Finanzabteilungen: 57 Prozent wollen Abrechnungen binnen zwölf Monaten modernisieren
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Softwareanbieter Vertex hat bei einer Veranstaltung in München vor mehr als 100 Vertretern internationaler Unternehmen einen neuen strategischen Ansatz präsentiert. Unternehmenschef Chris Young stellte das Konzept mit der Bezeichnung „Decision-to-Defense“ vor, wie aus einem Branchenbericht hervorgeht.
Der Ansatz zielt darauf ab, Steuerbestimmung, elektronische Rechnungsstellung, Compliance sowie Datenmanagement und Governance in einem durchgängigen Rahmenwerk zusammenzuführen.
Nach Angaben des Unternehmens vertrauen bereits über 60 Prozent der im Fortune-500-Index gelisteten Konzerne auf die Lösungen von Vertex. Als externer Referent trat bei der Veranstaltung unter anderem der frühere Bundesfinanzminister Christian Lindner auf.
Verbindung von Automatisierung und menschlicher Kontrolle
Im Mittelpunkt der Präsentation stand die zunehmende Verlagerung regulatorischer Kontrollen unmittelbar an den Zeitpunkt der Transaktion. Young erklärte, dass Compliance immer dichter an das operative Geschäft heranrücke.
Der Einsatz von künstlicher Intelligenz könne Finanzabteilungen maßgeblich dabei unterstützen, verteilte Daten zusammenzuführen, Informationen automatisiert zu kategorisieren und Unregelmäßigkeiten sowie Ausnahmen deutlich früher zu identifizieren.
Gleichzeitig unterstrich die Unternehmensführung die Grenzen rein automatisierter Systeme. Die letztendliche Verantwortung für steuerliche Prozesse verbleibe beim Menschen, und das menschliche Urteilsvermögen bleibe bei komplexen Entscheidungen weiterhin unverzichtbar.
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Steigender Druck auf Finanzabteilungen trotz neuer Technologien
Die Notwendigkeit integrierter Steuer- und Finanzsysteme spiegelt sich in aktuellen Branchendaten wider. Laut dem von Tipalti veröffentlichten Finanzbarometer für 2026 gaben 31 Prozent der befragten Fachkräfte an, vollautomatisierte Prozesse in der Kreditorenbuchhaltung zu nutzen, verglichen mit 7 Prozent im Jahr 2025. Der Einsatz von KI-Werkzeugen und spezialisierten Software-Agenten kletterte im selben Zeitraum von 14 auf 46 Prozent.
Trotz dieser Zuwächse berichten mehr als acht von zehn Befragten von einer anhaltend steigenden Arbeitslast; 66 Prozent verzeichnen sogar einen Zuwachs an manuellen Tätigkeiten. Derzeit wenden Fachkräfte durchschnittlich zehn Stunden pro Woche für manuelle Aufgaben in der Rechnungsverarbeitung auf.
Ein wesentlicher Grund für diese Diskrepanz liegt in der fragmentierten Umsetzung: Bei 66 Prozent der erfassten Unternehmen beschränkt sich die Automatisierung weiterhin auf das Auslesen von Belegen per Texterkennung, während lediglich 6 Prozent durchgängige Prozesse mittels KI-Agenten realisiert haben.
Als Haupthindernisse für weitergehende Implementierungen nannten die Befragten Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit mit 36 Prozent, Fragen der Genauigkeit mit 33 Prozent sowie Kontroll- und Vertrauensaspekte mit 30 Prozent.
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Wachsende Anforderungen an grenzüberschreitende Compliance
Verstärkt wird der Modernisierungsdruck durch geopolitische und regulatorische Unsicherheiten. Nach den Erhebungen von Tipalti beobachten 78 Prozent der Finanzexperten eine erhöhte Volatilität bei Planungen infolge weltweiter wirtschaftlicher und politischer Verschiebungen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen verlangsamt Investitionen aufgrund von Handels- und Zollrisiken.
Gleichzeitig planen 57 Prozent der Firmen, ihre Kreditoren- und Abrechnungsprozesse innerhalb der nächsten zwölf Monate zu modernisieren. Ansätze wie das von Vertex vorgestellte Modell adressieren genau diese Schnittstelle zwischen länderspezifischen Steuervorschriften, elektronischer Berichterstattung und nachvollziehbarer Datensicherheit.
