Altersvorsorge, Finanzielle Unsicherheit

Finanzen: Frauen sorgen sich häufiger um Altersvorsorge als Männer

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Eine repräsentative Umfrage zeigt deutliche Unterschiede bei der finanziellen Zuversicht von Frauen und Männern. Frauen sorgen sich häufiger um ihre Altersvorsorge und haben zugleich seltener Geld zum Sparen übrig.

Frauen machen sich laut Umfrage mehr Sorgen um ihre finanzielle Altersvorsorge als Männer. (Symbolbild) - Bild: Felix Kästle/dpa
Frauen machen sich laut Umfrage mehr Sorgen um ihre finanzielle Altersvorsorge als Männer. (Symbolbild) - Bild: Felix Kästle/dpa

Frauen blicken einer Umfrage zufolge deutlich unsicherer auf ihre finanzielle Absicherung im Alter als Männer und haben zugleich weniger Spielraum für zusätzliche Vorsorge.

Größere Sorgen um die Altersvorsorge

47 Prozent der befragten Frauen machen sich große oder sehr große Sorgen um ihre Altersvorsorge. Bei den Männern sind es 35 Prozent. Das ergab eine repräsentative Onlineumfrage im Auftrag des unabhängigen Geldratgebers Finanztip.

Als größte Hürde für zusätzliche Vorsorge nennen knapp 45 Prozent der Frauen fehlendes Geld. Gut jede vierte Frau hat nach den regelmäßigen Ausgaben monatlich weniger als 50 Euro oder gar nichts zum Sparen, Anlegen oder Zurücklegen übrig. Bei den Männern berichten dies 17 Prozent.

Lebenshaltungskosten belasten

Frauen nennen als wichtigste Faktoren für ihre finanzielle Situation steigende Lebenshaltungskosten mit 51 Prozent, ein zu geringes Einkommen mit 36 Prozent sowie Schulden und Kredite mit 22 Prozent. 15 Prozent sehen Teilzeit oder eine reduzierte Arbeitszeit als Einflussfaktor; bei den Männern sind es 7 Prozent.

Besonders groß ist die Unsicherheit bei jungen Frauen. Nur 37 Prozent der 18- bis 29-Jährigen fühlen sich bei ihren persönlichen Finanzen sicher. Bei den gleichaltrigen Männern liegt der Anteil bei 55 Prozent.

Wunsch nach verständlicher Orientierung

Als wichtigste Hilfe für ihre finanzielle Zukunft nennen 37 Prozent der Frauen mehr finanziellen Spielraum. Jede Fünfte wünscht sich verständliche Erklärungen, 17 Prozent einfache Schritt-für-Schritt-Anleitungen.

„Frauen brauchen keine anderen Finanzprodukte. Aber sie wünschen sich eine verständliche Orientierung, die ihre eigene Lebenssituation berücksichtigt – etwa Elternzeit, Teilzeit oder die eigene Altersvorsorge“, sagt Finanztip-Geschäftsführerin Mirjam Mohr.

Für die Untersuchung befragte das Marktforschungsinstitut Innofact im Auftrag von Finanztip vom 16. bis 31. Juli 2026 insgesamt 3.049 Menschen im Alter von 18 bis 74 Jahren. Darunter waren 2.000 Frauen und 1.049 Männer.

Finanzielle Unsicherheit hat strukturelle Gründe

Die Umfragewerte verweisen nicht nur auf unterschiedliche Einschätzungen, sondern auch auf unterschiedliche Erwerbsbiografien. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit und unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit eher wegen Kinderbetreuung oder Pflege. Dadurch fallen Einkommen, gesetzliche Rentenbeiträge und Möglichkeiten zum privaten Sparen geringer aus.

Steigende Lebenshaltungskosten verschärfen diesen Zusammenhang. Wenn nach Miete, Energie, Lebensmitteln und Krediten kaum Geld übrig bleibt, wird Altersvorsorge zur nachrangigen Ausgabe. Besonders bei jungen Frauen kann sich ein geringer finanzieller Spielraum über Jahrzehnte auswirken, weil weniger Zeit für den Aufbau zusätzlicher Rücklagen bleibt.

Folgen für Vorsorge und Arbeitsmarkt

Die Unterschiede zeigen sich deshalb nicht allein am Kontostand, sondern auch bei den langfristigen Ansprüchen. Teilzeit und Auszeiten können die spätere gesetzliche Rente mindern; zugleich erschweren niedrige Einkommen den Zugang zu betrieblicher oder privater Vorsorge. Eine verständliche Übersicht über bestehende Ansprüche kann helfen, die persönliche Lücke früh zu erkennen, ersetzt aber kein zusätzliches Einkommen.

Für Betroffene ist entscheidend, Vorsorge an die eigene Lebenssituation anzupassen und auch kleine, regelmäßig mögliche Beträge zu prüfen. Politisch berührt das Thema zugleich Löhne, Kinderbetreuung, Pflege, Arbeitszeitmodelle und die Verteilung unbezahlter Arbeit. Die Ergebnisse machen damit sichtbar, dass finanzielle Sicherheit im Alter weit vor dem Renteneintritt entsteht.

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