Ferienjobber-Mangel, G9-Reform

Ferienjobber-Mangel: G9-Reform lässt Bewerberzahlen um 75% einbrechen

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 06:21 Uhr, Redaktion boerse-global.de

G9-Reform und Demografie lassen Bewerberzahlen einbrechen. Der Handel fordert mehr Flexibilität bei den Öffnungszeiten.

Sommerjob-Krise: Deutscher Einzelhandel sucht händeringend Personal
Ferienjobber-Mangel - Leerer Supermarktgangle mit einem 'Geschlossen'-Schild und unscharfen Selbstbedienungskassen im Hintergrund, das den Personalmangel im Einzelhandel symbolisiert. 07.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Trotz höherer Stundenlöhne bleiben unzählige Stellen in Supermärkten und Modeketten unbesetzt. Die Folgen: Mehrarbeit für Stammpersonal, verkürzte Öffnungszeiten und immer mehr Selbstbedienungskassen.

G9-Reform lässt Bewerberzahlen einbrechen

Der Hauptgrund für den Mangel liegt in der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium. In Nordrhein-Westfalen verlassen 2026 rund 75 Prozent weniger Abiturienten die Schulen als üblich. Im Kreis Euskirchen fehlt fast ein kompletter Jahrgang – rund 700 potenzielle Bewerber fallen weg. Die Agentur für Arbeit in Brühl rechnet mit einem deutlichen Rückgang der Bewerbungen. Auch die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer prognostiziert 15 Prozent weniger Ausbildungsinteressierte.

Der demografische Wandel verschärft die Situation zusätzlich. Laut Institut der deutschen Wirtschaft kommen bis 2036 in vielen Regionen nur 100 Berufseinsteiger auf 200 Rentner. Bundesweit scheiden jährlich rund 500.000 Arbeitskräfte aus. In der hessischen Hotellerie sanken die Ausbildungsanfänger 2025 bereits um 24 Prozent.

Höhere Löhne, strengere Regeln

Seit dem 1. Januar 2026 liegt der Mindestlohn bei 13,90 Euro pro Stunde. Die Minijob-Grenze wurde auf 603 Euro monatlich angehoben. Der Essener Unternehmensverband wies gestern auf die besonderen arbeitsrechtlichen Bestimmungen für Schüler und Studenten hin. Gleichzeitig warnen Experten vor einer möglichen Abschaffung des Minijob-Status. Ende März waren bundesweit rund 6,55 Millionen Minijobber registriert – davon über 870.000 im Gastgewerbe. Ein Wegfall würde die Personalnot laut Denkfabrik Zukunft der Gastwelt weiter verschärfen.

Anzeige

Ab Januar 2026 gilt die neue Verdienstgrenze von 603 Euro – Arbeitgeber müssen jetzt prüfen, ob ihre bestehenden Verträge noch rechtssicher sind. Sichern Sie sich diese kostenlose Mustervorlage, um Minijobber schnell und unkompliziert nach aktuellem Recht einzustellen. Jetzt kostenlose Mustervorlage sichern und auf dem neuesten Stand bleiben

Hinzu kommt: Flexible Plattformen und Lieferdienste locken junge Leute mit attraktiveren Arbeitszeitmodellen. Der stationäre Handel kann da kaum mithalten.

Streit um Sonntagsöffnung

Die Handelsverbände fordern angesichts der Misere mehr Flexibilität. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth sprach sich gestern erneut für eine generelle Sonntagsöffnung aus. Das würde die Branche stabilisieren, so sein Argument.

Die Bundesregierung plant jedoch nur eine begrenzte Ausweitung ab Januar 2027: Bäckereien und Konditoreien sollen sonntags bis zu acht Stunden öffnen dürfen, Bibliotheken bis zu sechs. Verdi lehnt die Forderungen des Handelsverbands strikt ab und wirft den Arbeitgebern eine Verweigerungshaltung vor.

Anzeige

Besonders bei der Beschäftigung von Aushilfen im Einzelhandel oder der Gastronomie können fehlerhafte Verträge schnell zu teuren rechtlichen Fallstricken führen. Diese kostenlose Mustervorlage schützt Arbeitgeber vor Fehlern und ist in wenigen Minuten einsatzbereit. Arbeitsvertrag für Minijobber kostenlos herunterladen

Trotz der schwierigen Personalsuche zeigt das aktuelle Konsumbarometer für Juli einen leichten Optimismusanstieg. Die Konjunkturerwartungen steigen, die Inflationsangst sinkt.

de | wirtschaft | 69710300 |