RĂŒckenwind, Minus

Deutsche Wirtschaft ohne RĂŒckenwind - Minus zum Jahresende

23.02.2024 - 13:05:05

Firmen halten sich mit Investitionen zurĂŒck, der Bau steckt in der Flaute, und die Nachfrage nach «Made in Germany» schwĂ€chelt. Auch die kommenden Monate dĂŒrften fĂŒr Deutschland nicht einfach werden.

Deutschland steht nach einem RĂŒckgang der Wirtschaftsleistung vor schwierigen Monaten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im vierten Quartal 2023 gegenĂŒber dem Vorquartal preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,3 Prozent.

«Im Schlussquartal bremsten die rĂŒcklĂ€ufigen Investitionen die Konjunktur, wĂ€hrend der Konsum leicht zulegte», bestĂ€tigte die Chefin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand, vorlĂ€ufige Daten der Behörde. Volkswirte rechnen damit, dass die SchwĂ€che zunĂ€chst anhĂ€lt. Die Hoffnung auf eine krĂ€ftige Konjunkturerholung in diesem Jahr ist geschwunden.

«Im ersten Quartal könnte die deutsche Wirtschaftsleistung nochmals etwas zurĂŒckgehen», sagte Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel. Schrumpft das BIP zwei Quartale in Folge, sprechen Volkswirte von einer technischen Rezession. Das bedeutet nicht, dass das Gesamtjahr negativ ist. Allerdings war Deutschland 2023 insgesamt mit einem RĂŒckgang der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent bereits in eine Rezession gerutscht.

Manche Volkswirte schließen ein weiteres Minus im Gesamtjahr 2024 nicht aus. Die Bundesregierung erwartet nur noch ein Miniwachstum von 0,2 Prozent. «Wir kommen langsamer aus der Krise als gehofft», sagte kĂŒrzlich Wirtschaftsminister Robert Habeck.

«Etwas mehr Licht als Schatten»

Nach EinschĂ€tzung von Bundesbank-PrĂ€sident Nagel verspricht der Ausblick fĂŒr 2024 aber «wieder etwas mehr Licht als Schatten». Die Wirtschaft dĂŒrfte im Laufe des Jahres wieder Tritt fassen. RĂŒckenwind sollte von der Nachfrage aus dem Ausland kommen. Zudem dĂŒrfte der private Konsum davon profitieren, dass sich die Kaufkraft verbessere. «Dank eines stabilen Arbeitsmarkts, krĂ€ftig steigender Löhne und rĂŒcklĂ€ufiger Inflation werden die Menschen effektiv mehr Geld in der Tasche haben.» Nach seiner EinschĂ€tzung ist der Wirtschaftsstandort im weltweiten Vergleich trotz struktureller Probleme nach wie vor gut aufgestellt. «Deutschland ist nicht der kranke Mann der Weltwirtschaft».

Zum Jahresende stiegen die privaten Konsumausgaben um 0,2 Prozent. Die Inflation hatte sich zuletzt abgeschwĂ€cht, was die Konsumlust der Menschen ankurbeln kann. Bremsspuren gab es dagegen bei den Investitionen. Jene in Bauten sanken gegenĂŒber dem Vorquartal. Der Bau leidet unter gestiegenen Zinsen und Kosten. Unternehmen investierten zudem weniger in AusrĂŒstungen wie Fahrzeuge und Maschinen. Ein Grund dĂŒrfte das Auslaufen der Förderung fĂŒr Elektroautos gewesen sein, erlĂ€uterten Volkswirte der Deutsche-Bank-Tochter DWS.

Die Stimmung unter den Unternehmen hellte sich zuletzt leicht auf. Das Ifo-GeschÀftsklima stieg im Februar. «Die Konjunktur stabilisiert sich auf niedrigem Niveau», sagte Ifo-PrÀsident Clemens Fuest.

Staatsdefizit wird kleiner

Einen Lichtblick gab es bei den Staatsfinanzen. Im vergangenen Jahr gab der Fiskus zwar erneut mehr Geld aus, als er einnahm. Das Defizit von Bund, LĂ€ndern, Gemeinden und Sozialversicherungen verringerte sich aber im Vergleich zum Vorjahr um 9,5 Milliarden auf 87,4 Milliarden Euro, unter anderem weil ein Großteil der Ausgaben zur BekĂ€mpfung der Pandemie entfiel.

Das grĂ¶ĂŸte Minus wies der Bund mit 79 Milliarden Euro auf. RĂŒcklĂ€ufige Transfers des Bundes bei anhaltenden finanziellen Belastungen zur Versorgung von FlĂŒchtlingen trugen dazu bei, dass auch die LĂ€nder (6,4 Milliarden Euro) und Gemeinden (12,1 Milliarden Euro) Finanzierungsdefizite aufwiesen. Die Sozialversicherungen (10 Milliarden Euro) verzeichneten dagegen einen leichten Anstieg der ÜberschĂŒsse.

Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung betrug das Defizit 2,1 Prozent. ZunÀchst war das Bundesamt von 2 Prozent ausgegangen. 2022 waren es 2,5 Prozent. Wegen des Haushaltsurteils des Bundesverfassungsgerichts ist die Bundesregierung dennoch zum Sparen gezwungen.

Deutschland hielt nach zwei Ausreißern in den Corona-Jahren 2020 und 2021 damit das zweite Jahr in Folge die europĂ€ische Verschuldungsregel ein, die den EU-Staaten ein Haushaltsdefizit von höchstens drei Prozent erlaubt. Wegen der Corona-Hilfsprogramme waren die Regeln ausgesetzt worden. Vertreter des Europaparlaments und der Regierungen der EU-Mitgliedstaaten einigten sich unlĂ€ngst auf eine Reform. Die PlĂ€ne sehen vor, dass bei EU-Zielvorgaben fĂŒr den Abbau zu hoher Defizite und Schulden die individuelle Lage von LĂ€ndern stĂ€rker berĂŒcksichtigt wird.

@ dpa.de