plan. Weller fordert, auch junge Gebrauchtwagen in die Förderung einzubeziehen. Investitionen in die Bildungsinfrastruktur hält er für sinnvoller als die aktuelle Prämienpolitik, die Kunden eher verunsichere.
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